Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, meint DIW-Chef Marcel Fratzscher.

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Brüssel – Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt vor weiteren Verzögerungen beim Brexit. "Was ich jetzt an Risiken sehe, ist die Unsicherheit", sagte Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – lieber jetzt ein harter Brexit als eine Hängepartie, die sich noch ein oder zwei Jahre hinzieht."

Das britische Unterhaus will eine weitere Verschiebung des für 31. Oktober geplanten EU-Austritts bis Ende Jänner. Sollte Großbritannien das bei der EU beantragen, könnte dies Erfolg haben. Schon jetzt aber hätten sich wegen der Unsicherheit deutsche Exporte nach Großbritannien und Irland abgeschwächt, so Fratzscher. "Wenn einmal Klarheit da ist und die Unternehmen wissen, worauf sie sich einstellen müssen, kann man auch damit umgehen."

Deutsche Unternehmen seien bereits dabei, sich neu zu orientieren – sowohl für den Bezug von Vorprodukten als auch für neue Absatzmärkte. Auch ohne Brexit-Vertrag wären Zölle im Handel mit Großbritannien gering und lange Wartezeiten an den Grenzen vermeidbar. "Es muss nicht sein, dass es zu diesem Chaos kommt", so Fratzscher. (APA, 6.9.2019)