Arbeit am Döner bei einem türkischen Fleischhauer.

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Beim Dönerstand kommt ein Döner aber meist als gefrorener Spieß an.

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Wien – Die deutsche "Bild" ist alarmiert. "Dem Döner droht das Aus", titelt das Medium in seiner Online-Ausgabe. Hintergrund ist eine Allzweckwaffe der Lebensmittelindustrie, die Phosphate. Sie konservieren und säuern Fleisch-, Wurst- und Backwaren, stabilisieren und verdicken Milchprodukte und verhindern das Verklumpen von Puddingpulver, Fertigsuppen und Babybrei. Zu viele zugesetzte Phosphate sind allerdings laut mehreren Studien der Gesundheit nicht zuträglich. In Österreich darf der Zusatzstoff, der den Fleischspieß stabil und länger haltbar macht, verwendet werden.

Aufregung um Döner wegen zugesetzter Phosphate – denn die meisten Dönerspieße werden gefroren angeliefert.
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Nun schlägt laut "Bild" der Umweltausschuss des EU-Parlaments vor, den Einsatz von Phosphat in tiefgekühlten Spießen zu verbieten. Bisher wird Phosphat in tiefgefrorenen Döner-Spießen eingesetzt. Denn während in der entsprechenden EU-Verordnung die Zugabe bei frischem Fleisch erlaubt ist, ist jene bei Tiefkühlspießen nicht ausdrücklich geregelt.

Sorge um gesundheitliche Auswirkungen

Bei diesen sorgt Phosphat für einen besseren Zusammenhalt der verschiedenen Fleischbestandteile. Würde man es weglassen, würde das Fleisch vertrocknen und zerfallen. Die EU-Kommission wollte deshalb die Verwendung von Phosphat ausdrücklich auch für Gefrierspieße erlauben. Dagegen hat der Umweltausschuss auf Initiative von Sozialdemokraten und Grünen Einspruch erhoben. Begründung: "Ernstzunehmende Sorgen" wegen möglicher gesundheitlicher Auswirkungen, vor allem auf das Herz- und Kreislaufsystem.

Das Problem für die Dönerstandler: Fast alle Dönerspieße werden gefroren ausgeliefert. Laut "Bild" werden in der EU pro Tag 500 Tonnen Dönerfleisch verzehrt, 80 Prozent davon werden in Deutschland produziert. Dementsprechend betroffen reagiert der Interessenvertreter der deutschen Dönerproduzenten, Kenan Koyuncu, in der "Bild": "Sofern sich der Einspruch des Europäischen Parlaments durchsetzt, wäre dies das Todesurteil für die gesamte Dönerindustrie in der Europäischen Union."

Panikmache

Zitiert wird auch Renate Sommer, CDU-Gesundheitsexpertin im EU-Parlament. Sie ortet bei Grünen und Sozialdemokraten im EU-Parlament "Panikmache". Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stufe die Aufnahme von bis zu 4.200 Milligramm Phosphat pro Tag als unbedenklich ein. Eine Portion Döner enthalte aber nur 134 Milligramm. Tatsächlich kündigt diese eine neue Studie bis Ende Dezember an. Für die "Bild"-Redakteure lässt die Initiative aufgrund der Tatsache, dass noch 2014 der Zusatz von Phosphat in anderen Produkten vom EU-Parlament abgenickt wurde, nur einen Schluss zu: "Der Döner wird diskriminiert."

Bis zu einem Verbot wäre es allerdings ohnehin noch ein weiter Weg: Sozialdemokraten und Grüne haben von den 750 Sitzen im EU-Parlament gemeinsam nur 240, müssten also noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die nächste Plenarwoche findet von 11. bis 14. Dezember statt. Blockiert das EU-Parlament den Vorschlag, muss er von der EU-Kommission neu überarbeitet werden.

Auslegung unterschiedlich

Es gibt in Österreich keine weiterführende nationale Regelung zu Phosphat in gefrorener Fleischzubereitung, weil die diesbezüglichen Regeln EU-weit harmonisiert wurden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Die Auslegung der EU-Regeln in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist unterschiedlich. Die österreichische Auslegung ist, dass auch im gefrorenen Zustand Phosphat in der Fleischzubereitung enthalten sein darf und deshalb hat Österreich dem Verordnungsvorschlag auch zugestimmt. Nachdem sich an der österreichischen Rechtsauffassung durch das Veto des Ausschusses nichts ändert, ändert sich auch an der Exekution der Regeln nichts.

"Nach wie vor kann in Österreich Kebab verkauft werden, der Fleischspieß dreht sich weiter", betonte SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach. Sie hält weitere wissenschaftliche Studien über die Auswirkungen des Zusatzstoffes für notwendig: "Wir müssen auf die Ergebnisse der EFSA warten, bevor wir ein neues Gesetz verabschieden. Mit der Gesundheit der Menschen spielt man nicht."

Auch in Deutschland sind Phosphate derzeit sowohl in tiefgefrorenem als auch in nicht-tiefgefrorenem Döner erlaubt. Dies gilt auch nach der Entscheidung des Umweltausschusses weiter. (red, APA, 30.11.2017)