Fliegen dürfte in naher Zukunft etwas gruselig werden.

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Wien – Tel Aviv, Athen, Dortmund, Kiew, Mailand, Larnaka, Lissabon, Oslo, Valencia: Geht es nach der ungarischen Billigairline Wizzair, können Passagiere ab 1. Mai in Wien wieder abheben, Stand Freitag. Die Kabinen-Crew mit Masken im Gesicht, Handschuhen und Schutzkleidung, die Passagiere mit Abstand zueinander und erhöhter Hygiene wie etwa Desinfektionstüchern, die an die Fluggäste verteilt würden.

Hat Wizz schon bisher darauf gesetzt, die Kunden (aus Kostengründen) dazu zu erziehen, Gepäckaufgabe und Check-in möglichst online zu erledigen, soll dies noch stärker forciert werden. Laut Wizz-Manager Stephen Jones sollen Coronavirus-Pandemie und Reisebeschränkungen zum Trotz rund 20 Destinationen in ganz Europa angesteuert werden, wie er am Freitag in einer Videokonferenz mit Journalisten in Wien sagt. Wenn auch anfangs nur zwei-, dreimal pro Woche.

Fliegen um jeden Preis

Falls man im Mai dann angesichts der derzeit noch aufrechten Einreise- und Landeverbote in etlichen Ländern in Europa doch nicht abheben dürfe, werde man es lassen. Der Verdrängungswettbewerb in der Luft wird wohl mit noch härteren Bandagen gefochten. Angesprochen auf die Ansage von Ryanair-Chef Michael O'Leary, der bereits angekündigt hatte, mit noch niedrigeren Ticketpreisen – ob 9,99 Euro oder 99 Cent, das sei schon fast egal – um jeden Kunden zu keilen, geht auch Jones davon aus, dass die Ticketpreise noch niedriger werden.

Ob sich das dann für Airlines lohnen kann, ist derzeit für die meisten Marktteilnehmer die falsche Frage. O'Leary hat klargemacht, dass es in einer Phase des Hochfahrens nicht ums Geldverdienen gehen könne. Wie die gesetzlichen Auflagen für das Fliegen in Zeiten des Hochfahrens des Flugbetriebs aussehen werden, ist noch offen. Wizzair-Manager Jones geht zumindest derzeit nicht davon aus, dass der Mittelsitz gesperrt wird. "Das wäre ein Verlust von einem Drittel des Umsatzes", so Jones. In Zeiten wie diesen sei dies keine gute Option. Außerdem müsste dann auch jede zweite Sitzreihe frei bleiben. Das würde die Auslastung reduzieren und zu weniger Flügen und höheren Preisen führen. Als Schutz vor Ansteckungen sollen stattdessen alle Sitze und Flächen im Flugzeug jede Nacht desinfiziert werden.

Um sich Ausgleichszahlungen für entfallene Flüge möglichst zu ersparen will Wizzair die Passagiere auf seine Art bei der Stange halten. Während Kunden automatisiert 120 Prozent des Flugpreises als "Wizz-Gutschrift" auf ihr Konto gebucht bekamen, dauert die Rückerstattung bei den krisenbedingt abgesagten Flügen länger.

Drastische Kostenreduktion

Drastische Kostenreduktion, Abbau von Jobs, niedrige Erwartungen in naher Zukunft, all das treffe alle Airlines gleichermaßen, so Jones. Während die angedachten Sparpläne bei der AUA für heftige Aufregung gesorgt haben und Ryanair Laudamotion in Wien wieder unverhohlen und lautstark droht – neuer Kollektivvertrag oder die Airbus-Basis in Wien werde geschlossen –, spielen sich die Kürzungen bei Wizzair (hierzulande arbeiten die Mitarbeiter nicht unter einem Kollektivvertrag, Anm.) eher im Hintergrund ab. Die Gehälter wurden auch hier gekappt. Beim Topmanagement ebenso wie bei den Piloten und beim Kabinenpersonal, wie Jones einräumt. Wobei die Piloten mit Einbußen von mehr als 15 Prozent am stärksten betroffen seien, beim Kabinenpersonal sei zumindest das Basisgehalt unangetastet geblieben, was dennoch zu erheblichen Einbußen führen dürfte, hängt deren Einkommen doch stark davon ab, wie viel sie fliegen.

Überleben in der Krise

Einmal mehr machte Jones klar, dass Wizz mit seiner niedrigen Kostenstruktur gedenke, zu den Gewinnern zu gehören. Wie lange ein Fluglinie überlebe, hänge unter anderem von der Geldverbrennungsrate ab und davon, wie viel Geld noch bei der Bank liegt. Wizz sei diesbezüglich gut in Form. Von Staatshilfen für Airlines hält auch Wizz wenig, handle es sich doch um die Rettung "für schlecht geführte Airlines", sagt Jones. "Wir haben keine Regierung, zu der wir gehen könnten."

Wizzair hat das Flugprogramm für ganz Europa derzeit auf fünf Prozent reduziert. Neben Wien sollen am 1. Mai auch die Basen in London-Luton und Timisoara wieder aufmachen. Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber geht indes nicht davon aus, dass Lauda im Mai fliegen wird. (Regina Bruckner, 24.4.2020)