Meng Wanzhou auf einem Podium mit Wladimir Putin.

Foto: REUTERS/Alexander Bibik

Der Handelskrieg zwischen den USA und China mag wie eine Gewitterwolke über der Weltwirtschaft hängen, doch im Vergleich zum Kampf um die technologische Vorherrschaft wirkt der Disput wie ein warmer Sommerregen. Längst versucht US-Präsident Donald Trump, den Vormarsch chinesischer IT-Konzerne aufzuhalten. Bei der Verhaftung der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada dürfte es nur vordergründig um Verletzung der Iran-Sanktionen durch den erfolgreichen Handy-, Chip- und Telekomriesen gehen.

Meng Wanzhou ist die Tochter des Firmengründers Ren Zhenfrei, der Huawei in atemberaubendem Tempo zum größten Telekomausrüster und zweitgrößten Handyhersteller der Welt geformt hat.

ORF

Insgesamt üben die USA massiven Druck aus, um der chinesischen Digitalwaffe die Spitze zu nehmen. Direkt – über Sanktionen und Handelsbarrieren – und indirekt: So werden westliche Staaten laufend aufgefordert, Huawei und andere chinesische Technologieanbieter zu meiden – mit Erfolg. Australien und Neuseeland haben den Konzern bereits sanktioniert, auch British Telecom hat angekündigt, in "Kernbereichen" auf Huawei-Technologie zu verzichten – auch auf bereits genutzte.

Vorwurf der Spionage

Es geht dabei stets um den Vorwurf, Huawei spioniere über seine Netzwerktechnik Firmen und Behörden aus – selbstredend im Auftrag der politischen Führung in Peking, mit der die großen privaten Konzerne des Landes eng verbunden sind.

Die Frage der Kooperation mit Chinesen wird angesichts der Umstellung auf den schnellen MobilfunksStandard 5G zusehends für Europa virulent. Hier stehen milliardenschwere Aufträge zur Modernisierung der Netzinfrastruktur an, bei der Huawei eine Top-Position innehat. Preislich können US- oder europäische Konkurrenten wie Cisco, Nokia oder Ericsson kaum mithalten.

Diese Entwicklung könnte über kurz oder lang nicht nur den Siegeszug von Huawei beschleunigen, sondern westliche Mitbewerber an den Rand drängen, Technologieverluste herbeiführen und letztlich in eine Abhängigkeit von China münden.

Deutschland im Visier

Ins Visier soll Washington insbesondere Deutschland genommen haben, wo die Deutsche Telekom zu den großen Abnehmern von Huawei zählt. In Österreich bezieht T-Mobile Sendestationen von Huawei, Drei wiederum lässt sich von ZTE ausrüsten. A1 hat in der Vergangenheit Router bei Huawei gekauft. Der Konzern, Chinas Nummer zwei unter den Telekom-Netzausstattern und Handyherstellern, kann ein Lied von den US-Strafmaßnahmen singen.

Washington hat – ebenfalls wegen des Vorwurfs der Verletzung von Iran-Sanktionen – harte Sanktionen verhängt, US-Betrieben untersagt, für die Chinesen wichtige Chips zu liefern. Der Konzern mit 80.000 Mitarbeitern stand vor dem Kollaps. Letztlich einigte man sich auf eine Milliarden-Geldbuße und massive Kontrollauflagen im US-Sinn.

Mehr Privat mit Staat

Ob nun Spionagevorwürfe gegen Huawei berechtigt sind oder nicht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Vielmehr läuft das Match um die globale Technologieführerschaft und somit um die Zukunft. Angesichts gewaltiger Investitionssummen sind die Grenzen von Privatwirtschaft und Staat längst verwischt. Das technologische Wettrüsten wird von den politischen Verantwortlichen mit unterschiedlichsten Mitteln unterstützt – sei es mit Handelsbarrieren gegen ausländische Unternehmen oder mit Geld.

China stellt dabei alle anderen in den Schatten. Ob künstliche Intelligenz, Mobilfunk, E-Autos oder Verkehr – das Reich der Mitte will überall an die Weltspitze. Dazu kommen internationale Zukäufe und Infrastrukturprojekte. Das ist Peking hunderte Milliarden wert: Milliarden, denen der Westen immer kritischer gegenübersteht. (Andreas Schnauder, 6.12.2018)