Marc Cucurella bleibt cool.
IMAGO

München – Teamkollege Daniel Vivian sprach von "einer Schande", die Medien in der Heimat berichteten vom "Zorn der deutschen Fans" - nur der Buhmann selbst blieb erstaunlich cool. "Mir ist das egal", kommentierte der spanische Fußball-Nationalspieler Marc Cucurella die Pfiffe und Buhrufe, die er während des EM-Halbfinals gegen Frankreich (2:1) unablässig ertragen musste: "Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen."

Eine Vielzahl der mutmaßlich deutschen Zuschauer am Dienstagabend in der Münchner Arena sah das ganz anders. Auf der ganzen Welt war via TV zu verfolgen, wie der "Handspieler" aus dem Viertelfinale gegen die DFB-Auswahl bei jedem Ballkontakt mit Unmutsbekundungen bedacht wurde. Schon als Cucurellas Name vor der Partie im Stadion vorgelesen wurde, gab es Pfiffe und Buhrufe. Erst in der zweiten Hälfte ebbten die Störgeräusche von der Tribüne ab.

Dass zahlreiche Beobachter im Stadion und vor den Bildschirmen das Sündenbock-Szenario rund um den 25 Jahre alten Linksverteidiger als peinlich für den Gastgeber empfanden, brachte ZDF-Kommentator Oliver Schmidt gegenüber seinen knapp 15 Millionen Zuhörern auf den Punkt: "Das kann man machen – muss man aber nicht."

Cucurella hatte beim Aus der deutschen Mannschaft am vergangenen Freitag gegen Spanien (1:2 n.V.) einen Schuss von Jamal Musiala an den linken Arm bekommen. Der englische Schiedsrichter Anthony Taylor verweigerte den Deutschen einen Handelfmeter. Die Debatte über die Entscheidung hält noch immer an.

Das nicht geahndete Handspiel Cucurellas im Spiel gegen Deutschland.
REUTERS/Lee Smith

"Das sind Dinge, die passieren. Wenn darüber gesprochen wird, ist das Teil des Spiels", sagte Cucurella zu den Pfiffen vom Dienstag, die sein Spiel augenscheinlich nicht beeinflussten: "Ich weiß nicht, was sie damit bezwecken wollten, aber so ist es nun mal. Das Wichtigste ist, dass wir im Finale stehen."

Das sahen auch die spanischen Fans so, die Cucurella demonstrativ mit Sprechchören feierten. Nach Ansicht des spanischen Trainers Luis de la Fuente haben die Unmutsbekundungen seinem Schützling sogar genutzt. "Das Einzige, was sie erreicht haben, war, ihn noch mehr zu motivieren", sagte der Coach: "Er ist ein Profi und weiß mit Druck umzugehen."

Zu einer Kritik am EM-Ausrichter ließ sich de la Fuente nicht hinreißen. Die Menschen, die gepfiffen hätten, würden weder den Sport noch das Land repräsentieren: "Deutschland war ein außergewöhnlicher Gastgeber." (sid, 10.7.2024)