AMS plant offenbar ein 4,3 Milliarden Euro schweres Angebot für Osram.

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München/Graz – Der Lichtkonzern Osram hat den Weg freigemacht für ein Übernahmeangebot des österreichischen Chipkonzerns AMS. Vorstand und Aufsichtsrat von Osram haben das bestehende Stillhalteabkommen mit AMS aufgehoben und eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in München mit.

Damit ebnet das Münchner MDax-Unternehmen dem österreichischen Halbleiterhersteller den Weg für den offiziellen Einstieg in das Bieterrennen. AMS konkurriert mit den beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle. Der Osram-Aufsichtsrat stimmte am Mittwoch zudem einer Zusammenschlussvereinbarung mit AMS zu, die "Schutzzusagen für Mitarbeiter, Standorte und wesentliche Unternehmensteile" enthält, wie es in der Mitteilung heißt.

Kann die in Zürich börsennotierten AMS sein Ziel verwirklichen und Osram übernehmen, so soll das deutsche Unternehmen zu einer 100-Prozent-Tochter werden. Das sagte AMS-Finanzvorstand Michael Wachsler-Markowitsch am Donnerstag zu Reuters. Die Restrukturierung von Osram sei nicht abgeschlossen. Ein weiterer Stellenabbau sei nötig. "Aber wir werden netto Arbeitsplätze in Deutschland schaffen." Die Integration solle innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein.

IG Metall gegen Übernahme

Die IG Metall spricht sich weiterhin klar gegen eine Übernahme von Osram durch AMS aus, wie ein Gewerkschaftsvertreter der dpa nach der Aufsichtsratsentscheidung sagte. Der Grund sei, dass es aus IG-Metall-Sicht trotz der Kooperationsvereinbarung weiterhin keine wirklich belastbare Arbeitsplatzsicherheit gebe.

Im Gegenzug für das Stillhalteversprechen hatte AMS im Juni Einblick in die Osram-Bücher erhalten. Es musste aufgelöst werden, damit AMS sein Angebot den Osram-Aktionären offiziell vorlegen kann. Der Sensorhersteller will das Münchner Unternehmen für 38,50 Euro je Aktie übernehmen und die beiden Unternehmen dann zusammenschließen. Das entspricht einem Angebot in Höhe von rund 4,3 Milliarden Euro.

US-Investoren versprachen Erhalt von Arbeisplätzen

Die US-Investoren wollen den Aktionären nur 35 Euro je Aktie zahlen – dafür hatten sie den Osram-Beschäftigten aber schon früh den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesagt. Das Angebot an die Aktionäre läuft am 5. September aus. Bain und Carlyle haben bereits das grüne Licht der Finanzaufsicht erhalten. Bei AMS muss es noch erfolgen, bevor sie den Osram-Aktionären das Angebot formal auch wirklich unterbreiten können.

Der Kampf um die Übernahme dürfte dann an Fahrt gewinnen: Anfang der Woche hatte es Berichte gegeben, nach denen Bain und Carlyle über eine Erhöhung ihres Gebots nachdenken, wenn Osramein öffentliches Angebot einreiche.

Zunächst hatten Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat über Wochen eine Übernahme durch die US-Amerikaner favorisiert. Dann legte AMS ein verbessertes Angebot vor. Seitdem führten beide Unternehmen nach Osram-Angaben "konstruktive Gespräche über eine Zusammenschlussvereinbarung".

Hoch verschuldete AMS

Die IG Metall, die ebenfalls mit Mitgliedern im Aufsichtsrat von Osram vertreten ist, blieb allerdings stets hart: Man bezweifle, dass AMS ausreichend Erfahrung habe, um die Komplexität des angeschlagenen Münchner Leuchtenherstellers vollständig zu durchdringen. Zudem müsse sich AMS für die Übernahme weiter verschulden. Das sei riskant.

AMS ist bereits hoch verschuldet und müsste die Übernahme auf Kredit finanzieren. Deswegen gibt es Befürchtungen, dass die Österreicher eine Übernahme durch die Zerschlagung von Osram gegenfinanzieren könnten, um nur die Teile zu behalten, die für AMS wichtig sind. AMS und Osram sind auf einigen Feldern direkte Konkurrenten. (APA, Reuters, 21.8.2019)