Es kann dauern, und Rehabilitation hilft: Auch nach einer schweren Covid-Erkrankung erholen sich die Lungen wieder, zeigen Studien aus Innsbruck.

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In letzten Wochen sorgten immer wieder Medienberichte über die Langzeitfolgen von Covid-19 für Beunruhigung. Mediziner berichteten von Patienten, die noch Wochen oder sogar Monate nach dem Ende der Infektion unter Atemnot und eingeschränkter Fitness litten. Ob sich solche Langzeitbeschwerden mit der Zeit wieder zurückbilden oder fortbestehen, konnten Ärzte bislang nicht sagen.

Sars-CoV-2 erschien ja erst Ende 2019 auf der Bildfläche. Langzeitergebnisse sind daher selbstverständlich noch nicht zu erwarten. Doch kürzlich präsentierten Forscher der Med-Uni Innsbruck auf dem European Respiratory Society International Congress die bisherigen Zwischenergebnisse einer Langzeitstudie. Und die stimmen deutlich optimistischer.

Die Langzeitstudie

Forscher um den Mediziner Thomas Sonnweber hatten hospitalisierte Patienten sechs, zwölf und 24 Wochen nach ihrer Krankenhausentlassung untersucht. Die 86 Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 61 Jahre alt und vor ihrer Entlassung an der Uniklinik Innsbruck, im Krankenhaus Zams und im Reha-Zentrum Münster in klinisch-therapeutischer Behandlung. 40 Prozent der Probanden musste auf der Intensivstation behandelt oder künstlich beatmet werden.

Bei den Besuchen der ehemaligen Patienten an der Med-Uni Innsbruck führten die Ärzte zahlreiche Tests durch. Unter anderem nahmen Sonnweber und seine Kollegen per Computertomografie die Lunge in Augenschein. Mit Standardtests stellten sie die Lungenfunktion auf die Probe, etwa die Atemfähigkeit und Diffusionskapazität. Letzteres ist ein Maß dafür, wie gut Sauerstoff aus der Luft ins Blut geleitet wird. Außerdem nahmen sie unter die Lupe, inwieweit das Coronavirus die Herztätigkeit dauerhaft beeinträchtigte.

Kurzatmigkeit wird besser

Ein Teil der hospitalisierten Covid-19-Patienten zeigten auch sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus anhaltende körperliche Beeinträchtigungen. An erster Stelle lag mit knapp 50 Prozent die Kurzatmigkeit bei Belastung. 15 Prozent der Betroffenen klagten über andauernden Husten. Nach zwölf Wochen hatten nur noch knapp 40 Prozent mit Atemnot zu kämpfen. Der hartnäckige Husten hatte aber immer noch unverändert viele Patienten im Griff. Die Ergebnisse für 24 Wochen nach der Entlassung stehen noch aus.

Auch die Befunde zu den Lungenschäden nach sechs Wochen fielen zunächst ernüchternd aus. "Wir haben bei einem Großteil unserer Patienten sogenannte Milchglasverschattungen der Lunge gefunden", sagt Sonnweber. Sie seien als Verschattungen auf den Computertomografie-Bildern erkennbar. "Diese Schatten entstehen bei Covid-19-Erkrankten meist durch Entzündung oder Flüssigkeitsaustritt aus Gefäßen." Bei ihrem ersten Besuch zeigten 88 Prozent solche Milchglasverschattungen. Doch die Befunde vom zweiten Besuch stimmen die Forscher deutlich optimistischer. "Wir konnten zwölf Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Vergleich zu sechs Wochen beobachten, dass die Lungenveränderungen deutlich rückläufig waren", so Sonnweber. "Nur noch rund 50 Prozent zeigten solche Auffälligkeiten der Lunge."

Insgesamt positiv

Verbesserungen der Lungenfunktion stimmen ebenfalls optimistisch. Nach sechs Wochen hatte noch mehr als ein Drittel der Patienten eine krankhaft eingeschränkte Lungenfunktion, bei der zweiten Visite nur noch ungefähr 20 Prozent. Sonnweber zieht insgesamt ein positives Fazit: "Nach dem derzeitigen Stand nach zwölf Wochen sehen wir insgesamt eine sehr gute Regeneration." Es gebe derzeit keine Hinweise auf eine fortschreitende Lungenerkrankung. "Wir haben zudem die Herzfunktion untersucht." Nach sechs Wochen hatten die Ärzte noch bei einem kleinen Teil der Patienten Flüssigkeitsansammlungen zwischen Herzbeutel und Herzmuskel gefunden. "Und auch die haben sich weitgehend zurückgebildet."

Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen den Innsbrucker Forschern zufolge, wie wichtig die Einführung einer strukturierten Nachsorge für Patienten mit schwerer Covid-19-Infektion ist. Eine zentrale Erkenntnis beim Thema Nachsorge ist dabei: Die Computertomografie deckte bei dieser Patientengruppe Lungenschäden auf, die durch Lungenfunktionstests nicht erkannt wurden. Wenn man nun weiß, wie die Patienten langfristig vom Coronavirus betroffen sind, könnten die Symptome und Lungenschäden viel früher behandelt werden.

Rehabilitation wirkt

Wichtig sind aus Sicht der Innsbrucker Forscher auch frühzeitige Reha-Maßnahmen. "Wir haben einen Teil der Patienten einer Rehabilitation mit einem gezielten Lungenfunktions- und Muskeltraining zugewiesen", so Sonnweber. "Diese Patienten haben innerhalb von drei Wochen große Fortschritte gemacht." So haben sich Symptome wie Atemnot deutlich gebessert. Die Patienten zeigten eine deutliche Steigerung ihrer Mobilität, und Einschränkungen bei Verrichtung ihrer Alltagstätigkeiten gingen zurück. "Somit könnte eine frühzeitige Rehabilitation eine effektive Maßnahme zur Unterstützung des Heilungsprozesses nach schwerer Covid-19-Erkrankung darstellen." (Christian Wolf, 24.9.2020)