In New York sind die größten Kapitalgeber der Welt versammelt, denen Investitionen in Österreich schmackhaft gemacht werden sollen.

Foto: Arno Melicharek

In New York tummeln sich derzeit viele hochkarätige Manager und Unternehmensgründer aus Österreich. Eine von Finanzminister Hartwig Löger angeführte Riege an Konzernchefs und eine von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck begleitete Truppe von Start-up-Leuten schauen sich nach Geschäftsmöglichkeiten und Investoren um. Immerhin sind in der US-Metropole die größten Kapitalgeber der Welt versammelt, denen man auch den einen oder anderen Euro entlocken will. 10,7 Milliarden Euro haben sie per Ende 2018 in Austro-Aktien investiert.

"Thinking AUT loud" nennt sich die Initiative, die von der Wiener Börse ins Leben gerufen wurde und nun starken politischen Anschub erhält. Von der Kapitalmarktbelebung erwartet sich die Regierung bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und Veranlagungschancen für Private. Der heimische Aktienmarkt ist im Vergleich zu anderen kleineren Staaten wie die Schweiz, die Niederlande oder Schweden unterdimensioniert. Das soll sich ändern.

Reichlich Eigenlob

Löger sparte in New York nicht mit Lob für das Land, das auch eine gehörige Portion Eigenlob enthielt. Nulldefizit, sinkende Schulden, überdurchschnittliches Wachstum oder hohe Lebensqualität wurden in die Auslage gestellt. Noch ein paar andere Zuckerln hatte man im Gepäck: Als besondere Vorteile werden die Gruppenbesteuerung angepriesen und der Umstand, dass Österreich keine Vermögenssteuer kennt, wie es in der Broschüre zur Roadshow in New York heißt. Was hierzulande immer wieder als Begünstigung von Konzernen und Reichen gegeißelt wird, ließ die Herzen an der Wall Street höherschlagen.

Zumindest zeigten große Kapitalgeber Interesse an den österreichischen Konzernen. Das war zwar auch bei früheren Roadshows der Fall, als sich die Unternehmen ohne ministerielles Geleit präsentierten, wie einige Manager raunen. Die Börse begibt sich ja jährlich mit Firmenvertretern in das Finanzzentrum, doch heuer ortete man besonders große Nachfrage, wie Börsenchef Christoph Boschan meint. Sowohl die Zahl der heimischen Firmen als auch der US-Investoren habe sich bei dem Treffen im noblen Hotel Lotte Palace gegenüber bisherigen Veranstaltungen verdoppelt, sagt er. Das bestätigten auch Firmenbosse von Strabag bis Telekom. Die Börse kann Zusätzliches gut brauchen. Der Handel am Aktienmarkt ist – wie auch an anderen europäischen Handelsplätzen – wegen der Brexit-Sorgen um fast ein Viertel eingebrochen.

Vorbild New York

Auch Start-ups konnten sich in New York einiges abschauen. Investor Michael Altrichter besichtigte beispielsweise mit Schramböck Coworkingprojekte des Multis We Work. Zehn heimische Gründer sollen die Möglichkeit erhalten, zwei Monate im New Yorker Hub des Konzerns zu verbringen, wie Schramböck berichtet. Die Plätze werden bei einer Show vergeben, bei der sich Start-ups präsentieren. Womit die rot-weiß-rote Show in New York, die am Mittwoch unweit vom Broadway zu Ende ging, eine Fortsetzung finden wird. (as, 17.4.2019)