Michael Matt freute sich über Silber.

Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Aare – Das Beste kommt nicht selten zum Schluss. So auch bei der WM in Åre, wo Marcel Hirscher seine Ausnahmestellung mit einer Glanzleistung bestätigte und nicht nur mit der erfolgreichen Titelverteidigung im Slalom doch noch Gold für die bangende Skination holte, sondern auch einen nicht unbedingt erwartbaren Dreifacherfolg anführte. Der Salzburger triumphierte in 2:05,86 Minuten 0,65 Sekunden vor Michael Matt und 0,76 vor Marco Schwarz, der nach Team-Silber und Kombinationsbronze als Dritter seine dritte Medaille in Schweden einpackte.

Das rein österreichische Stockerl.
Foto: APA/EXPA/DOMINIK ANGERER

Hirscher übertraf mit nun sieben Gold- und vier Silbermedaillen Toni Sailer in der ewigen Bestenliste und ist damit erfolgreichster WM-Teilnehmer aller Zeiten. Der "schwarze Blitz" hatte neben sieben Goldenen eine Silbermedaille gewonnen. Hirscher verhinderte damit auch die Schmach, erstmals seit Crans-Montana vor 32 Jahren bei Titelkämpfen ohne Goldmedaille zu bleiben.

Der 29-Jährige nahm am Vorabend erleichtert zur Kenntnis, dass es kälter wurde und die Bedingungen ihm nun besser in die Karten spielen würden. Den ersten Durchgang hatte zudem sein Trainer Mike Pircher gesetzt. Daher fühlte er sich zwischen den Toren "wie zu Hause".

Marcel Hirscher ist der alte und neue Weltmeister.
Foto: APA/AFP/JONATHAN NACKSTRAND

Die halbe Miete

Der erste Lauf sei daher die halbe Miete, cool und gewaltig gewesen, den werde er sich noch oft in seinem Leben anschauen. "Jetzt kann ich genießen, bin entspannt, ich habe die Erwartungen erfüllen können, das ist eine Genugtuung." Über das Erreichen des WM-Rekordes habe sich Hirscher noch keine Gedanken gemacht, aber solche Dinge würden ihn ohnehin nicht sonderlich interessieren. Ihm gehe es darum, so wie im ersten Durchgang zu performen.

Beim ersten Titel 2013 in Schladming habe er liefern müssen, am Sonntag dürfen. "Damals habe ich gedacht, ich pack' es gar nicht. Jetzt stehe ich am Start und denke, was soll's, ich gebe alles, probier's, und wenn es nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter. Das habe ich gelernt. Damals wäre die Welt für mich untergegangen." Zu scheitern wäre nicht lustig gewesen, aber global gesehen habe das die Relevanz eines umgefallenen Reissacks in China. Hirscher kündigte an, dass es wahrscheinlich seine letzte WM gewesen sei. Wie weit seine Rücktrittsgedanken fortgeschritten sind, wollte er nicht kommentieren.

Michael Matt holte Silber.
Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Der Slalom-Weltmeister von Schladming 2013 und St. Moritz 2017 legte den Grundstein für das finale Fest mit einem Traumlauf in Durchgang eins, als er den Franzosen Alexis Pinturault um 0,56 Sekunden distanzierte und 1,22 Vorsprung auf Schwarz herausfuhr. Pinturault (0,93) patzte im Finale und musste sich nach Gold in der Kombination mit Platz vier begnügen. Hinter dem Schweizer Ramon Zenhäusern (0,96), der im Finale von Rang zwölf auf fünf stürmte, reihten sich Manuel Feller (1,04) sowie die enttäuschenden Mitfavoriten Clément Noël (FRA/1,09) und Norwegens Riesentorlauf-Weltmeister Henrik Kristoffersen (1,12) ein. Christian Hirschbühl (1,5) rundete als Elfter das starke ÖSV-Ergebnis ab.

Die Ski-Achse in Österreich funktioniert: Den ÖSV führt der Präsident, die Erfolge liefert der Fahrer.
Foto: Reuters/Foeger

Österreich schloss die Titelkämpfe mit einer Goldenen, vier Silbernen und drei Bronzenen ab. "Ende gut, alles gut, hinter der Slowakei wäre ich nicht gern gewesen im Medaillenspiegel", sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. "Wir hatten vorher auch ein wenig Pech, muss man sagen. Aber wir sind jetzt sehr glücklich. Alle Achtung vor Marcel, bei dem Druck. Ziel waren sechs bis acht Medaillen. Jetzt haben wir acht, das ist schön."

Nächster Halt Stockholm

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt den gestressten Athleten nicht. Bereits am Dienstag wird der Weltcup mit dem Parallel-City-Event in Stockholm fortgesetzt. Ferdinand Hirscher: "Wir müssen jetzt sofort das Hotel räumen, ins Auto springen und via Stockholm nach Hause. Die Feiergaudi müssen wir im Frühjahr machen, jetzt haben wir keine Zeit." Der Erfolg seines Sohnes sei hoch einzuordnen, weil er körperlich angeschlagen gewesen sei. Hirscher junior über den leidigen City-Event: "Ich muss, keiner will, außer Zenhäusern." (Thomas Hirner aus Åre, 17.2.2019)

Ski-WM Aare, Herren-Slalom, Sonntag

1. Marcel Hirscher (AUT) 2:05,86
2. Michael Matt (AUT) +0,65
3. Marco Schwarz (AUT) 0,76

4. Alexis Pinturault (FRA) 0,93
5. Ramon Zenhäusern (SUI) 0,96
6. Manuel Feller (AUT) 1,04
7. Clement Noel (FRA) 1,09
8. Henrik Kristoffersen (NOR) 1,12
9. David Ryding (GBR) 1,17
10. Stefano Gross (ITA) 1,47
11. Christian Hirschbühl (AUT) 1,50
12. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 1,67
13. Andre Myhrer (SWE) 1,69
14. Loic Meillard (SUI) 1,94
15. Alexander Choroschilow (RUS) 1,99
16. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 2,23
17. Zan Kranjec (SLO) 2,28
18. Manfred Mölgg (ITA) 2,39
19. Alex Vinatzer (ITA) 2,45
20. Mattias Hargin (SWE) 2,53
21. Elias Kolega (CRO) 2,56
22. Giuliano Razzoli (ITA) 2,59
23. Jonathan Nordbotten (NOR) 3,50
24. Simon Fournier (CAN) 3,56
25. Anton Tremmel (GER) 3,92
26. Filip Zubcic (CRO) 4,25
27. Tanguy Nef (SUI) 4,74
28. Juan del Campo (ESP) 5,14
29. Linus Straßer (GER) 5,75
30. Jens Henttinen (FIN) 6,60

Ausgeschieden im 1. Durchgang:
Daniel Yule (SUI)
Julien Lizeroux (FRA)
Albert Popow (BUL)
Istok Rodes (CRO)

Disqualifiziert im 2. Durchgang:
Felix Neureuther (GER)