Mark Zuckerberg wäre bereit, juristisch gegen die US-Regierung zu kämpfen, sollte seinem Konzern die Aufspaltung drohen.

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Seit Cambridge Analytica und der wahrscheinlichen Beeinflussung der Präsidentschaftswahl 2016 von russischer Seite ist Facebook immer wieder im Zentrum der politischen Debatte – auch im Vorwahlkampf der Demokraten.

Dort gibt es einige Stimmen, die einen deutlich strengeren Umgang mit der Plattform seitens der Politik fordern. Die radikalste Lösung vertritt Elizabeth Warren. Die Senatorin aus Massachusetts fordert die Zerschlagung des Konzerns von Mark Zuckerberg. Nun ist ein Audiomitschnitt einer Frage-Antwort-Runde des Facebook-Chefs mit Mitarbeitern aufgetaucht. Dort kündigt der Firmenchef erbitterten Widerstand an, sollte Warren ins Weiße Haus einziehen, schreibt "The Verge".

Zuckerberg: Größe hilft bei Schutz vor Manipulation

"Wenn jemand wie Elizabeth Warren Präsidentin wird (…), dann wette ich darauf, dass wir vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung stehen. Und ich wette, dass wir diese gewinnen", ist der Facebook-CEO zu hören. "Das wäre dennoch mies für uns. Wir wollen keine große Klage gegen unsere eigene Regierung erheben, aber wenn jemand versucht, uns so existenziell zu drohen, dann steigen wir auf die Matte und kämpfen."

Zuckerberg ist der Meinung, dass die Größe von Firmen wie Facebook, Amazon oder Google kein Problem ist, sondern ihre Stärke. Daher würde eine Zerschlagung die Lösung des Problems der Wahlbeeinflussung nur erschweren, weil es ihnen dann schwerer fiele, miteinander zu kooperieren. Das sei auch der Grund dafür, warum Twitter sich als kleineres Unternehmen viel schwerer damit tue, gegen Wahlbeeinflussung vorzugehen. Facebook stecke mehr Geld in Sicherheit, als Twitter an Gesamtumsatz vorzuweisen habe. Eine Aussage, die bei seinem Publikum hörbar für Erheiterung sorgt.

Für Regulierung, gegen Hearings in einzelnen Staaten

Er lehnt es auch weiter ab, vor dem Parlament in jedem Land aufzutreten, in dem eine Befragung gefordert wird. Infolge des Cambridge-Analytica-Skandals habe er Abgeordneten in den USA und dem EU-Parlament Rede und Antwort gestanden, es mache aber keinen Sinn, darüber hinaus in einzelne Staaten zu fahren.

Regulierung für die Techriesen an sich befürwortet Zuckerberg allerdings, womit er unter den CEOs der IT-Firmen auch nicht allein ist. Wenn es einen gesetzlichen Rahmen dafür gibt, in dem klar ist, wann und wofür Anbieter zur Verantwortung gezogen werden, würde der öffentliche Zorn abnehmen und niemand mehr fordern müssen, auf Facebook "mit dem Hammer draufzuhauen".

Er gesteht weiters Versäumnisse, was den Umgang mit problematischen Inhalten und den eigenen Moderatoren angeht. Einige Berichte über die psychische Belastung der Content-Kontrolleure sieht er zwar als "übertrieben" an, aber diese Leute müssten oft "wirklich schlimme Dinge" ansehen, und es sei wichtig, ihnen die Möglichkeit zur Beratung und angenehme Freiräume für Pausen bereitzustellen, meint Zuckerberg.

Geschützt durch Allmacht

Seine umfassende Macht im Konzern verteidigt er. Hätte er diese nicht, wäre er in den letzten Jahren wahrscheinlich schon zu der einen oder anderen Gelegenheit gefeuert worden. Tatsächlich hält er einen hohen Anteil sogenannter "Erste-Klasse-Aktien" an seinem Unternehmen und kommt somit auf ein Stimmgewicht von 58 Prozent. Das bedeutet nicht nur, dass keine große Entscheidung gegen sein Veto durchgesetzt werden kann, sondern auch, dass er sich auch nur selbst als Chef entlassen kann.

Senatorin unbeeindruckt

Elizabeth Warren zeigt sich ob der Leaks unbeeindruckt. "Was wirklich 'mies' wäre, wäre, wenn wir ein korruptes System nicht reparieren können, das riesige Firmen wie Facebook illegale, wettbewerbsschädliche Praktiken durchgehen, auf der Privatsphäre der Konsumenten herumtrampeln und das Versagen beim Schützen unserer Demokratie durchgehen lässt", schrieb sie als Reaktion auf Twitter. (red, 2.10.2019)