Rund 8.500 Besucher zählt die heurige Kryptowährungskonferenz Consensus 2018. Bei der Erstauflage vor drei Jahren waren es bloß 400 Teilnehmer.

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Im Mai geht es für Anhänger von Kryptowährungen wie Bitcoin hoch her. Diese Woche stand in New York die vierte Auflage der dreitägigen Konferenz Consensus 2018 auf dem Programm – die weltweit größte ihrer Art, wenn es um Digitalgeld und die dahinterstehende Blockchaintechnologie geht. Während die meisten Teilnehmer hofften, dass sich die Veranstaltung ähnlich positiv auf das Kursniveau auswirke wie in den vergangenen Jahren, rieb sich der Veranstalter, die 2013 gegründete Onlineplattform Coindesk, bereits die Hände. Bei Ticketpreisen um 2.000 US-Dollar und mehr als 8.500 Besuchern klingelte die Kassa in den höchsten Tönen.

DER STANDARD

Bei der ersten Auflage im Jahr 2015 konnten sich gerade einmal 400 Gäste für das Event erwärmen, als Aussteller waren hauptsächlich Start-ups aus der Kryptowelt vor Ort. Schon bis zum Vorjahr hatte sich das Bild der Veranstaltung, an der bereits 2.700 Besucher teilnahmen, merklich geändert. "Man sieht mittlerweile viele Anzüge und wenige Kapuzenpullis", brachte damals James Prestwich, Gründer des dezentralen Speicherdiensts Storj, den Wandel auf den Punkt. Zu prominenten Sponsoren wie Citibank, Deloitte, Microsoft oder IBM sind heuer viele weitere Unternehmen dazugestoßen, vornehmlich aus der Finanzindustrie. Kein Wunder, erst im April hatte bei einer Erhebung rund ein Fünftel von 400 befragten Fondsgesellschaften, Hedgefonds und Brokern angegeben, binnen zwölf Monaten in den Handel mit Bitcoin und Co einsteigen zu wollen.

Lagarde fordert Ausgewogenheit

Seit dem Kurshoch bei knapp 20.000 Dollar im Dezember befindet sich der Markt in einer Phase sinkender Kurse. Dennoch versprechen sich die Finanzfirmen offenbar künftig entsprechenden Reibach in diesem Bereich. Vor rund einem Monat regte auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, einen ausgewogenen Umgang mit Bitcoin und Co an, es gebe weder Grund zur Verdammung noch zur Euphorie. Sie forderte Politiker auf, "eine offene Haltung einzunehmen und daran zu arbeiten, einen fairen regulatorischen Rahmen zu entwerfen, der die Risiken minimiert, den kreativen Prozessen aber Raum lässt, um Früchte zu tragen".

Um Kryptowährungen auch in der Wall Street zu etablieren, müssen sie einem klaren Regelwerk unterworfen werden, schließlich ist die Finanzbranche eine der am strengsten regulierten überhaupt. Solche Diskussionen um Aufsicht und Regulierung – derzeit erwägt etwa die US-Börsenaufsicht SEC, ob manche Kryptowährungen wie Etherium als Wertpapiere einzustufen sind – gelten jedoch innerhalb der Kryptoszene als Ursache für den Kursschwund der vergangenen Monate. Jedenfalls weniger als die regelmäßig wiederkehrenden Warnungen anderer Finanzprominenz – selbst wenn diese so untergriffig anmuten wie jene des US-Milliardärs Warren Buffett, der Bitcoin Anfang Mai als "Rattengift hoch zwei" herabgewürdigt hatte.

Bitcoin Pizza Day

Hoffnungen, dass der Kurs rund um die Consensus-Konferenz wie in den Vorjahren zwischen zehn und 70 Prozent zulegt, haben sich heuer allerdings nicht bewahrheitet – vielmehr erholte sich Bitcoin im Vorfeld zwar bis auf 10.000 Dollar, geriet jedoch daraufhin wieder ins Rutschen. Dennoch werfen Experten wie Tom Lee, Geschäftsführer des Analysehauses Fundstrat, die Flinte nicht ins Korn. Vielmehr erwartet sein Haus, dass der Preis von Bitcoin im nächsten Jahr zwischen 20.000 und 64.000 Dollar liegen sollte.

Vielleicht kommt Anfang nächster Woche wieder Schwung in den Kurs, wenn die Community den sogenannten Bitcoin Pizza Day mit ausgelassenen Partys feiert. Am 22. Mai 2010 wurden nämlich erstmals reale Güter mit einer Kryptowährung erworben, nämlich zwei Pizzen um 10.000 Bitcoin. Damals entsprach dies umgerechnet bloß 40 Dollar, zum derzeitigen Kurs würde der Kaufpreis bereits sagenhafte 82 Millionen Dollar ausmachen. (Alexander Hahn, 17.5.2018)