Neue Hitzerekorde und Trockenheit im Süden Europas werden für Einwohner wie Urlauber zunehmend zur Herausforderung. Auf Mallorca hat der Bürgermeister der Gemeinde Banyalbufar zuletzt aufgrund der extremen Wasserknappheit entschieden, die Wasserzufuhr drastisch zu regulieren. Es war geplant, ab dem 15. Juli nur noch sieben Stunden Wasser pro Tag aus den Hähnen fließen zu lassen. Von 23 Uhr bis 16 Uhr, also 17 Stunden lang, sollte es weder für Einheimische in ihren Häusern noch für Touristen in den Hotels Wasserversorgung geben. Wer duschen oder abwaschen möchte, könne das lediglich zwischen 16 Uhr bis 23 Uhr erledigen.

Steilküste mit einem Ort in den trockenen Bergen Mallorcas
Banyalbufar im Tramuntana-Gebirge drohte zuletzt eine Rationierung der Wasserzufuhr auf sieben Stunden pro Tag.
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In der Zwischenzeit sind die strengen Restriktionen noch vor dem Inkrafttreten wieder außer Kraft gesetzt worden, wie das Mallorca Magazin berichtet. Es steht aber weiterhin die Drohung im Raum, das Wasser doch noch abzudrehen, sollte zu viel verbraucht werden. Dass die Lockerungen dennoch möglich waren, begründete die Gemeinde am Montag mit mehreren Maßnahmen. Zum einen sei ein zusätzliches Wasserdepot genommen worden. Dank diesem könne das angestammte Depot, das die Haushalte der Gemeinde versorgt, schneller und zuverlässiger gefüllt werden. Zum anderen seien "Lecks in den Leitungen" repariert worden. Gänzlich aufgehoben seien die Einschränkungen für die Haushalte damit aber nicht, hieß es aus dem Rathaus. Weiterhin verboten sei das Füllen von Pools, das Waschen von Autos und Terrassen sowie das Bewässern von Gärten. Auch an dem Tageslimit von 75 Liter pro Kopf beziehungsweise Hotelbett ändere sich nichts. Bei Zuwiderhandlung, warnte die Gemeinde, drohe die sofortige Einstellung der Wasserversorgung.

Viel Trinkwasser versickert

Der Grund für das Wassersparen liege auf der Hand, heißt es in der Gemeinde. Die hohe Nachfrage in Zeiten der Trockenheit und der ständig wachsende Verbrauch seien die entscheidenden Faktoren. Tanklastwagen könnten diese nicht mehr ausreichend bewältigen und kommen der Nachfrage nicht mehr hinterher. Weitere Gründe für die Maßnahmen sind die instabile Haushaltslage aufgrund der stetig wachsenden städtischen Ausgaben für die Wasserlastwagen und die Reduktion der natürlichen Wasserressourcen. Nach Aussagen der Opposition im Mallorca Magazin gibt es aber noch einen anderen Grund. Aufgrund maroder Leitungen seien in den vergangenen vier Jahren 40 Prozent des Trinkwassers im Erdreich versickert. Von der knapp einen Million Euro, die der Inselrat für Ausbesserungsarbeiten zur Verfügung stellte, sei nichts in das öffentliche Wassernetz geflossen.

Schon seit längerem müssen für Dörfer im Tramuntana-Gebirge Lastwagen zur Wasserversorgung eingesetzt werden. Doch damit war das Problem nie wirklich gelöst. Und auch zuvor hatten die Behörden den Wasserkonsum pro Tag und Person auf 75 Liter beschränkt. Zum Vergleich: Der direkte Wasserverbrauch pro Kopf liegt in Österreich pro Tag bei 130 Liter. Auf der gesamten Insel gilt die Vorwarnstufe. Die Pegelstände liegen mit 52 Prozent (Stand Mai 2024) sieben Punkte unter denen des Vorjahrs. Das balearische Wasserwirtschaftsamt Abaqua, warnt in der Mallorca Zeitung: "Was wir gerade in der Tramuntana und im Pla erleben, könnte überall drohen, wenn wir keine Maßnahmen ergreifen." Einer der Hauptgründe für den steigenden Wasserverbrauch ist der Tourismusboom auf der Insel. Doch es wird angemerkt, dass auch der Einsatz von Wasserschläuchen gegen den hartnäckigen Saharastaub auf der Insel zu einem erhöhten Verbrauch geführt habe. (saum, 10.7.2024)