Wer Muscheln isst, nimmt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Mikroplastik zu sich.
Foto: AP/Daniel J. van Ackere

Auf den höchsten Gipfeln, in den tiefsten Meeresgräben, an den Polen und sogar in unseren Körpern ist es mittlerweile in größeren Mengen angehäuft: Mikroplastik hat sich zu einem globalen Problem entwickelt. Welche gesundheitlichen Folgen die winzigen Kunststoffteilchen haben können, ist noch weitgehend ungeklärt. Klar ist dagegen, dass wir sie täglich über die Atemluft, die Nahrung und Flüssigkeiten zu uns nehmen, und zwar nicht zu knapp. Bis zu fünf Gramm Mikroplastik nimmt der Mensch pro Woche auf, das entspricht dem Gewicht einer herkömmlichen Scheckkarte.

Nordatlantik und Südpazifik

Dass bei der Nahrung Meeresfrüchte als Mikroplastikquelle eine besonders große Rolle spielen, weiß man schon länger. Dieser Befund konnte durch eine aktuelle Studie im Fachjournal "Environmental Pollution" untermauert werden: Wissenschafter der Universität Bayreuth haben nun in häufig konsumierten Muscheln Mikroplastik nachgewiesen. In allen untersuchten Muschelproben seien die kleinen Kunststoffteilchen gefunden worden, teilte Martin Löder von der Bayreuther Uni im deutschen Bundesland Bayern mit. Muschelproben aus dem Nordatlantik und dem Südpazifik seien am stärksten belastet gewesen.

Hintergrund der Ergebnisse ist, dass Unmengen an Plastikmüll im Meer landen und Muscheln filtern das Wasser und nehmen damit auch die winzigen Kunststoffteilchen auf. Die Forscher untersuchten nach eigenen Angaben in zwölf Ländern die Belastung der europäischen Miesmuschel, der Grünschalmuschel, der gewellten Teppichmuschel und der pazifischen Venusmuschel.

Neun unterschiedliche Kunststoffarten

Alle 45 Muscheln seien in Lebensmittelgeschäften eingekauft worden. Sie stammen aus Aquakulturen und aus Wildfängen aus der Nordsee, dem Mittelmeer, dem Atlantik, dem Südpazifik, dem Südchinesischen Meer und dem Golf von Thailand.

Im Rahmen der Forschung von 2014 bis 2018 wies das Team neun unterschiedliche Kunststoffsorten nach. Ein Gramm Muschelfleisch enthielt laut der Studie zwischen 0,13 und 2,45 Mikroplastik-Partikel. Die meisten Kunststoffteilchen seien winzig klein – ab 0,003 Millimeter – , einige erreichten mit fünf Millimetern Durchmesser jedoch auch beachtliche Größen.

"Im Moment können wir nicht sagen, ob der Verzehr von Mikroplastik belasteten Muscheln gesundheitsschädlich ist", betonte Löder. Mit der generellen Thematik setze sich bald ein EU-Projekt auseinander, an dem die Universität mit ihrer Studie beteiligt sei. (red, APA, 5.1.2021)