Die Motivationslage für ein Apple-Auto ist klar: Tim Cook will neue Einnahmequellen für sein Unternehmen erschließen.

Foto: Richard Drew / AP

Es ist ein Gerücht, das seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit hochschwappt: Apple arbeite im Geheimen an einem eigenen selbstfahrenden Auto. Bereits im Februar 2015 tauchten erste Berichte über das "Project Titan" genannte Unterfangen auf, Hoffnungen auf eine Fertigstellung in absehbarer Zeit sollten sich aber nicht bewahrheiten. Nun soll es aber ernst werden – zumindest wenn man einem aktuellen Bericht Glauben schenkt.

Ausblick

Apple visiere das Jahre 2024 für den Produktionsstart seiner ersten eigenen – und natürlich selbstfahrenden – Autos an, will die Nachrichtenagentur Reuters in Erfahrung gebracht haben. Doch damit nicht genug, soll dieses auch noch mit einer "revolutionären" Akkutechnologie ausgestattet sein. Diese soll dank der Verwendung von Lithiumeisenphosphat sowohl günstiger zu produzieren sein als auch länger durchhalten – also eine größere Reichweite erlauben. Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht, so hat etwa Tesla bereits angedeutet, dass man selbst schon bald auf eine ähnliche Chemie bei seinen Akkus wechseln könnte.

Doch Apple will offenbar auch noch den Aufbau der Akkus verändern, um die einzelnen Zellen zusammenzuführen und so Platz zu sparen – wodurch natürlich eine höhere Ladungsdichte ermöglicht wird. Eine der anonymen Reuters-Quellen zeigt sich jedenfalls davon überzeugt, dass der Apple-Akku einen großen Durchbruch darstellt: Dieser würde alles ändern, ähnlich wie damals das erste iPhone, lautet das vollmundige Versprechen.

Selbstfahrend

Das zweite Highlight des Apple-Autos soll das selbstfahrende System werden. Dass Apple an einem solchen arbeitet, ist dabei schon länger belegt. Bereits 2017 hatte das Unternehmen offiziell in Kalifornien um eine Genehmigung für Tests mit autonom fahrenden Autos angesucht.

Zeitrahmen nicht wirklich fix

Trotzdem ist der aktuelle Bericht mit etwas Vorsicht zu genießen, immerhin ist 2024 noch recht weit weg. Bis dahin könnten sich die Pläne von Apple durchaus wieder ändern. Und auch die anonymen Quellen von Reuters selbst warnen davor, den Zeitrahmen als fix anzunehmen, die Pandemie und ihre Auswirkungen könnte zu einer Verschiebung nach hinten führen – bis 2025 oder gar noch später.

Wie schnell sich hier etwas ändern könnte, zeigt auch die wechselvolle Geschichte des Projekts selbst. Einst äußerst ambitioniert gestartet, sollen zunächst mehr also 1.800 Ingenieure an dem Projekt gearbeitet habe, bevor sich Apple gegen Ende 2016 zu einer strategische Neuausrichtung entschloss und den Fokus auf die Softwareseite – also das selbstfahrende System – verschob. Hinter den Kulissen soll aber mittlerweile eine weitere Volte vollzogen worden sein, sodass es jetzt wieder um ein komplettes Auto geht.

Technologie

Eine durchaus interessante Frage könnte auch sein, wo sich Apple das nötige Know-how holt und wie viel Technologie man zukauft. So war vor einiger Zeit noch zu hören, dass man LIDAR-Sensoren zur räumlichen Erfassung der Umgebung von Drittanbietern kaufen wolle. Mittlerweile investiert Apple aber rund um iPhone und iPad selbst in verwandte Technologien, auch diese Sensoren könnten also von Apple selbst gebaut werden. Unklar bleibt auch, wer so ein Auto dann schlussendlich fertigen soll. Angeblich habe es dafür Gespräche mit der austro-kanadischen Firma Magna gegeben, die aber laut Reuters zu nichts geführt haben sollen.

Sinnfrage

Angesichts des Umstands, dass mit der Produktion eines Autos noch viele andere Logistikprobleme auf Apple zukommen – von der Massenproduktion bis zu einem Reparaturnetzwerk –, fragen sich allerdings selbst Apple-Investoren, ob ein solcher Schritt wirklich sinnvoll wäre. So betont etwa Trip Miller von Gullane Capital Partners, dass es für Apple ziemlich schwer sein könnte, Autos in großer Zahl zu produzieren – und das ist notwendig, um nur halbwegs profitabel agieren zu können. Sinnvoller wäre aus seiner Sicht insofern die Partnerschaft mit einem alteingesessenen Hersteller, in der Apple Software und eigene Technologie beiträgt. Dies ist allerdings ein Modell, das Apple sonst üblicherweise meidet. (apo, 22.12.2020)