Foto: Getty Images / Ani Akkus

Pro
von Thorben Pollerhof

Zwei Äpfel am Tag, das ist meine Devise, sicher ist sicher. Die hat mich schon seit längerer Zeit vor einem Arztbesuch bewahrt. Ob das nun an den Erdäpfeln ohne Erd liegt, keine Ahnung.

Ehrlich gesagt geht es mir beim Apfel nicht so sehr um den Geschmack oder die Konsistenz, auch nicht um seine vermeintliche Fähigkeit, uns allen ewiges Leben zu schenken – sondern um Erinnerungen.

Ich habe bildlich vor mir, wie mein Opa sich einen kleinen Apfel vom Baum in der Ecke unseres Gartens nimmt, im Gehen mit seinem Taschenmesser eine Spalte herausschneidet und sie, eingeklemmt zwischen Daumen und Klinge, sich in den Mund schiebt.

So elegant habe ich noch nie jemanden einen Apfel filetieren gesehen, bis heute nicht. Ich arbeite dran, aber ich habe noch keinen mit meinen Apfelschnitt-Künsten beeindrucken können.

Was nicht ist, kann ja noch werden. Und die Kollegen freuen sich sowieso über jede Vitaminzufuhr, die sie kriegen können.

Kontra
von Birgit Riegler

So ein Apfel hat es ja in sich. Da stecken nicht nur viele Vitamine drinnen, sondern auch ganze Weltanschauungen. Das wussten schon Adam und Sir Isaac Newton. Ob man sich dem Thema nun religiös oder naturwissenschaftlich nähert – der Apfelzentrismus ist ein überholtes Weltbild. Natürlich, die Frucht ist vielfältig an Art und Zubereitungsmöglichkeiten – bio und regional obendrein. Aber die Fixiertheit auf den Apfel lässt uns auf anderes Obst, das ebensolche Qualitäten aufweist, vergessen.

Da wären etwa die lieblichen Mirabellen: gut für Marmelade, Kuchen oder Brände. Oder der Sanddorn, dessen Beeren sich mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt in der kalten Jahreszeit als Saft empfehlen.

Und nicht zu vergessen die unterschätzten Mispeln. Deren Besonderheit darin liegt, dass sie nach einem Frost weich und süß werden. Diversität tut auch auf dem Obstteller gut. Und Newton hätte sicher auch mit einem fallenden Kriecherl das Gravitationsgesetz formulieren können. (RONDO, 13.10.2020)