Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sieht sich durch Äußerungen des Rechtspopulisten Geert Wilders beleidigt.

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In zahlreichen muslimischen Ländern ist die Empörumg über Emmanuel Macron groß: Corona-Abstandshilfen im libyschen Tripoli,

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Macron als Kettenhund im syrischen Aleppo,

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Demonstranten im pakistanischen Quetta,

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und das heutige Titelblatt der iranischen Zeitung "Vatan-e Emrooz".

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Ankara / Den Haag – Der türkische Präsident Tayyip Erdoğan hat Strafanzeige gegen den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders gestellt. Grund seien beleidigende Äußerungen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag. Wilders habe Ausdrücke benutzt, die Erdoğans "Ehre, Würde und Ansehen" beleidigen und seine Persönlichkeit und dessen Ruf angriffen. Die niederländische Regierung kritisierte die Anzeige scharf.

Wilders hatte auf Twitter unter anderem eine Karikatur geteilt, die den türkischen Präsidenten mit einer Kopfbedeckung in Form einer Bombe zeigt. Darüber hatte er "Terrorist" geschrieben. Auch auf die Strafanzeige reagierte Wilders via Twitter und nannte Erdoğan einen "Loser" (Verlierer).

Erdoğan kritisiert Macron heftig

Der niederländische Premierminister Mark Rutte nannte Erdoğans Reaktion unakzeptabel: "In den Niederlanden betrachten wir die Meinungsfreiheit als das höchste Gut und dazu gehören auch Karikaturen von Politikern."

Bereits am Wochenende hatte Erdoğan den niederländischen Rechtspopulisten für seinen Tweet kritisiert, jedoch ohne dessen Namen zu nennen. Erdoğan sprach von einem holländischen "Zerrbild eines Abgeordneten" und warnte: "Kenne Deine Grenzen!"

Erdoğan selbst ist alles andere als zurückhaltend, wenn er andere kritisiert. So nannte er am Montag europäische Staats- und Regierungschefs "im wahren Sinne Faschisten" und "Kettenglieder des Nationalsozialismus". Im Streit um die Mohammed-Karikaturen warf er Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Islamfeindschaft vor und riet ihm, seinen "Geisteszustand untersuchen" zu lassen.

Auch Saudi-Arabien und der Iran kritisierten wie zuvor andere muslimisch geprägte Länder Frankreich wegen des Umgangs mit Karikaturen des Religionsgründers und Propheten Mohammed.

Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hebt eine Karikatur des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan auf die Titelseite ihrer neuen Ausgabe. Die Zeichnung hat laut einer Twittermitteilung vom Dienstag den Titel "Erdogan – privat ist er sehr lustig" und zeigt den Präsidenten in einem Sessel sitzend, während er einer Frau den Schleier lüftet. Die neue "Charlie-Hebdo"-Ausgabe wird am Mittwoch erscheinen.

Frankreich warnt Reisende

Die französische Regierung warnt ihre Bürger im muslimischen Ausland vor möglichen Angriffen. Das Außenministerium gab am Dienstag Sicherheitshinweise für Indonesien, Bangladesch, Mauretanien, den Irak und die Türkei bekannt. Die Franzosen sollten sich von Protesten gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen fernhalten und öffentliche Versammlungen meiden. (APA, 27.10.2020)