Der renommierte Wiener Physiker Arnold Schmidt (hier bei einer STANDARD-Podiumsdiskussion 2006) war ein Fixpunkt in der österreichischen Forschungslandschaft und so etwas wie der "Entdecker" des späteren Nobelpreisträgers Ferenc Krausz.
Heribert CORN, corn@corn.at

Der Wiener Physiker Arnold Schmidt ist am vergangenen Freitag, dem 5. Juli, 85-jährig gestorben. Neben seiner Karriere in der Forschung auf dem Gebiet der Photonik hatte er mehrere wichtige Funktionen in wissenschaftlichen Einrichtungen inne. Insbesondere war Schmidt Mentor und so etwas wie der "Entdecker" von Ferenc Krausz, dem Physik-Nobelpreisträger 2023. Krausz hatte stets die Bedeutung von Schmidt betont, bei dem er promovierte und der ihm in seiner Zeit in Wien jahrelang zur Seite gestanden und ihm die nötige Freiheit gegeben habe, um die nobelpreiswürdigen Resultate zu erreichen.

Schmidt wurde am 7. August 1938 in Wien geboren. Er absolvierte sein Physikstudium an der Universität Wien und habilitierte sich nach wissenschaftlichen Arbeiten in Deutschland, Großbritannien und USA 1978 an der Technischen Universität (TU) Wien. 1979 wurde er Leiter der Abteilung "Quantenelektronik und Lasertechnik" am Institut für allgemeine Elektrotechnik und Elektronik der TU Wien. Von 1989 bis 1993 war er Vorstand dieses Instituts und von 2000 bis 2001 Vorstand des Instituts für Photonik der TU Wien.

Begründer des Wittgenstein-Preises

Von 1994 bis 2003 war Schmidt Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. Die Internationalisierung der heimischen Forschung sei ihm stets ein besonderes Anliegen gewesen, was sich in der von ihm initiierten Erwin-Schrödinger-Mobilitätsförderung bis heute zeige, so der FWF.

Internationale Mobilität und der Austausch mit führenden Forschungsnationen prägten das Leben und Wirken von Schmidt. Unter seiner Führung etablierte der FWF den Wittgenstein-Preis, Österreichs bis heute höchstdotierten Forschungspreis. 2006 wurde Schmidt für seine Verdienste um die Wissenschaft mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse geehrt. "Arnold Schmidt hinterlässt ein beeindruckendes wissenschaftliches und forschungspolitisches Vermächtnis", betonte FWF-Präsident Christof Gattringer.

Arnold Schmidt (re. auf einem Bild von 1997) war als enger Mitstreiter von Anton Zeilinger maßgeblich an der Gründung des ISTA beteiligt.
APA/HERBERT PFARRHOFER

Schmidt war auch maßgeblich an der Gründung des Institute of Science and Technology Austria vor rund eineinhalb Jahrzehnten beteiligt. Er war enger Mitstreiter von Nobelpreisträger Anton Zeilinger, auf dessen Idee das ISTA zurückgeht. "Arnold Schmidt ist ein 'Gründungsvater' des ISTA, zählt zu den Personen die unser noch junges Institut wesentlich geprägt haben", betonte Martin Hetzer, Präsident des ISTA, am Mittwoch. "Sein Tod ist für viele Mitstreiterinnen und Mitarbeiter am Institut ein herber Verlust. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seinen Angehörigen."

Dem ISTA diente Schmidt in mehreren Funktionen: als Stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rats (Scientific Board) von 2007 bis 2013, Mitglied des Audit Committee von 2006 bis 2019 sowie zuletzt als Berater des Präsidenten von 2015 bis 2019. In diesen Jahren wuchs das Institut von 37 Mitarbeitenden im Jahr 2009 auf seine heutige Größe von über 1200 Mitarbeitenden und mehr als 80 Forschungsgruppen.

Daneben war Schmidt Miglied des wissenschaftlichen Beirats des Bruno-Kreisky-Forums für internationalen Dialog. Dort kuratierte er auch eine viel beachtete Diskussionsreihe über Exzellenz in der Forschung, wo er etliche hochkarätige Gäste begrüßte.

Exzellenter Physiker

"Mit großem Bedauern habe ich vom Tod Arnold Schmidts erfahren. Mit ihm verliert unser Land einen großartigen und international renommierten Wissenschafter", würdigte Wissenschaftsminister Martin Polaschek (ÖVP) Schmidt besonders als exzellenten Physiker auf dem Gebiet der Photonik. "Sein Wirken ist ein Beispiel für die Wichtigkeit der engen Verzahnung von Forschung und Lehre im Wissenschaftsbetrieb", betonte Polaschek.

Auch die Wissenschaftssprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, würdigte Schmidt als Persönlichkeit, die "immer ein offenes Ohr für alle Bereiche der Wissenschaft" gehabt habe: "Gerade als FWF-Präsident war ihm die Verbesserung der oft prekären Situation von Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern ein großes Anliegen." (red, APA, 10.7.2024)