Die Corona-Krise macht das Sammeln von Berufserfahrung für junge Menschen nicht gerade einfach: Lehrstellen in Betrieben sind rar, Praktikumsplätze genauso.

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Seit September mache ich eine überbetriebliche Lehre als Mechatronikerin in einer Wiener Schulungseinrichtung. Ich bin 16 Jahre alt und suche weiterhin eine Lehrstelle direkt in einem Betrieb. Begonnen hat meine Suche letztes Jahr im Februar. Im Frühjahr und Sommer habe ich laufend Absagen bekommen, weil in vielen Betrieben keine Lehrlinge genommen wurden.

Julia (16) ist auf der Suche nach einer Lehrstelle in Wien.
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Aktuell nehmen Jobsuche und Bewerbung nicht mehr so viel Zeit in Anspruch, wie im letzten Jahr. Mir wurde gesagt, dass die Situation durch Corona schwierig geworden ist. Es sind fast keine Lehrstellen ausgeschrieben. Deshalb schaue ich auch nur alle zwei bis drei Wochen auf Unternehmensseiten oder Jobportalen nach neuen Anzeigen.

Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf. Mein Ziel ist es vom sogenannten zweiten, in den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln – also von der überbetrieblichen Lehre in einen Lehrbetrieb. Im Idealfall finde ich innerhalb des ersten Lehrjahres eine reguläre Stelle. Falls das nicht klappen sollte, kann ich meine Ausbildung zum Glück auch in der Schulungseinrichtung des AMS abschließen.

In meiner Gruppe sind wir insgesamt dreizehn Auszubildende. Die anderen haben bei der Lehrstellensuche ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich. Finanziell komme ich gut aus, ich wohne auch noch zu Hause. Die Entschädigung beträgt aber nur die Hälfte einer regulären Lehrstelle.

Den größten Unterschied zu der Zeit vor Corona macht für mich, dass ich meine Freunde weniger sehen kann. Zurzeit bin ich aber einfach sehr froh, meine Ausbildung machen zu können und ich verstehe mich gut mit den anderen in meiner Gruppe. Für meine Zukunft wünsche ich mir, dass ich einen Lehrbetrieb finde und dort meinen Meister mit Spezialmodul machen kann, zum Beispiel im Bereich Zug- oder Robotermechatronik. Je nachdem, wo ich etwas finde. (Anika Dang, 7.2.2021)