Lamine Yamal, hier im Zweikampf mit dem deutschen Jamal Musiala.
Lamine Yamal, hier im Zweikampf mit dem deutschen Jamal Musiala, ist der jüngste Spieler bei der Euro 2024.
IMAGO/pepphoto / Horst Mauelshag

Die Fußballeuropameisterschaft versetzt Deutschland zweifelsohne in eine Art Ausnahmezustand. Aber bedeutet das, dass Vorgaben des Jugendschutzes und des Arbeitsrechts vorübergehend nicht mehr gelten?

Absurderweise stellt sich diese Frage derzeit beim spanischen Youngster Lamine Yamal, der bei der EM für Furore sorgt. Der Stürmer des FC Barcelona ist mit 16 Jahren der bisher jüngste Spieler bei einer Europameisterschaft – und müsste beim Halbfinale gegen Frankreich eigentlich früher Schluss machen.

Laut dem deutschen Jugendarbeitsschutzgesetz dürfen 16-Jährige in der Nacht nämlich nur eingeschränkt arbeiten. In Paragraf 14 des Gesetzes gibt es sogar eine explizite Regelung "für die Tätigkeit von Jugendlichen als Sportler im Rahmen von Sportveranstaltungen". Eine Mitwirkung ist demnach nur bis 23 Uhr erlaubt.

Auch Interviews zählen zur Arbeit

Das Match am Dienstag beginnt um 21 Uhr und wird kurz vor 23 Uhr abgepfiffen – zumindest, wenn es bei der regulären Spielzeit bleibt. Yamals Arbeit hört um diese Uhrzeit allerdings nicht auf. Auch Interviews, das Duschen und die Regeneration nach dem Match zählen zur Arbeit. Kommt es zur Verlängerung, wird die 23-Uhr-Grenze so oder so überschritten. Was sollen die deutschen Behörden also tun?

Beim Achtelfinalspiel gegen Georgien, das ebenfalls um 21 Uhr angepfiffen wurde, stellte sich dieselbe Frage. Laut der deutschen Sportschau hatte die Bezirksregierung Köln im Vorfeld des Spiels am 30. Juni mitgeteilt, dass die "zuständige Behörde im eigenen Ermessen" entscheide, "ob Verstöße gegen die Regelungen geahndet werden".

Der spanische Nationaltrainer Luis de la Fuente erklärte der Sportzeitung Marca, dass er das deutsche Gesetz nicht kenne, aber Yamal wohl weiterspielen lasse. "Er ist für sein Alter außergewöhnlich weit. Er befindet sich in Ausbildung, sowohl als Fußballer als auch als Mensch. Wir alle tragen in diesem Prozess die Verantwortung und werden unser Bestes geben."

Strafe offen

Ob die deutschen Bezirksbehörden tatsächlich eine Strafe gegen Yamals Arbeitgeber, den spanischen Fußballverband, verhängen, ist offen. Im schlimmsten Fall droht ein Bußgeld in der Höhe von bis zu 30.000 Euro. Dem Verband würde das wohl nicht besonders wehtun – schon gar nicht, wenn die spanische Nationalelf Dienstagnacht gegen Frankreich gewinnt.

Wenn Jugendliche bis 23 Uhr an Sportveranstaltungen teilnehmen, dürfen sie laut Gesetz übrigens "nicht vor Ablauf einer ununterbrochenen Freizeit von mindestens 14 Stunden beschäftigt werden". Zum Training dürfte Yamal am Mittwoch also frühestens um 13 Uhr erscheinen. (japf, 9.7.2024)