China und die USA haben im Handelskrieg gefährliches Terrain betreten. Denn das Spiel mit den Währungen ist riskant. China hat seit langem die Schwächung seiner Landeswährung Yuan wieder zugelassen. Ein Dollar hat am Montag erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan gekostet. Die von Experten als Grenze und "rote Linie" definierte Marke wurde überschritten. Damit zeigt China zwar, dass es über seine Währung die von US-Präsident Donald Trump auferlegten Zölle zumindest zu einem Teil abfedern kann und damit wettbewerbsfähig bleibt. Das stimmt aber nur auf der Seite der Ausfuhren. Bei den Importen sieht es schon wieder anders aus. Ein schwacher Yuan verteuert Importe für China, etwa die Einfuhr des in Dollar abgerechneten wichtigen Erdöls. Zudem kann damit die Kapitalflucht, die Peking seit mehreren Jahren massiv bekämpft, wieder zunehmen.

Ein Dollar kostete am Montag nach elf Jahren erstmals wieder mehr als sieben Yuan.
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Es gibt aber noch eine andere Facette zu betrachten. Hält sich China über eine schwächere Währung im Wettbewerb stabil, kann das auch andere Länder in Asien treffen. Denn Währungen sind kommunizierende Gefäße. Wertet eine Währung auf oder ab, hat das Auswirkungen auf andere Währungen, Länder und deren Entwicklung. Hier hängen gerade die Schwellenländer an einem seidenen Faden, denn viele dieser Länder haben hohe Schulden, die in Dollar zu bezahlen sind. Werten diese Länder nun ihre eigenen Währungen ab, um mit China am Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, verteuert das ihre Dollarschulden. Halten sie ihre Währung stabil, ist zwar der Schuldendienst leichter zu stemmen – die Exporte könnten aber zurückgehen.

Kräftemessen

Die Situation löst jedenfalls Erinnerungen an 2015 aus. Damals hatte Chinas Zentralbank die Währung abgewertet, um eine Abkühlung der eigenen Konjunktur abzufedern. Die aufkeimende Furcht vor möglichen Folgen für die Weltwirtschaft stürzte damals die Börsen weltweit in Turbulenzen. Das Spiel des Kräftemessens zwischen den USA und China kann also auch gefährlich enden, denn die weltweite Konjunktur brummt ohnehin nicht mehr so laut. Das Wachstum in China ist rückläufig. Damit kämpft das Reich der Mitte neben der Zolldebatte auch mit Sorgen im eigenen Land.

Doch China hat noch eine andere Waffe in der Hand. In der Finanzkrise hat das Land US-Staatsanleihen im großen Stil aufgekauft. Mit einem Verkauf dieser Papiere könnte China ebenfalls Druck auf die USA erzeugen. Der Wert, den China über diese Papiere angehäuft hat, beläuft sich auf mehr als eine Billion Dollar – das sind rund 900 Milliarden Euro. Die Spannung wird also groß sein, wenn sich die Chefunterhändler beider Länder im September in Washington zu weiteren Handelsgesprächen treffen. Das Kräftemessen wird bis dahin wohl ebenfalls weitergehen.

Doch auch mit Handelsabkommen werden sich die mittlerweile tiefen Gräben wohl nicht schließen. Denn das Spiel der Weltwirtschaft mit ihren verzahnten Lieferketten, Dienstleistungen und Finanzen hat sich längst verändert und Risse bekommen. Im Technologiebereich zeichnet sich eine Entwicklung bereits ab: die größere Trennung zwischen Produkten aus Asien und solchen der westlichen Welt. Chinesen haben mittlerweile eine hohe Wertschätzung für lokal hergestellte Smartphones. Der Fall Huawei zeigt klar, mit welchen Mitteln um die Technologieführerschaft gekämpft wird. (Bettina Pfluger, 7.8.2019)