Diese Aufnahme aus dem Frühling zeigt zwölf minderjährige Geflüchtete bei ihrer Abreise nach Luxemburg.

Foto: AP / Orestis Panagioutou

Wien – Zwölf EU-Länder, nämlich Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Irland, Finnland, Portugal, Bulgarien, Litauen, Slowenien und Kroatien, haben sich seit Anfang März bereit erklärt, insgesamt 1.537 unbegleitete Minderjährige aus den überfüllten griechischen Lagern aufzunehmen. Bisher wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) jedoch erst 553 minderjährige Asylwerber aus Griechenland umgesiedelt.

Weit geringere Aufnahme als geplant

Laut einem informellen Bericht der EU-Kommission Mitte November wollen Frankreich und Portugal insgesamt je 500 unbegleitete Minderjährige aufnehmen, dahinter folgen Deutschland (203), Finnland (111), Bulgarien (70), die Niederlande (50), Irland (36), Belgien (30), Luxemburg (16), Kroatien (12), Litauen (5) und Slowenien (4).

Die tatsächlich erfolgte Aufnahme ist jedoch laut IOM weitaus geringer. So nahm Deutschland seit März bis Freitag mit 211 Personen bisher am meisten unbegleitete Minderjährige auf, vor Frankreich (131), sowie Finnland und Portugal (je 72). Dahinter folgen Belgien (29), Bulgarien (17), Luxemburg (12), Irland (8) und Litauen (1). In die Niederlande, sowie nach Slowenien und Kroatien wurde bisher noch kein unbegleiteter Minderjährige aus Griechenland umgesiedelt.

Österreich beteiligt sich nicht

Österreich beteiligt sich wie 14 weitere EU-Staaten nicht an der Aktion. Während die Grünen für eine Aufnahme Geflüchteter plädierten, lehnt dies der große Koalitionspartner ÖVP weiter strikt ab und will auf Hilfe vor Ort setzen. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) erklärte am Freitag, dass Österreich heuer bereits über 500 Minderjährigen Schutz gewährt hätte. Am Samstag kündigten Nehammer und Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) schließlich an, gemeinsam mit SOS Kinderdorf eine Tagesbetreuungsstätte für rund 500 Kinder auf der griechischen Insel Lesbos errichten zu wollen.

Zuvor hatte sich Justizministerin Alma Zadic (Grüne) für die Aufnahme aus den Lagern in Griechenland ausgesprochen. Auch Kardinal Christoph Schönborn sowie prominente ÖVP-Repräsentanten in Tirol plädierten für eine Aufnahme von Menschen aus griechischen Flüchtlingslagern. (APA, 20.12.2020)