Bayern-Spieler David Alaba diskutiert nach der Niederlage in Frankfurt mit den Fans.

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Was ist passiert?

Selbst für die Verhältnisse des Trubel gewohnten deutschen Rekordmeisters Bayern München war dies ein Erdbeben: Die Trennung von Trainer Niko Kovac am Sonntagabend nach dem 1:5 bei Eintracht Frankfurt schaffte nicht nur ein Vakuum rund um die zuletzt immer wirrer agierende Mannschaft, sondern sorgte knapp zwei Wochen vor der emotionalen Abschiedsmesse für Präsident Uli Hoeneß für unerwünschte Eintrübungen. Angeblich hat Kovac seinen Rücktritt selbst angeboten haben. Interimstrainer Hansi Flick soll gegen Olympiakos Piräus in der Champions League und gegen Borussia Dortmund im Bundesliga-Topspiel erst einmal Schadensbegrenzung betreiben.

Wo brennt's?

Die Probleme sind vor allem sportlicher Natur und hausgemacht noch dazu, wirtschaftlich strotzt der FC Bayern ja vor Kraft. Aus dem "größten Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte" (Hoeneß), ging ein Kader ohne klares Gerüst hervor. Die Flügel sind nicht qualitativ ausreichend doppelt besetzt, der Schlüsselposition im zentralen defensiven Mittelfeld fehlt ein Fixpunkt mit Autorität, während die Achterposition überrepräsentiert ist. Verletzungen wie die von Niklas Süle haben zudem die Defensive gehörig geschwächt. Die Bayern stecken in der dritten Saison in Serie in einer Herbstkrise, auch das kann kein Zufall sein, sondern deutet auf strukturelle Defizite hin.

Was wurde Kovac vorgeworfen?

Der Kroate galt nie als die Wunschlösung und wurde diesen Makel auch nicht los. Zu den Kritikpunkten gehörte seine angeblich mangelnde taktische Flexibilität, eine fehlende klare Spielidee und in Summe eine stagnierende Entwicklung. Schon als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Frühjahr den Druck deutlich erhöhte, war Kovac geschwächt. Zudem brachte er sich mit Kommentaren wie der "Not am Mann"-Aussage zu Thomas Müller in Misskredit. Auch wenn sich Fürsprecher Hoeneß stets für ihn einsetzte: Das Aus war trotz des Doubles in der Vorsaison nicht mehr zu verhindern.

Was nun?

Dem FC Bayern stehen gravierende Veränderungen bevor. Am 15. November übergibt Hoeneß das Zepter an Herbert Hainer, im Jänner kommt Oliver Kahn als einfaches Vorstandsmitglied und wird als Nachfolger von Vorstandschef Rummenigge vorbereitet. Dazu bleibt zu klären, ob Sportdirektor Hasan Salihamidzic, dessen Vertrag ausläuft, tatsächlich zum Sportvorstand befördert wird. Nun muss auch noch ein neuer Cheftrainer her, der den Münchnern den Erfolg beschert, der ihren Ansprüchen gerecht wird. Die Meisterschaft ist dafür nur bedingt ausschlaggebend, die Königsklasse diktiert den Maßstab. Auch hier wurde Kovac offenbar nicht genug zugetraut, zumal selbst der achte nationale Titel in Folge gefährdet ist.

Wer kommt als Nachfolger infrage?

Die Spekulationen über Kovac-Nachfolger setzten nicht erst in den Stunden nach der Trennung ein, sie begannen spätestens vor knapp zwei Wochen, als Ralf Rangnick (61) ins Spiel gebracht wurde. Gehandelt wird auch Massimiliano Allegri (52), der Ex-Coach von Juventus Turin. Dazu gesellen sich klangvolle Namen wie Jose Mourinho (56) oder Arsene Wenger (70), die aber eher weniger als Gestalter der Zukunft zu sehen wären. Dass Hansi Flick (54) länger als bis zur Winterpause bleibt, ist kaum vorstellbar. (sid, 4.11.2019)