Indiens Premier Narendra Modi weiß, dass er sich langfristig keinen Krieg mit Pakistan leisten kann.

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Als Indiens Premier Narendra Modi am Mittwoch live den erfolgreichen Testabschuss eines Satelliten verkündete, war schon fast vergessen, dass er noch vor einem Monat, ebenfalls per TV-Ansprache, einen Krieg mit "Feind" Pakistan heraufbeschworen hatte. Indien werde "geschlossen kämpfen und geschlossen siegen", verkündete er damals. Der Kaschmir-Konflikt drohte zu eskalieren.

Modi konnte es sich nicht leisten, so knapp vor der Wahl auch nur einen Anflug von Schwäche zu zeigen. Also gab er den starken Mann, der sich vom Erzfeind nichts gefallen lässt. Aber: Pakistan ist eine Atommacht, genauso wie Indien. Gut inszenierte Drohgebärden mochten ihm kurzfristig Erfolg bringen. Langfristig jedoch, das weiß Modi, kann er sich keinen Krieg leisten.

Und so kommt die abermals gut inszenierte Ansprache über den Abschuss zur richtigen Zeit. Von Sondersendungen begleitet sagte Modi, dass Indien "stolz" sein könne, nun in der Weltraum-Superliga angekommen zu sein – direkt neben den USA, Russland und China. Indien sei nun "stärker" und "noch sicherer". Alles Buzz-Wörter, die sich in seine Inszenierung als starker Nationalist einfügen.

Die Region und die internationale Gemeinschaft können vorerst aufatmen. Modi hat im All einen Projektionsort für seine Ambitionen gefunden. Sich als Weltraummacht zu positionieren ist um einiges ungefährlicher, als die Rolle als Atommacht herauszukehren- zumindest kurzfristig. (Anna Sawerthal, 27.3.2019)