Um zu sehen, wie sich der E-3008 im historisch-urbanen Umfeld macht, haben wir ihn kurz vor dem Ursin-Haus in Langenlois positioniert.
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Keine Frage, die haben momentan einen Lauf bei Peugeot. Ein neues Auto nach dem anderen, die Designsprache kommt an, und antriebstechnisch erfüllen sie alle Wünsche – bis auf eine einstige Stärke der Franzosen: Der Selbstzünder ist tot. Nach BMW war Peugeot da möglicherweise der zweitbeste Hersteller der Welt.

Sprechen wir von der jüngsten Modellpalette der Marke seit langem, so zählt dazu auch der 3008, der soeben in den Handel kommt. Vor der Sommerpause lud der Importeur noch rasch nach Langelois ins Loisium, um im Rahmen der "Löwen-Gespräche" Rede und Antwort zu stehen, doch bevor wir dazu kommen, gehen wir erst einmal rum um den Neuling, setzen uns rein und fahren eine Runde.

Die Peugeots in Reih und Glied angetreten vor den "Löwen-Gesprächen" beim Loisium.
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Außen rundherum: Fesch, da gibt's nix zu meckern, außer man ist prinzipieller SUV-Gegner oder einer von SUV-Coupés im Speziellen, denn nach den ersten Bildern des ebenfalls heuer noch kommenden 5008 ist klar: Der 3008 übernimmt in gewisser Weise die Rolle des Coupés unter den beiden.

Außen fallen gleich die jeweils drei beidseitigen Löwenklauen der LED-Lichtsignatur vorne und hinten ins Auge, innen drin ein ebenfalls erstmals in einem Peugeot verbautes geschwungenes, sogar schwebendes Panorama-Cockpit, nach Art von BMW und Kia, mit 21 Zoll in Topversion.

Touch-Bedienung, aber klug gelöst: Oben schwebt die Sichteinheit und legt sich in die Kurve wie bei BMW und Kia, unter den Lüftungsdüsen und gut erreichbar die Bedieneinheit und die Getriebebetätigung. Und noch eine Ebene darunter, praktisch nur zum Hand-fallen-Lassen, wären zum Beispiel die Antriebsmodi anwählbar, von Eco bis Sport.
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Wie das sich in Kombination mit dem Peugeot-typischen kleinen Lenkrad im Fahrbetrieb auswirkt, darauf war ich bei der statischen Weltpremiere in Sochaux vergangenen September schon neugierig – und Überraschung: Da finde ich erstmals eine halbwegs passende Position des Volants, bisher lag es mir immer fast auf den Oberschenkeln, wollte ich die Instrumente überm Lenkradkranz ablesen.

Super gelöst auch, da hat sich wer was dabei gedacht: die (zwiefache) Trennung von Sicht- und Bedieneinheit. Das ist quasi der BMW-Ansatz in die Touch-Welt transferiert und entschärft das sonst hochgradig vom Verkehrsgeschehen ablenkende Phänomen.

Markant und von hohem Wiedererkennungswert: Der 3008 ist der erste Peugeot mit jeweils drei LED-Krallen links und rechts vorne und hinten.
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Weitere erste Eindrücke: Bequemes Gestühl, bei dem sich sogar die Wangen verstellen lassen, sonst eher noch ein Premium-Feature. Der E-3008 lenkt sich recht indirekt, das passt aber zur grundsätzlich komfortablen Auslegung des Fahrzeugs. Ein protzender Kraftlackl ist er mit seinen 157 kW (210 PS) nicht gerade, aber mehr als ausreichend ist das allemal und der Frontantrieb zerrt dafür nicht oder kaum in der Lenkung. Und bei der kurzen Gegenprobe mit dem Mildhybrid-3008 will mir scheinen, die Lenkung sei bei dem eine Spur direkter. Eh klar, agiler fühlt sich das auch an, statt 2108 kg Leergewicht bringt dieser Benziner (3-Zylinder mit 1,2 Liter Hubraum und 100 kW/136 PS) nur 1574 auf die Waage.

Immer praktisch im Alltag: weit öffnende Heckklappe.
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Zur Vervollständigung: Mit den beiden hier skizzierten Antriebsversionen geht der 3008 dieser Tage an den Start. Um Komplexität herauszunehmen, gibt es nur noch zwei Ausstattungsversionen, Allure und GT. Der E-3008, der außerdem mit der kleinen, der 73-kWh-Batterie – WLTP-Reichweite 512 bis 527 km – ausgestattet ist, kostet als Allure ab 48.450 Euro, als GT ab 53.450. Der Mildhybrid kommt auf 39.330 und 43.830 Euro.

520 Liter fasst der Kofferraum, das entspricht genau dem Maß des Vorgängers.
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Wie es weitergeht, erläutert Marketing-Chefin Michele Wager: "Anfang 2025 kommen beim E-3008 noch die Long Range-Batterie hinzu, mit 98 kWh und bis zu 680 km Reichweite sowie 170-kW-Motor (230 PS), sowie eine 240-kW-Allradversion (320 PS) mit 73-kWh-Akku." Und schon heuer im November hat auch die Plug-in-Hybrid-Version ihren Marktstart, mit 21-kWh-Batterie und 143 kW (195 PS) Systemleistung; da stehe die Homologation aber noch aus, deshalb keine präziseren Daten.

Gegenüber dem Vorgänger ist der 3008 in Länge (plus 9,5 cm), Breite (plus 5,4) und Höhe (plus 2,0) gewachsen, 4,54 m lang ist er jetzt bei einem Radstand von 2,74 m – und der Kofferraum fasst wie zuletzt und in allen Antriebsversionen 520 Liter.

Das andere Laden, jenes mit Strom, erlaubt der E-3008 mit maximal 160 kW Leistung.
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Peugeot-Österreich-Direktor Bernd Pfaller führt dann aus, dass der 3008 das erste Fahrzeug auf der neu entwickelten Stellantis-Medium-Plattform sei. Die sei prioritär auf Elektro hin konstruiert – mit 400 Volt und 160 kW Ladeleistung (Ladedauer 20 bis 80 Prozent beim 73-kWh-Akku: 30 Minuten) –, erlaube aber wie bisher auch verbrennungsmotorische Varianten, siehe oben.

Spricht man vom Löwen: So sieht er seit kurzem bei Peugeot aus.
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Mit dieser Mischplattform-Strategie ist der Konzern bisher gut gefahren, die derzeitige Unsicherheit und Skepsis gegenüber der E-Mobilität, die sich in Europa und Österreich entsprechend bei den Neuzulassungen niederschlägt, bestätigt die Strategie: Werden mehr konventionell motorisierte Fahrzeuge nachgefragt, kann der Hersteller das jederzeit flexibel bedienen.

Als Antriebsmix erwartet Pfaller, wenn alle Versionen verfügbar sind, rund 30 Prozent Elektro-3008, 60 Prozent Mildhybrid und zehn Plug-in-Hybrid. Und: "Wir sind immer bei Privatkunden besonders stark, beim 3008 erwarte ich 35 bis 40 Prozent, der Rest sind gewerbliche Kunden."

Mit dem Ypsilon kehrt Lancia im Sommer nächsten Jahres nach Österreich zurück.
Lancia

Abschließende Information am Rande für Italien-Fans: Christoph Stummvoll verrät, dass Lancia nun doch wieder nach Österreich kommt, im Sommer nächsten Jahres. "Der Ypsilon macht den Anfang, elektrisch und mildhybrid, im Endausbau werden es dann drei Modelle sein – die Neuen folgen etwa im Jahresrhythmus." Na bitte. Sind doch reichlich gute Nachrichten zur schönen Jahreszeit. (Andreas Stockinger, 9.7.2024)