Rumble will ein Youtube ohne Cancel-Culture sein und hat einen Exklusivdeal mit Donald Trumps Medienunternehmen.
IMAGO/Taidgh Barron

Öffnet man die Videoplattform Rumble, wird schnell klar, als was man sich hier gerne sieht: als Youtube für Erwachte, das den Schlafschafen drüben bei der Konkurrenz von Youtube die Wahrheit zeigt.

Der populärste Kanal ist übrigens jener von Newsmax. Dabei handelt es sich um eine Nachrichtenwebsite, die als rechtskonservativ gilt und bisweilen auch Verschwörungserzählungen verbreitet. Gründer Christopher Ruddy, ein Ex-Journalist und Trump-Vertrauter, hat die Nachrichtenseite bewusst als Konkurrenz zu Fox News angelegt und auch Moderatorinnen und Moderatoren eingestellt, die bei Fox wegen zu extremer Ansichten hinauskomplimentiert wurden. Der Livestream fällt erwartungsgemäß aus, und das Narrativ des senilen Joe Biden wird hier nahezu in Dauerschleife bespielt.

T-Shirt mit Hassbotschaft

Darunter finden sich mehrere Tage alte Aufnahmen von Trumps Wahlkampftour (die als "Live" verkauft werden) sowie ein Streamer, der eine Rede von Kamala Harris zitiert und Demokraten als "Woketards" beschimpft. Praktischerweise hat er das Kofferwort aus "Woke" und "Retards" auf T-Shirts drucken lassen, die er zwischen den Tiraden verkauft.

Wie CNBC berichtet, ist ein wahrer Run auf die Aktie von Rumble ausgebrochen. Das liegt aber nicht daran, dass die Plattform wirtschaftlich rasend erfolgreich wäre. Laut dem Analyseunternehmen Similarweb ist Rumble in den USA nur auf Platz 22 der meistbesuchten Unterhaltungsseiten. Das plötzliche Interesse an dem Youtube-Klon wurde durch das Wahlkampfteam von Donald Trump verursacht. Oder um genau zu sein: dessen Running Mate J. D. Vance.

Verschwörungstheorien über die Krawalle in Großbritannien und Alex Jones. Dazwischen: Promi-News, Videospiele und Pizza-Tests.
Screenshot Rumble

Der republikanische Senator aus Ohio und Autor des autobiografischen Romans Hillbilly Elegy gilt dank einer großzügigen Finanzspritze als einer der Gründerväter der Plattform. Gemeinsam mit seinem Freund und Förderer und Arbeitgeber von Sebastian Kurz, Peter Thiel, wurde laut dem Wall Street Journal eine "signifikante" Summe in die Plattform investiert. Auch der ehemalige Fox-News-Moderator Dan Bongino hat in die Videoseite investiert. Und plötzlich war die Plattform wieder im öffentlichen Interesse, und Trumps Kanal für den Wahlkampf darf sich plötzlich über 2,3 Millionen Follower freuen.

Eine Plattform für die Ausgestoßenen

Rumble wurde 2013 von dem kanadischen Unternehmer Christ Pavlovski gegründet. Ursprünglich sollte die Plattform besonders kleine Content-Creator anziehen, die bei Youtube wenig Chancen auf Sichtbarkeit hatten. Doch schnell wurde die Plattform zu einem Tummelbecken für Verschwörungstheoretiker, Spinner und Menschen, die aus allen anderen Plattformen geflogen waren.

Einer von ihnen ist etwa Russell Brand. Der Brite ist selbsternannter Komiker, Autor, Schauspieler, Musiker, Journalist und politischer Aktivist. Er startete bereits 2014 seinen News-Kanal auf Youtube, in dem er Nachrichten mit "großem Risiko für seine persönliche Freiheit analysiert", wie er selbst sagte. Richtig populär wurde Brands Kanal erst mit der Covid-Pandemie, denn Brand ist auch vehementer Impfgegner. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat er sich auf die Verbreitung russischer Propaganda spezialisiert. Auf Youtube ist er damit freilich nicht mehr, die Plattform hat seinen Kanal spät, aber doch 2022 gesperrt. Seitdem verbreitet Brand seine Falschinformationen an seine knapp zwei Millionen Follower.

Gegen "Cancel-Culture"

Aber zurück zu Rumble selbst: Die Plattform mit Sitz in Toronto sieht sich selbst mittlerweile als Gegenbewegung zur "Cancel-Culture" und Verteidiger des freien und offenen Internets. Zur Verteidigung des freien Internets gehört es hauptsächlich, Trumps Verschwörungserzählung der gestohlenen Wahl 2020 zu verbreiten. Die Trump-Anhängerschaft war es auch, die Rumble von einer Randerscheinung mit zwei Millionen Usern auf 80 Millionen aktive Zuschauer brachte.

Laut einem Bericht des Guardian besteht rund ein Viertel der Inhaltsersteller aus Personen, deren Kanäle bei anderen Plattformen gelöscht oder demonetisiert wurden. Neben Brand gehört da etwa Rudy Giuliani dazu, der ehemalige Bürgermeister von New York City und Trump-Berater. Natürlich ist auch der Frauenhasser Andrew Tate mit von der Partie. Der Influencer steht unter Verdacht, mehrere Frauen vergewaltigt und einen Menschenhändlerring betrieben zu haben. Zwei Millionen Menschen erreicht er auf Rumble mit seinem "Tate Speech by Andrew Tate".

Enge Verbindungen mit der Familie Trump

Auch Donald Trump ist ein solcher Flüchtling, der von anderen Plattformen entfernt wurde. Sein Sohn Donald Jr. hat sogar eine exklusive Partnerschaft mit Rumble erklärt. Die Videos von Trumps Wahlkampfauftritten sieht man auf der antiwoken Plattform als Erstes. Die Trump Media & Technology Group nutzt seit 2021 die Serverinfrastruktur von Rumble und betreibt damit Trumps Netzwerk Truth Social.

Rumble selbst betont stets, dass man gegen "Zensur" sei, weshalb man Falschinformationen und Hassrede auch nicht moderiert. So können Videos über angeblichen Wahlbetrug und Verschwörungserzählungen über Kamala Harris geschaut werden. Nur nackte Haut wird man auf Rumble nicht finden. Denn "Erwachseneninhalte" sind auf der Plattform streng verboten. Auch Rassismus und Antisemitismus sind verboten, auch wenn es mit der Inhaltsmoderation auf Rumble nicht weit her sein dürfte, wie der Toronto Star berichtet.

Wie Nic Newman vom Reuters Institute for the Study of Journalism at Oxford University gegenüber dem Guardian erklärt, wird Rumble wohl weiterwachsen, weil für die Videoplattform eine Nische aufgeht. Andere Anbieter würden immer stärker durchgreifen und Hassrede und Desinformation verbannen und würden immer stärker reguliert. Damit öffnet sich der Raum für Rumble immer weiter, weil die Plattform eine neue Heimat für die "Ausgestoßenen" wird.

Rumble hat mit Elon Musk einen neuen Verbündeten gefunden. Elon Musk möchte ja Unternehmen klagen, die nicht mehr auf seiner Plattform X werben. Dieser Klage hat sich Rumble nun ebenfalls angeschlossen. (Peter Zellinger, 11.8.2024)