Nach EM-Bronze 2018 und WM-Bronze 2019 strebt er auch bei Olympia 2020 in Tokio eine Medaille an.

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"Jetzt habe ich ein bisschen Geschichte geschrieben, wie man so sagt."

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"Der Kreis hat zwei Meter, der Diskus hat zwei Kilo, sechzig Meter sind sechzig Meter, siebzig Meter sind siebzig Meter." So lautet der Leitspruch von Lukas Weißhaidinger, der sich bei der 17. Leichtathletik-WM in Katars Hauptstadt Doha seinen Medaillentraum erfüllt hat. Bronze im Diskuswerfen war Österreichs erst dritter WM-Stockerlplatz, der erste eines Mannes. Weißhaidinger steht nun auf einer Stufe mit Hochspringerin Sigrid Kirchmann, die 1993 Bronze, und mit 800-m-Läuferin Stephanie Graf, die 2001 Silber geholt hat.

Der Leitspruch, den sich Weißhaidinger immer wieder vorsagt, bricht die technisch so anspruchsvolle Disziplin auf Grundsätzliches herunter, das ist volle Absicht. "Es geht beim Werfen um Selbstverständlichkeit, um Lockerheit", sagt Trainer Gregor Högler, der mit seinem Schützling erst weit nach Mitternacht zurück ins Athletenhotel gekommen war und gerade noch ein Bier ergatterte. Es war Lockerheit und nicht die Kraft, die Weißhaidinger den Diskus schon im ersten Versuch auf 66,74 Meter schleudern ließ. Damit hatte er sich in Führung gesetzt, doch im zweiten Durchgang konterten der Schwede Daniel Stahl (67,59) und der Jamaikaner Fedrick Dacres (66,94). Weißhaidinger konnte sich auf 66,82 Meter steigern, dabei blieb es.

"Cooler Hund"

Der 27-jährige Innviertler jubelte kurz und heftig, um der Austria Presse Agentur (APA) wenig später ruhig und halbernst zu Protokoll zu geben: "Jetzt habe ich ein bisschen Geschichte geschrieben, wie man so sagt. Jetzt werden wir irgendwie schauen, dass man unsterblich wird in Österreich." Högler nannte Weißhaidinger "einen coolen Hund. Der geht da rein und tut, wie wenn nichts gewesen wäre. Er ist ein Wahnsinn."

Gewesen war, dass Weißhaidingers Einserdiskus ("Black Dynamite") wegen einer angeblichen Delle von der Jury abgelehnt wurde und er zum Ersatzgerät ("Eliminator") greifen musste. "Wir jammern nicht", sagt Högler. "Wir sind gewohnt, aus jeder Situation das Beste zu machen." Dem Trainer, der auch Sportdirektor des Verbands (ÖLV) ist, galt Weißhaidingers erster Dank. "Diese Medaille gehört auch dem Gregor, ohne ihn wäre ich nicht hier." Es habe sich bezahlt gemacht, dass sich der Verband auf wenige Disziplinen konzentriere.

Für Weißhaidinger schlägt sich Bronze auch finanziell nieder, neben dem offiziellen Preisgeld von 20.000 US-Dollar (18.300 Euro) erhält er 25.000 Euro, die ÖLV-Sponsor Helvetia Versicherungen für einen dritten WM-Rang ausgelobt hat. Dabei soll es nicht bleiben. Für eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ließe die Helvetia nicht weniger als 205.000 Euro springen, für Silber 100.000, für Bronze 50.000 Euro. Högler: "Das Geld ist nicht nur für den Luki wichtig, sondern auch für viele junge Athletinnen und Athleten, die jetzt endlich sehen, dass sich auch in unserem Sport etwas verdienen lässt."

Drohender Rückschlag

Schon als Gesamtzweiter der Diamond League – hinter Stahl – hatte Weißhaidinger heuer einiges verdient. Diesbezüglich schwebt allerdings ein Damoklesschwert über dem Diskuswurf. Dieser Disziplin droht, wie DER STANDARD erfuhr, ebenso wie etwa dem Dreisprung die Streichung aus dem Programm der hochdotierten Diamond-League-Meetingserie. Diesbezügliche Gerüchte haben sich in den vergangenen Wochen verdichtet, Insider sprechen davon, dass die Entscheidung schon gefallen sei. In knapp drei Wochen soll sie auch offiziell verkündet werden. Das Programm der Meetings soll auf TV-Wunsch auf höchstens neunzig Minuten zusammengestaucht werden, technische Bewerbe mit etlichen Versuchen lassen sich da nicht mehr leicht unterbringen.

Weißhaidinger und Högler hoffen, dass sich die Gerüchte nicht bestätigen, sie wären schwer enttäuscht. Högler hat vor wenigen Wochen mit Sebastian Coe, dem Präsidenten des Weltverbands, gesprochen und versucht, dem Briten klarzumachen, welche Bedeutung der Diskuswurf habe. "Diskus ist eine der ganz klassischen, ursprünglichen Sparten, war schon in der Antike olympisch. Wenn sich Menschen die Statue eines Leichtathleten vorstellen sollen, dann stellen sich fast alle die Statue eines Diskuswerfers vor."

Der Siebenkampf, um die Kurve zu kratzen, hat sowieso eigene, nämlich zweitägige Meetings. Bei der WM in Doha geht es heute los. Verena Preiner und Ivona Dadic, beide übrigens wie Weißhaidinger aus Oberösterreich, trauen sich Spitzenplätze zu. Selbst eine Medaille scheint in Reichweite. (Fritz Neumann, 1.10.2019)