Die Einführung von digitalem Geld wäre laut Nowotny eine dritte Säule im Zahlungsverkehr, neben Bargeld und Giralgeld.

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Wien – OeNB-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat die US-Regierung der Wechselkursmanipulation bezichtigt. Man sei darüber sehr erstaunt, "dass das US-Finanzministerium den Dollar bewusst drückt und niedrig halten will", sagte Nowotny in einem am Mittwochabend veröffentlichten Interview mit der "Wiener Zeitung". Details zu dem Vorwurf nannte Nowotny nicht.

Die Anschuldigung ist schwerwiegend, weil eigentlich zwischen den G-20-Staaten Wechselkursmanipulationen ein Tabu sind. US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit Ländern wie Deutschland und China immer wieder vorgeworfen, von Wechselkursmanipulationen zu profitieren.

Besorgte Europäer

In jüngster Zeit hatten sich mehrere europäische Notenbanker besorgt über die zum Großteil durch die Dollar-Schwäche verursachte Euro-Stärke geäußert, darunter EZB-Präsident Mario Draghi. Nowotny teilte in dem Interview nun auch direkt gegen den US-Präsidenten und sein Umfeld aus. Es sei erstaunlich, "dass es im Umfeld von Donald Trump, wo es ja eine Reihe vernünftiger Menschen gibt, niemand geschafft hat, einen positiven Einfluss auf den Präsidenten und seine Politik zu haben", sagte der Notenbanker.

Als Reaktion darauf müsse die EU gerade jetzt stärker zusammenrücken und ein Gegengewicht bilden, so Nowotny weiter. Fakt sei aber, dass die EU in vielen Bereichen gespalten sei und auch der Brexit diese Spaltung forciere. Den Brexit hält Nowotny nicht mehr für umkehrbar.

Digitales Geld als dritte Säule

Die Einführung von digitalem Geld wäre laut Nowotny eine dritte Säule im Zahlungsverkehr, neben Bargeld und Giralgeld. Beim digitalen Geld könnte man ein Konto direkt bei der Zentralbank haben. Als Folge würden die Geschäftsbanken dann aber weniger Einlagen erhalten. Im Falle einer Bankenkrise müsste der Kunde nicht mehr in Panik zum Bankschalter laufen. Er hätte Zugang zu sicherem digitalen Geld bei der Zentralbank. Die EZB sei diesbezüglich noch vorsichtig und wolle sich nicht alleine von der technischen Machbarkeit verführen lassen. Man könnte damit aber in strukturschwachen Regionen die Geldversorgung verbessern. Bargeld werde deswegen nicht verschwinden.

Was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt, zeigt sich Nowotny für die nächsten zwei, drei Jahre "sehr optimistisch für die Eurozone". "Doch die Erfahrung zeigt, dass es keinen ewigen Aufschwung gibt", so der Notenbanker. (APA, 8.2.2018)