Die Venusfliegenfalle ist der Celebrity unter den fleischfressenden Pflanzen.
Foto: REUTERS/Luisa Gonzalez

München – Ist von fleischfressenden Pflanzen die Rede, denkt man automatisch an die Venusfliegenfalle. Die kleine Sumpfbewohnerin mit ihren spektakulären Fangblättern, die an ein weit geöffnetes, zähnestarrendes Maul erinnern, sorgte bereits kurz nach ihrer Erstbeschreibung 1768 für Furore. Schnell fand sie als Topfpflanze Eingang in diverse Gewächshäuser. Zur regelrechten Ikone unter den fleischfressenden Pflanzen wurde sie jedoch erst durch Roger Cormans 60er-Jahre-Hit "Little Shop of Horrors", einen der erfolgreichsten B-Movies aller Zeiten.

Der angestammter Lebensraum der Vensufliegenfalle (Dionaea muscipula) befindet sich dort, wo andere Pflanzen kaum ihr Auslangen finden und sie sich praktisch konkurrenzlos ausbreiten kann: In den Pocosin-Mooren der amerikanischen Bundesstaaten North und South Carolina. Die nährstoffarmen Sümpfe der US-Ostküste zwangen die Venusfliegenfalle dazu, das knappe Angebot durch tierische Kost zu ergänzen.

15 Arten in Mitteleuropa

Auch bei uns findet man einige fleischfressende Pflanzenarten, darunter den klebrigen Sonnentau, Fettkräuter und einige Wasserschlaucharten. In Mitteleuropa kennt man insgesamt rund 15 Arten, die meisten davon – vor allem jene, die in Mooren leben – sind durch den Verlust ihres Lebensraumes und durch Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft erheblich in ihrer Existenz gefährdet.

Dieses Schicksal teilen sie mit einem Großteil der Spezies fleischfressender Pflanzen rund um den Globus: Aktuell ist ein Viertel aller fleischfressenden Pflanzen vom Aussterben bedroht, wie ein Team von Forschern aus Australien, Brasilien und Deutschland nun in der Fachzeitschrift "Global Ecology and Conservation" berichtet. Die Wissenschafter haben den Rote-Liste-Naturschutzstatus und die Bedrohungen für alle bekannten 860 Arten von fleischfressenden Pflanzen ermittelt.

Geht es um exotisches Aussehen, steht der Sonnentau der Venusfliegenfalle in nichts nach. Die im australischen Bundesstaat Western Australia vorkommende Spezies Drosera derbyensis gleicht nicht nur auf den ersten Blick einer Seeanemone.
Foto: Noah Elhardt

Verwundbar durch spezielle Bedürfnisse

Alle fleischfressenden Pflanzen sind auf ganz spezielle Umweltbedingungen angewiesen, was sie besonders empfindlich macht für menschliche Einflüsse, wie Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Global gesehen stellen den Forschern zufolge Flächenverbrauch durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und Bauvorhaben die größte Bedrohung dar. Da fleischfressende Pflanzen auf saubere und zumeist nasse Standorte angewiesen sind, machen ihnen zudem ausgeprägte Hitze- und Dürreperioden zu schaffen.

"Fleischfressende Pflanzen können nur auf nährstoffarmen Böden wachsen", sagte der Botaniker Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München. "Ein Problem ist die flächenweite Überdüngung der Landschaft mit Stickstoff aus der Luft, wie er aus Stäuben von Industrie, Verkehr und Landwirtschaft stammt", sagte Fleischmann.

Tropen besonders betroffen

"Nach Ländern geordnet finden sich heute die meisten vom Aussterben bedrohten fleischfressenden Pflanzen in Brasilien, gefolgt von Indonesien, den Philippinen, Kuba, Thailand und Australien", sagte der ebenfalls an der Studie beteiligte Wissenschafter Adam Cross von der Curtin Universität in Westaustralien. Diese Länder trügen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der globalen Artenvielfalt dieser Pflanzen. Meist handle es sich um Arten, die nur in einem kleinen Gebiet in den jeweiligen Ländern vorkämen. (red, APA, 27.9.2020)