Dietmar Kerschbaum, ein Bild aus besseren Tagen.
VOLKER WEIHBOLD

Es ging nun doch schneller als gedacht: Die Generalversammlung der Kreativ-, Kultur- und Veranstaltungsholding (KKV) berücksichtigte die Empfehlung des Liva-Aufsichtsrats, den seit längerem freigestellten künstlerischen Geschäftsführer der Linzer Veranstaltungsgesellschaft Liva und Brucknerhaus-Intendanten Dietmar Kerschbaum zu entlassen. Eine Complianceprüfung durch KPMG-Wirtschaftsprüfer habe bereits bekannte "weitere, schwere Verfehlungen" von Kerschbaum zutage gebracht.

Diese betreffen In-sich-Geschäfte, Nebentätigkeiten und Nebenbeschäftigungen, Dienstreisen, Spesen, Vergabevorgänge und "ein den Compliancerichtlinien völlig widersprechendes Führungsverhalten", sagte Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ). Ob auch strafrechtlich Schritte gesetzt werden, war vorerst noch offen. Das Kontrollamt hatte aufgrund der neuen Erkenntnisse geraten, einzelne Sachverhalte der Staatsanwaltschaft zur Prüfung zu übermitteln. Dennoch erwägt Kerschbaum selbst gerichtliche Schritte. "Eine Anzeige wegen Vorverurteilung und Rufmordes behalte ich mir vor. Es geht um meine Reputation, ich verlange, dass diese wiederhergestellt wird", so der Burgenländer in den Oberösterreichischen Nachrichten.

Womöglich eigene Firma eingesetzt

Im März hatte der Falter erhellt, dass Kerschbaum u. a. sich selbst als Sänger (und seiner Frau) üppige Honorare genehmigt und Teile seiner Aufgaben an externe Agenturen ausgelagert hat. Der Vorwurf stand im Raum, er hätte das Brucknerhaus quasi als eine Art Selbstbedienungsladen verstanden. Kerschbaumer bestreitet dies. Nun hat der Falter weitere Details aus dem Kontrollbericht veröffentlicht.

Es geht u. a. um private Verwendung des Dienstautos. In Zusammenhang mit dem Festival Lido Sounds soll zudem nicht nur Liva infrastrukturelle Dienstleistungen angeboten haben, sondern auch eine Firma namens Pannart. Bei der ist Kerschbaum selbst Geschäftsführer. So wie die Dinge stehen, wird das eine langwierige Angelegenheit, die auch das Arbeitsgericht beschäftigen dürfte.

Leitungssuche

Für das Brucknerhaus, das heuer den 200. Geburtstag seines Namensgebers feiern soll, ist aber wohl ein neuer künstlerischer Leiter zu suchen. Nebst Kompetenz und Integrität sind auch andere Aspekte wichtig. So sollten wichtige Vorabinfos, welche die Kandidaten interessieren würden, tunlichst unter Verschluss bleiben.

Seinerzeit, vor dem Hearing, wurden ja die Fragen der Anhörung Kerschbaum anonym zugespielt. Zudem ist angesichts der Angelegenheit offensichtlich, dass der Aufsichtsrat die Führung dieses Traditionshauses nicht sonderlich genau kontrolliert hat. Auch diesbezüglich sollte sich etwas ändern. Dann muss der Linzer Bürgermeister Klaus Luger, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Liva ist, nicht beklagen, sein Vertrauen sei vom Intendanten missbraucht worden. (Ljubiša Tošić, 10.7.2024)