Nach dem missglückten ersten Testflug des neuen Raumschiffs Starliner im vergangenen Dezember hat eine umfangreiche Untersuchung schwere Mängel festgestellt. Der Hersteller Boeing muss nun 61 Korrekturen vornehmen, die Nasa will ihr System zur Sicherheitsüberprüfung überarbeiten, teilten Boeing und die US-Raumfahrtbehörde Nasa Ende vergangener Woche bei einer Pressekonferenz mit.

Aufnahme vom Starliner-Start am 20. Dezember 2019.
Foto: imago/JOE MARINO

Die Arbeiten würden wohl mehrere Monate in Anspruch nehmen, sagte der stellvertretende Nasa-Chef Doug Loverro. Er machte deutlich, dass ein bemannter Start mit dem Raumschiff ein katastrophales Ende hätte nehmen können: "Das war eine knappe Angelegenheit. Wir hätten das Raumschiff zweimal fast verloren." Nun müsse sichergestellt werden, dass "wir sicher fliegen können, wenn wir uns entscheiden, wieder zu fliegen".

Falsche Zeit und gefährliche Panne

Eigentlich hätte der Starliner schon 2020 Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen sollen. Doch das Raumschiff hatte es bei dem unbemannten Test im Dezember nicht in den richtigen Orbit geschafft und die Raumstation nicht erreicht. Die Raumkapsel, in der sich bei einer astronautischen Mission die Crew befunden hätte, kehrte aber unbeschadet zur Erde zurück. Zunächst berichtete die Nasa von einem falsch eingestellten Timer und Problemen mit dem Antrieb des Raumschiffs.

61 Korrekturen müssen an dem Raumschiff vorgenommen werden.
Foto: Reuters/NASA

Umfangreiche Überprüfungen haben nun insgesamt 61 Mängel ans Licht gebracht, darunter drei schwerwiegende Probleme: Der sogenannte Mission Elapsed Timer, der die Ausführung mehrerer automatischer Manöver auslösen soll, war falsch programmiert worden, wodurch es zu Fehlern nach der Trennung des Starliners von der Trägerrakete kam. Das Raumschiff verschwendete Treibstoff und konnte den vorgesehenen Orbit nicht mehr erreichen.

Das zweite, potenziell katastrophale Problem wurde erst bemerkt, als Boeing-Ingenieure nach dem ersten Zwischenfall hektisch die Software überarbeiteten: Ein Fehler in der Service Module Disposal Sequence hätte zu einer Kollision des Mannschaftsmoduls mit dem Servicemodul führen können. Die Kapsel, in der sich bei astronautischen Flügen die Crew befinden soll, wäre in diesem Fall möglicherweise in der Erdatmosphäre verglüht, anstatt sicher zurückzukehren. Das konnte aber durch Eingriffe von der Erde aus verhindert werden.

Kommunikationsproblem

Allerdings wurde dabei der dritte gravierende Mangel deutlich: Eine Kommunikationsstörung erschwerte es dem Bodenteam, einzugreifen. Bei einer astronautischen Mission hätte es auch zur Beeinträchtigung des Funkkontakts mit den Raumfahrern kommen können, heißt es von der Nasa.

Immerhin: Das Crew-Modul konnte dank rechtzeitigen Eingriffs des Bodenteams unbeschadet zur Erde zurückkehren.
Foto: NASA/Bill Ingalls

Die US-Weltraumbehörde hatte 2011 ihr eigenes Shuttleprogramm nach drei Jahrzehnten eingestellt und nutzt seither die russischen Sojus-Raumschiffe. Statt selbst neue Raumtransporter zu entwickeln, wurde vor einigen Jahren beschlossen, Privatunternehmen damit zu beauftragen: Boeing sowie Space X erhielten Milliardenbeträge, um neue Raumschiffe zu entwickeln. Space X absolvierte im März 2019 mit seiner Raumfähre Crew Dragon einen erfolgreichen Testflug zur ISS – im April ging dann aber ein Triebwerkstest schief, ein (unbemanntes) Raumschiff explodierte. Nach heutigem Stand soll der erste astronautische Flug einer Crew Dragon im Mai 2020 stattfinden. (David Rennert, 9.3.2020)