Russland und Saudi-Arabien sind einander in der Frage der Ölfördermenge nähergekommen.

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Russland und Saudi-Arabien haben ihre Uneinigkeiten über die Ölfördermenge, die vor rund drei Wochen zu einem massiven Einbruch des Ölpreises geführt hatten, beigelegt. Das sagte am Donnerstagabend der Chef des russischen Staatsfonds, Kirill Dmitriew, der auch einer der wichtigsten russischen Ölförder-Verhandler ist. Dabei gehe es um eine Einigung auf eine Begrenzung der Ölfördermenge, über die die Staaten der Opec+ am Donnerstag berieten. Zur Opec+ gehören neben den Opec-Staaten auch weitere Ölförderländer wie etwa Russland. Später wurde eine Einigung auch in einem Statement der Staatengruppe bestätigt.

Die Opec und seine Kooperationspartner mit Ausnahme von Mexiko vereinbarten eine Kürzung der Tagesproduktion um zehn Millionen Barrel (je 159 Liter), wie die Opec Freitagfrüh nach einer langen Videokonferenz in der Nacht mitteilte. Das entspricht rund zehn Prozent der weltweiten Produktion. Danach solle die tägliche Fördermenge bis Ende April 2022 schrittweise angepasst werden. Die Einigung hänge aber noch von der Zustimmung Mexikos ab, hieß es.

Telefonkonferenz am Freitag

Am Freitag soll zudem eine Telefonkonferenz der G20-Energieminister stattfinden, bei der der Ölmarkt ebenfalls eine Rolle spielen dürfte. Experten gehen davon aus, dass die OPEC+ dort Unterstützer suchen wird, die ihre Produktion dann ebenfalls kürzen könnten. Vor allem ein Beitrag der USA dürfte der OPEC+ wichtig sein. Ob die 23 Staaten zuvor in ihrer eigenen Runde weiter diskutieren werden, war unklar.

Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, er habe im Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland vermittelt. Nun "erwarte und hoffe" er, dass die beiden Konfliktparteien ihre Ölförderung um zehn oder gar 15 Millionen Barrel pro Tag reduzieren. Alle drei Staaten pumpen derzeit täglich jeweils etwa zwölf Millionen Barrel aus dem Boden. Trump steht allerdings auf dem Standpunkt, dass viele US-Firmen ihre Produktion wegen der gefallenen Preise bereits stark zurückgefahren hätten. Eine verordnete Drosselung sei daher nicht notwendig.

Ölpreise

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag in Erwartung einer Einigung im späten europäischen Handel mit deutlichen Zuwächsen gezeigt. Gegen 17 Uhr kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit 27,25 Dollar um 8,6 Prozent mehr als am Vortag. Die Nordseesorte Brent wurde mit 35,44 Dollar pro Fass gehandelt. Auch die norwegische Krone, die stark vom Ölpreis abhängig ist, legte deutlich zu.

Russlands Präsident Wladimir Putin will jedenfalls neue Gespräche über Ölpreise führen. Dies habe das Staatsoberhaupt nach Telefonaten mit Trump und den politischen Spitzen in Saudi-Arabien am Freitag angekündigt, berichtete die russische Nachrichtenagentur TASS. Vereinbart wurde nach Angaben der OPEC auch eine weitere Telefonkonferenz am 10. Juni, bei der über "weitere Maßnahmen" zur Stabilisierung des Ölpreises beraten werden soll. (red, APA, Reuters, 10.4.2020)