Die Produktion von Schweinefleisch nahm zuletzt leicht ab. Dafür werden weltweit immer mehr Hühner geschlachtet.

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Die Debatte über den hohen Fleischkonsum reißt seit Jahren nicht ab, das Thema polarisiert: Tierschützer rufen zum Verzicht auf, Klimaforscher warnen vor dem Treibhausgaseffekt, Gewerkschafter kritisieren die Arbeitsbedingungen in der Branche, und Landwirte befürchten Umsatzeinbußen durch Mega-Handelsabkommen. Von dem Gezerre um das Tierische weitgehend unbeeindruckt waren – zumindest global gesehen – bisher die Konsumenten. Seit Jahrzehnten steigen Fleischproduktion und -konsum an. Nun könnte eine Trendwende in Sicht sein. Im Vorjahr ist die weltweite Produktion erstmals seit mehr als 30 Jahren gesunken. Die Corona-Krise dürfte den Effekt heuer verstärken.

Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hervorgeht, ist die Fleischproduktion 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Prozent zurückgegangen. Die Experten der UN-Organisation schätzen, dass heuer ein weiteres Minus von 1,7 Prozent das jahrzehntelange Rennen nach oben weiter bremsen wird. Insgesamt werden heuer weltweit 333 Millionen Tonnen Fleisch produziert werden, schätzt die FAO.

Corona hat nicht nur die Spielregeln an der Frischwarentheke verändert, auch der Fleischkonsum dürfte sinken.
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Der Rückgang ist allerdings nicht auf das plötzliche Umdenken der Konsumenten in Sachen Klima und Tierschutz zurückzuführen, sondern in erster Linie auf externe Effekte. So haben etwa Tierseuchen und Dürre zu einem Rückgang der Produktion geführt, schreibt die UN-Organisation.

Corona setzt Fleischmarkt zu

Heuer machte Corona den Fleischproduzenten einen Strich durch die Rechnung. Durch die Covid-Maßnahmen kam es zu Einbrüchen des globalen Fleischhandels. Die FAO spricht von "logistischen Flaschenhälsen". Der internationale Warenverkehr kam teilweise zum Erliegen – und somit reiste auch weniger Fleisch um die Welt.

Auch der Wegfall von Abnehmern aus Gastronomie und Tourismus war ein herber Schlag für die Branche: In vielen Ländern waren Restaurants und Kantinen wochenlang geschlossen. Nicht zuletzt kam es aufgrund von Kurzarbeit und Einreiseverboten zu Engpässen in der Schlachtung und Verarbeitung.

Die Covid-Pandemie hat massive Auswirkungen auf die Fleischindustrie.
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Hinzu kommen die Effekte der Wirtschaftskrise, die noch länger anhalten dürften: In Ländern wie Brasilien, wo traditionell viel Fleisch gegessen wird, soll der Konsum von Rindfleisch heuer um rund zehn Prozent einbrechen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. In dem südamerikanischen Land haben seit Ausbruch der Krise Millionen Menschen ihre Jobs verloren. Sie greifen nun vermehrt zum wesentlich günstigeren Henderl.

Aber nicht nur in Lateinamerika landen seltener Steaks auf dem Teller: Die Rindfleischproduktion ist jener Sektor, der laut FAO zuletzt am stärksten geschrumpft ist. In den 1960er-Jahren machte Rind noch knapp 40 Prozent des Fleischkonsums aus, mittlerweile liegt der Anteil bei unter 20 Prozent. Der Verzehr von Schweinefleisch ist über die vergangenen Jahrzehnte leicht gestiegen, zuletzt entwickelte sich die Produktion allerdings rückläufig. Geflügel wird unterdessen immer beliebter: Die Produktion ist allein in den vergangenen zwei Jahren um knapp 7,5 Prozent gewachsen.

Rückgang auch in Österreich

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch in Österreich ab, heißt es bei der Agrarmarkt Austria (AMA): Laut Sprecher Harald Waitschacher wurde hierzulande in letzter Zeit verstärkt Hühnerfleisch gekauft, aber auch Faschiertes. Deren Zubereitung sei schnell und unkompliziert, begründet man diese Entwicklung bei der AMA.

Auch in Österreich sanken die Schlachtungen von Schweinen und Rindern im Vorjahr um rund zwei Prozent. Bei Hühnern sind sie hingegen um knapp sechs Prozent gestiegen. Im heurigen Jahr sei bisher eine ähnliche Entwicklung zu erkennen, heißt es bei der AMA. Insgesamt wurden laut Statistik Austria im Vorjahr österreichweit rund 625.000 Rinder, 55.100 Kälber, 342.000 Schafe, 53.800 Ziegen, fünf Millionen Schweine und 90,7 Millionen Hühner geschlachtet. Hinzu kommen einige Pferde, Fohlen und andere Einhufer.

Aus einer Klimaperspektive ist zumindest der Rückgang beim Rinderkonsum begrüßenswert: Für ein Kilo Rind werden rund dreimal so viel Treibhausgase ausgestoßen wie für die gleiche Menge Geflügel.

Ob der Gipfel des Fleischberges nun tatsächlich erreicht wurde, wird sich erst zeigen. Der Gusto nach Fleisch dürfte aber offenbar langsam sinken. (Nora Laufer, 13.8.2020)