Robert F. Kennedy redet in ein Mikrofon.
Nur kurz nach der umstrittenen Entlassung von 17 Impffachleuten nominierte Robert F. Kennedy auch ausgesprochene Anti-Vaxxer nach.
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Erst am Montag hat US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. alle 17 Mitglieder eines Gremiums von Impffachleuten der US-Seuchenbehörde CDC entlassen. Dieses Advisory Committee on Immunization Practices berät die CDC darüber, welche Personengruppen am meisten von einem bereits zugelassenen Impfstoff profitieren würden und wann sie ihn erhalten sollten. Als Grund für die Entlassungen nannte Kennedy, dass der Ausschuss voller Konflikte sei und noch nie einen Impfstoff abgelehnt habe.

"Die Öffentlichkeit muss wissen, dass die Empfehlungen unserer Gesundheitsbehörden auf unvoreingenommener Wissenschaft beruhen, die in einem transparenten Verfahren bewertet wird und nicht in Interessenkonflikte gerät", wurde Kennedy in der Erklärung des Gesundheitsministeriums zitiert.

Die Reaktionen der wissenschaftlichen Community reichen von Empörung bis Verzweiflung: "Das ist eine Tragödie", sagte etwa Jesse Goodman, der ehemalige Chefwissenschafter der Zulassungsbehörde FDA, zu den Entlassungen. "Dies ist eine hochprofessionelle Gruppe von Wissenschaftern, Ärzten und anderen Spezialisten. Das ist die Art von politischer Einmischung, die das Vertrauen eher schwächt als stärkt."

Fragwürdiger "Goldstandard"

Zum Teil noch deftiger und zynischer fielen die Reaktionen aus, als Kennedy keine 48 Stunden später auf X acht neue Mitglieder des wichtigen Gremiums bekanntgab. Dieses hat nun, wie befürchtet, auch erprobte Impfgegnerinnen und -gegner in seinen Reihen sowie Fachleute (in manchen Fällen wären womöglich Anführungszeichen angebracht), die insbesondere während der Covid-Pandemie mit umstrittenen bis unhaltbaren Behauptungen und Forderungen aufwarteten.

Das sei also der "transparente Goldstandard" eines Auswahl-, Überprüfungs- und Interviewprozesses, kommentierte der britische Mediziner Neil Stone (University College London) auf dem Nachrichtendienst X.

Anti-Vaxxer als Impffachleute

Zu den problematischen Ausgewählten zählt primus inter pares der nicht-praktizierende Mediziner Robert Malone, der seit 2021 Falschinformationen zur Covid-19-Pandemie verbreitet: So sind laut Malone Geimpfte Superspreader, und ein indischer Bundesstaat habe Covid-19 präventiv mit Ivermectin besiegt – um nur zwei der unsinnigeren Behauptungen Malones zu nennen.

Als höchst fragwürdige Wahl gilt zudem die Hebammenwissenschafterin Vicky Pebsworth. Die Impfskeptikerin ist im National Vaccine Information Center engagiert, das trotz seines Namens eine bekannte und berüchtigte Einrichtung ist, die Impfstoffverschwörungstheorien und generell Impfgegner-Agenden vorantreibt.

Der Harvard-Epidemiologe Martin Kulldorf wiederum kam wohl vor allem durch seine Mitautorschaft an der umstrittenen Great Barrington Declaration (GBD) ins Gremium. Die GBD, die auch der Direktor der National Institutes of Health, Jay Bhattacharya, mitformulierte, schlug vor, Covid-19 von Anfang an seinen Lauf nehmen zu lassen und nur die besonders Vulnerablen zu schützen. (Wie das gelingen sollte, blieb offen.)

Die übrigen fünf Nominierten gelten in der Community als weniger umstritten. Manche von ihnen – wie Retsef Levi, ein Managementprofessor am MIT – zeigten sich aber skeptisch gegenüber den mRNA-Impfstoffen, was unter Kennedy allem Anschein nach ebenfalls zum neuen "Goldstandard" gehört. (Klaus Taschwer, 12.6.2025)