Dollars zum halben Preis: Wegen eines angeblichen Systemfehlers verkaufte die Halkbank Freitagnacht im Internet Dollar für 3,88 statt 6,58 Lira.

Murad Sezer / Reuters

Der Chef der mehrheitlich staatlichen HalkBank, Osman Aslan, hat Sonntagmittag im türkischen Fernsehen die Zahlen für einen mysteriösen Vorfall genannt, der die Türken bereits das ganze Wochenende beschäftigt: 4,6 Millionen Dollar hat die Bank am vergangenen Freitag spät abends über ihr Online-Banking fast zum halben Kurswert verkauft.

Auf der Webseite der Bank war ein Dollar plötzlich für 3,88 Lira zu haben. Tatsächlich aber schloss die Börse in Istanbul am Freitag mit einem Kurswert von 6,58 für einen US-Dollar. 1763 Kunden schlugen zu. Ihre Transaktionen wurden rückgängig gemacht, gab Aslan im regierungsnahen Nachrichtensender NTV an. Ein technisches Versehen soll die Ursache gewesen sein. Es war allerdings nicht die einzige türkische Bank, die plötzlich ein Problem hatte: ING bot kurzzeitig Dollar für 4,88 an. Kunden der AkBank berichteten am Samstag sie hätten an Bankomaten kein Geld mehr abheben können. "Kontostand reicht nicht aus", lautete die Meldung.

Geschäfte anulliert

Bei der HalkBank zeigte die Webseite am Freitag um 22.01 Uhr den falschen Dollar-Kurswert an. Erst um 22.39 Uhr war der Fehler behoben. Die Bank machte einen Drittanbieter verantwortlich, der die Wechselkursgeschäfte auf der Webseite erledigt. In der Öffentlichkeit wurde jedoch sogleich spekuliert, bevorzugte türkische Unternehmen sollten auf diese Weise rasch Schulden abbauen. Bankchef Aslan stellte aber klar, dass die Kursgeschäfte annulliert wurden. Ein Schaden sei der Bank nicht entstanden, eine Untersuchung werde eingeleitet.

Die türkische Lira hat allein seit Jahresbeginn 40 Prozent ihres Werts verloren. Die HalkBank selbst muss mit einer Geldstrafe in Höhe von mehreren Milliarden Dollar durch die USA rechnen. Sie steht nach Auffassung der US-Justiz im Mittelpunkt einer jahrelangen organisierten Geldwäsche zur Umgehung von Iran-Sanktionen der USA. Ein führender HalkBank-Manager verbüßt derzeit eine Haftstrafe in New York. (Markus Bernath; 02.09.2018)