Auch heuer wird wieder Google-Chef Sundar Pichai die Keynote auf der I/O halten.

Foto: Eric Risberg / AP

Am Dienstag ist es wieder soweit: Für drei Tage lädt Google zu seiner Entwicklerkonferenz I/O ins kalifornische Mountain View – und damit zum wichtigsten Event des Softwareherstellers. Hier werden die zentralen Themen für das weitere Google-Jahr vorgegeben, zudem nutzt das Unternehmen den Event auch mit schöner Regelmäßigkeit, um zahlreiche Neuerungen rund um die eigenen Services anzukündigen.

Privacy?

In diesem Jahr steht der Event dabei nicht zuletzt unter dem Eindruck all der Privacy-Diskussionen im Gefolge des Datenskandals rund um Facebook und Cambridge Analytica. Dass dieses Thema bei der I/O eine sonderliche Rolle spielen wird, darf allerdings bezweifelt werden. Immerhin handelt es sich bei der Konferenz zuvorderst um einen Event für Entwickler, der Fokus liegt also auf technischen Themen – und das ist dem Unternehmen wohl auch nicht ganz Unrecht. Trotzdem wird es natürlich interessant sein, wie die Google-Verantwortlichen auf die unvermeidlichen Fragen der anwesenden Pressevertreter zu diesem Themenfeld reagieren werden. Bisher hat man sich entsprechenden Nachfragen ja weitgehend entzogen.

Keynote

Bekannt ist hingegen der Ablauf der Veranstaltung: Mit einer einleitenden Keynote wird Google-Chef Sundar Pichai am Dienstag um 19:00 (MESZ) die Google I/O 2018 eröffnen. Was er in den folgenden 90 Minuten alles zu verkünden haben wird, ist offiziell natürlich noch ein streng gehütetes Geheimnis. Wer die Entwicklungen rund um Google näher verfolgt, für den dürfte der eine oder andere Punkt aber wohl kein sonderliche Überraschung sein.

Künstliche Intelligenz

Wie schon in den letzten Jahren wird wohl auch heuer der Bereich "Künstliche Intelligenz" wieder prominent vertreten sein. Hat doch Pichai immer wieder betont, welch zentrale Rolle dieses Thema für die weitere Zukunft von Google – und der Computerwelt als Ganzes – einnimmt. Zu erwarten sind in dieser Hinsicht unter anderem diverse Ankündigungen rund um den digitalen Assistenten Google Assistant aber auch zur Nutzung von Maschinenlernen bei anderen Google-Diensten. Auch von einer massiven Ausweitung der Verfügbarkeit des smarten Lautsprechers Google Home war zuletzt zu hören – in dessen Kern wiederum der Google Assistant werkt. Mit Spannung darf auch erwartet werden, wie die Entwicklung von Googles eigener TPUs – spezieller Chips für Maschinenlernaufgaben – voranschreitet.

Android P

Für so manche Beobachter zumindest kurzfristig aber wohl interessanter: Google wird im Rahmen der I/O eine neue Testversion für die nächste Android-Generation, Android P, vorstellen. Und diese soll einige bisher noch geheimgehaltene Neuerungen enthalten. So war etwa zuletzt von einer gestenbasierten Steuerung zu hören, die die bisherige Systemnavigation mit Software-Knöpfen ersetzen könnte. Zudem sind auch Hinweise auf eine weitere Überarbeitung des Benachrichtigungssystems durchgesickert. Ähnlich wie beim Mail-Client Inbox könnten dann Benachrichtigungen nach einer Fülle von Faktoren temporär aus dem Weg geräumt werden. Diese Snooze-Funktion gibt es zwar an sich schon in Android 8, mit der neuen Softwaregeneration soll diese aber wesentlich flexibler werden, und etwa auch ermöglichen Benachrichtigungen an bestimmten Orten automatisch wieder auftauchen zu lassen.

Material Design 2

Damit dürfte auch eine visuelle Auffrischung von Android und anderen Google-Diensten einhergehen. Arbeitet doch Google derzeit an einer neuen Iteration seines Material Designs, das man vor vier Jahren zum ersten Mal im Rahmen der I/O präsentiert hatte. Ob dieses wirklich "Material Design 2", heißen wird, wie von Beobachtern spekuliert wird, gilt es zwar abzuwarten. Der Umstand, dass die diesbezüglichen Richtlinien gerade gröber überarbeitet werden, ist aber unübersehbar. So bieten etwa die neue Google-Tasks-App und die offizielle I/O-App ein Design, dass sich in einigen Punkten deutlich von der bisherigen Richtung unterscheidet. Das zeigt sich einerseits an veränderter Typographie, zudem sind viele UI-Elemente nach unten gewandert, um sie leichter mit einer Hand erreichen zu können. Auch auf die großen farbigen Balken am oberen Bildschirm verzichtet man nun. Und wem diese Hinweise noch nicht reichen: Im Rahmen der I/O sind einige Vorträge angesetzt, die sich explizit den Neuerungen rund um Material Design widmen.

Android TV

Die Vorstellung neuer Hardware nimmt Google üblicherweise fernab der I/O vor, soll doch bei der Entwicklerkonferenz die Software ganz im Vordergrund stehen. So sind denn auch keine neuen Smartphones oder andere große Hardwareankündigungen zu erwarten. Und doch könnte es dieses Mal eine kleine Ausnahme von dieser Regel geben. So ist vor einigen Wochen eine Art Chromecast-Nachfolger mit Android TV als Oberfläche durchgesickert – also ein konzeptionell zu Amazons FireTV sehr ähnliches Gerät. Eine Präsentation in diesem Rahmen würde auch deswegen Sinn ergeben, da es derzeit keine offiziell unterstützte Google-Hardware mit Android TV mehr gibt – was an der Plattform interessierte Entwickler immer wieder beklagen. Parallel dazu war zuletzt aber auch von einem überarbeiteten Chromecast zu hören, dessen primäre Neuerung allerdings "nur" Bluetooth-Support sein soll.

Chrome OS

Dazu kommen eine Fülle anderer potentieller Themen für die Keynote: So ist etwa bekannt, dass Google derzeit eifrig an einem Ausbau seines zweiten großen Betriebssystems, Chrome OS, arbeitet. So kommt dies seit kurzem dank Android-Support auch für Tablets zum Einsatz. Für die bei der I/O anwesenden Entwickler aber wohl noch spannender: Derzeit arbeitet Google daran Linux-Anwendungen unter Chrome OS lauffähig zu machen. Damit lassen sich dann etwa auch Entwicklungsumgebungen wie Android Studio auf dem einst vor allem für Online-Nutzung ausgerichteten System starten. Potentiell könnten sich auf diesem Weg – und mithilfe des Windows-API-Nachbaus Wine – sogar diverse Windows-Anwendungen ausführen lassen.

Youtube

Einige Ankündigungen könnte es auch rund um die Videoplattform Youtube geben. So ist bekannt, dass das Unternehmen eine massive Ausweitung seines bisher nur in wenigen Ländern verfügbaren Bezahlservices Youtube Red plant. Das Unternehmen hat diesen Umstand selbst schon vor einigen Wochen bestätigt. Damit soll dann auch gleich eine Umbenennung in Youtube Premium einhergehen. Unter dem Namen Youtube Remix ist zudem derzeit eine neue Musik-Streaming-Plattform in Entwicklung, die das bisherige Play Music ablösen soll. Beides Ankündigungen, bei denen aber unsicher ist, dass sie wirklich zur I/O kommen, Youtube hält sich hier gern an eigene Zeitpläne – und die bekanntermaßen schwierigen Rechteverhandlungen mit der Musikindustrie haben in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Launch-Termin umgeworfen.

Google News

Apropos Play Music: Der "Play"-Familie an Apps könnte es bei der I/O ganz allgemein an den Kragen gehen. Soll doch auch Google Play Kiosk (Newsstand) vor dem Aus stehen, wie es im Vorfeld der Konferenz hieß. Dieses soll durch eine überarbeitete Version von Google News – samt frischer App – ersetzt werden, die Youtube-Videos und Magazine integriert.

Programm

Diese Schwerpunkte bestätigen sich auch bei einem Blick auf das Programm der Google I/O 2018: Ein bedeutender Teil der Vorträge dreht sich rund um Android, auch Maschinenlernen und der Google Assistant sind im Zeitplan prominent vertreten. Weitere Schwerpunkte liegen bei Design-Themen, den Cloud-Diensten von Google und natürlich Web-Technologien wie dem Browser Chrome. Ebenfalls auffällig: Eine ganze Reihe von Talks widmen sich dem UI-Framework Flutter, das Google nicht nur für Android und iOS anbietet, sondern das auch beim neuen Betriebssystem Fuchsia eine prominente Rolle spielen soll. Dass es zu dem als Android-Nachfolger gehandelten System Ankündigungen geben wird, ist übrigens nicht zu erwarten, zu früh ist derzeit noch der Stand der Entwicklung. Angemerkt sei bei all dem, dass das aktuelle Programm noch nicht vollständig ist, üblicherweise fügt Google nach der Keynote noch einige Vorträge hinzu.

Vor Ort

All das findet quasi im Hinterhof von Google statt: Offizieller Austragungsort der Google I/O 2018 ist das Shoreline Amphitheatre, das direkt neben dem Hauptquartier angesiedelt ist. Rund um dieses baut Google üblicherweise ein sehr firmentypisches verspieltes Spektakel auf. Passend dazu wird die Konferenz auch von einem Konzert und diversen Partys umrahmt.

Aus der Ferne

Der Platz vor Ort ist dabei übrigens stark begrenzt: Üblicherweise gibt es nur rund 7.000 Tickets für die I/O, womit Google nur einen Bruchteil des Interesses abdecken kann. Zumindest wird aber praktisch die gesamte Konferenz via Youtube live gestreamt, das beinhaltet auch (fast) alle Vorträge. Ergänzend gibt es unter dem Namen Google I/O Extended wieder hunderte Events von lokalen Google-Entwicklergruppen, die über die Welt verteilt gemeinsam die I/O verfolgen. Eine dieser Veranstaltungen findet dabei heuer im Wiener Museumsquartier statt.

Mitreden!

Der STANDARD ist bereits vor Ort, und wird gleichermaßen zeitnah wie ausführlich von all den Neuerungen und ihren Hintergründen berichten. Dabei übernehmen wir auch wieder den Live-Stream, der am Dienstag, 8. Mai um 19:00 (MESZ) mit der Keynote zur I/O 2018 beginnt. Geneigte Leserinnen und Leser seien explizit dazu aufgefordert, parallel zur Keynote mitzuposten, während der Autor versuchen wird, all die Neuerungen unter dem Live-Stream so schnell wie möglich zusammenzufassen. Der betreffende Artikel ist bereits online, insofern lohnt es sich die Adresse schon einmal vorzumerken. Zusätzlich gibt es über die Google+ und Twitter-Accounts des Autors wieder Rahmenberichterstattung für all jene, die zusätzliche Eindrücke von der I/O erhalten wollen. (Andreas Proschofsky, 6.5.2017)