Natürlich ist Lionel Messi ein besserer Fußballer als Virgil van Dijk.

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Die richtige Wahl als Weltfußballer des Jahres wäre dennoch der Niederländer gewesen.

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In der Champions League gewann Van Dijk gegen Messi.

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Die Weltfußballerwahl ist geschlagen, das Ergebnis bei den Herren war aus Sicht des Weltverbands Fifa erwartbar. Lionel Messi ist zum sechsten Mal Weltfußballer, aber so mancher Fußballfan fragt sich: Warum schon wieder Messi? Hat sich die Fifa mit dieser Wahl einen Gefallen getan? Und warum wurde Liverpool-Verteidiger Virgil van Dijk nicht berücksichtigt?

Der Reihe nach. Messis letzte Saison war stark, wenn auch nicht alles überragend. Mit dem FC Barcelona gewann der 32-jährige Argentinier zwar die spanische Meisterschaft, in der Champions League scheiterte Barcelona nach einem dramatischen Rückspiel (0:4) aber am späteren Gewinner FC Liverpool. Im Königspokal verlor Barcelona im Finale gegen Valencia trotz eine Treffers von Messi mit 1:2. Der goldene Schuh als bester Torjäger Europas ist natürlich eine Visitenkarte, mit der Nationalmannschaft wurde Messi bei der Copa América Dritter und verpasste erneut einen Titel mit der Auswahl.

Löw und Neuer gegen Messi

Viele Nationalteamkapitäne und -trainer wählten nicht Messi, darunter Giorgio Chiellini, Didier Deschamps oder Tite. Deutschlands Teamchef Jogi Löw hat überhaupt keinem der drei späteren Finalisten seine Stimme gegeben. Laut Fifa-Aufschlüsselung votierte Löw stattdessen für den Belgier Eden Hazard, der nach dem Europa-League-Triumph mit dem FC Chelsea zu Real Madrid wechselte.

DFB-Kapitän Manuel Neuer stimmte für den letztlich zweitplatzierten van Dijk, der Niederländer galt auch als Favorit auf die Auszeichnung. Für ihn wäre es die Krönung einer unglaublichen Saison gewesen: Champions-League-Sieg mit Liverpool, klubinterner Punkterekord in der Premier League, Finale der Nations League mit den Niederlanden. Und als bester Abwehrspieler der Welt wurde der 1,92 Meter große van Dijk auch zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Sein Zweikampfverhalten, seine Spieleröffnung, sein Stellungsspiel sind maßgebend. Trainer Jürgen Klopp ist voll des Lobes: "Ich könnte ein Buch schreiben über seine Fähigkeiten."

Fehler im System

Die härteste Währung im Fußball bleiben aber offenbar Tore. Cristiano Ronaldo und Messi haben sich in den letzten elf Jahren zehn Trophäen untereinander ausgemacht. Nur im Vorjahr machte die Fifa einen Ausreißer, wurde Luka Modric zum Weltfußballer gekürt, als Mittelfeldregisseur wohlgemerkt. Nun ist wieder alles beim Alten.

Fabio Cannavaro bleibt damit der einzige Verteidiger, der Weltfußballer wurde (2006). Der Kapitän der italienischen Nationalmannschaft hatte in seinem 100. Länderspiel den WM-Titel im Berliner Olympiastadion gewonnen.

Dass die begehrte Auszeichnung zum sechsten Mal an Messi ging, liegt auch an einem Fehler im System. Denn beim Wahlprozedere der Fifa geht Popularität oftmals über objektive Gründe. Besonders deutlich wird das bei einem Blick auf das Ergebnis der Fanwahl, die zu 25 Prozent in die Wertung eingeht und die Messi mit gewaltigem Vorsprung gewann.

Die Wahl durch Nationalteamtrainer und -kapitäne ist oftmals eine der persönlichen Vorlieben oder Verbindungen zu Spieler X oder Y. Dazu kommt, dass viele von ihnen auf anderen Kontinenten beheimatet sind, wo der europäische Spitzenfußball oft nicht so intensiv mitverfolgt wird.

Wen Messi und Ronaldo wählten

Für den österreichischen Fußballbund war Messi dieses Jahr ebenfalls nicht Weltfußballer. Teamchef Franco Foda nominierte Liverpool-Stürmer Mo Salah, Ronaldo und Mbappe. Kapitän Julian Baumgartlinger wählte Eden Hazard.

Bemerkenswert ist auch das Wahlverhalten der Superstars selbst. Während Messi für Ronaldo stimmte (auf Platz zwei hinter Mane), wählte Ronaldo drei andere Spieler (Matthijs de Ligt, Frenkie de Jong und Mbappe). Ronaldo, offensichtlich im Wissen, dass er nicht gewinnen würde, blieb der Preisverleihung in Mailand fern. (Florian Vetter, 24.9.2019)