Jair Bolsonaro muss sich erneut operieren lassen, ernährt sich derzeit nur flüssig und muss nach dem Eingriff zehn Tage ruhen. Daher fährt Brasiliens rechtsextremer Präsident nun auch nicht zum geplanten Amazonas-Gipfel lateinamerikanischer Regierungschefs.

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Brasilia – Jair Bolsonaro hat seine geplante Teilnahme an einem Amazonas-Gipfel zu den verheerenden Waldbränden in der Region abgesagt. Bolsonaro müsse sich auf einen für nächste Woche anberaumten medizinischen Eingriff vorbereiten, sagte ein Regierungssprecher am Montag.

Bolsonaro müsse sich ab dem kommenden Freitag einer Flüssigdiät unterziehen, sagte der Sprecher. Zum vierten Mal, seit er während seines Wahlkampfes vor einem Jahr niedergestochen wurde, muss Bolsonaro operiert werden. Bei dem Eingriff in Sao Paulo nächste Woche soll ein Narbenbruch behandelt werden. Bolsonaros Ärzte erklärten, der Präsident brauche anschließend eine zehntägige Erholungsphase.

Es ist bereits der vierte Eingriff seit einer Messerattacke auf den rechtsradikalen Politiker. Bolsonaro war im September vergangenen Jahres bei einer Messerattacke während eines Wahlkampfauftritts schwer am Bauch verletzt worden. Damals wurde dem heute 64-Jährigen ein künstlicher Darmausgang gelegt. Ein Beutel für den Darmausgang wurde ihm im Jänner entfernt.

Verschiebung möglich

Die Regierung in Brasilia erwägt, einen Stellvertreter zu dem Gipfel nach Kolumbien zu schicken oder um eine Verschiebung des Treffens zu bitten. Der Amazonas-Gipfel beginnt ebenfalls am Freitag.

Bei dem regionalen Gipfeltreffen sollte es um die schweren Waldbrände gehen, die derzeit im Amazonasgebiet wüten. Die Brände sorgen seit einigen Wochen für Streit zwischen Bolsonaro und internationalen Regierungen. Unter wachsendem Druck hatte Bolsonaro am Donnerstag ein Dekret erlassen, das das Abbrennen von Flächen für 60 Tage untersagt. Von den G7-Staaten bewilligte Soforthilfen für die Bekämpfung der Brände hat er hingegen mit dem Argument abgelehnt, es handle sich um eine Einmischung in innere Angelegenheiten. Später lenkte er ein und erklärte, die Hilfe unter bestimmten Bedingungen akzeptieren zu wollen.

Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass Rodungen und Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben. Der Staatschef ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert – Bauern fühlten sich daher ermuntert, mehr Brandrodungen im Amazonas durchzuführen als sie das bisher getan hatten. Freilich ist die Praxis an sich aber kein neues Phänomen: Auch unter Bolsonaros linken und liberalen Vorgängern hatte es, in geringerem Ausmaß, Brandrodungen gegeben. Zudem wüten nicht nur in Brasilien, sondern auch in zahlreichen anderen Staates am Kontinent derzeit Waldbrände. (red, APA, 3.9.2019)