Jens Söring nach seiner Ankunft in Frankfurt mit Unterstützerinnen und dem Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU).

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"Das ist hier alles ziemlich überwältigend. Ich freue mich so sehr, nach 33 Jahren, sechs Monaten und 25 Tagen endlich wieder in Deutschland zu sein. Das ist der schönste Tag meines Lebens. Es ist so unglaublich." Mit diesen Worten bedankte sich der 53-jährige Jens Söring am Dienstag nach seiner Landung gleich bei einer kurzen Pressekonferenz auf dem Frankfurter Flughafen. Jahrzehnte verbrachte Söring, der für den Doppelmord an den Eltern seiner früheren Freundin in den USA verurteilt worden war, in Haft – zuletzt im Buckingham Correctional Center in Dillwyn, Virginia.

In Deutschland ist Söring ein freier Mann, in den USA gilt er nach wie vor als zweifacher Mörder. Er war auch nicht begnadigt, sondern nur freigelassen und nach Deutschland abgeschoben worden.

Will erst einmal Ruhe

"Ich muss mich zurückziehen und zur Ruhe kommen und psychologisch in Deutschland ankommen", sagte Söring, umringt von seinen Freunden, auf dem Flughafen und wandte sich auch direkt an die zahlreichen Journalisten: "Bitte geben Sie mir etwas Ruhe!" In einigen Wochen will er sich dann ausführlicher äußern. Zu den Geschehnissen, die zur Verurteilung geführt hatten, und zur langen Zeit in Haft äußerte sich Söring nach seiner Ankunft nicht.

Der Fall polarisiert nach wie vor in den USA und in Deutschland. Söring, der Sohn eines Diplomaten, hatte sich 1984 als 18-Jähriger an der Universität von Virginia in die zwei Jahre ältere Elizabeth Haysom verliebt. Deren Eltern, Derek und Nancy, wurden 1985 in ihrem eigenen Haus brutal ermordet, nachdem sie – nach Polizeiangaben – zuvor mit ihrem Mörder gegessen hatten.

Söring und Elizabeth Haysom flohen zunächst nach England und wurden dort verhaftet.

Geständnis zurückgezogen

Zunächst gestanden beide den Mord, später widerriefen sie. Haysom erklärte, Söring habe die Tat begangen, sie sei bloß Anstifterin. Söring hingegen betonte seine Unschuld und sagte, er habe das Geständnis nur gemacht, weil er seine Freundin vor der Todesstrafe bewahren habe wollen. Er selbst sei der Ansicht gewesen, er genieße diplomatische Immunität und werde bloß nach Deutschland abgeschoben. Doch beide wurden verurteilt, Söring zu zweimal lebenslänglich, Haysom zu 90 Jahren.

Söring beteuerte in der Haft immer wieder seine Unschuld, er schrieb drei Bücher und begann, unterstützt auch von deutschen Politikern, um seine Rehabilitierung zu kämpfen. Zu seiner Bekanntheit trug auch der Dokumentarfilm "Das Versprechen" aus dem Jahr 2016 bei. Letztendlich wurde Söring aber nicht begnadigt, sondern nun eben "nur" entlassen. Zur Begründung wurde angeführt, die Entlassung und Abschiebung nach Deutschland sei eine Entlastung für die Steuerzahler in Virginia.

In Deutschland wird Söring nun an einem geheimen Ort eine Mietwohnung beziehen, die Freunde für ihn organisiert haben. Er muss zunächst lernen, sich im Alltag zurechtzufinden, vor kurzem hat er erklärt, noch kein Smartphone besessen zu haben. In die USA darf Söring nie wieder einreisen. Elizabeth Haysom, die kanadische Staatsbürgerin ist, wird nach Kanada abgeschoben. (Birgit Baumann aus Berlin, 17.12.2019)