Das übliche Bild am Ende eines Super Bowl: Tom Brady jubelt.

Foto: Mark J. Rebilas-USA TODAY Sports

Das Endspiel in einem Bild: Die aus Ersatzleuten bestehende Offensive Line der Chiefs kann ihren Quarterback nicht schützen, die Buccaneers haben ihren Spaß.

Foto: Mike Ehrmann/Getty Images/AFP

Tampa Bay – Die Tampa Bay Buccaneers haben mit einer 31:9-Machtdemonstration gegen die Kansas City Chiefs den 55. Super Bowl gewonnen und Quarterback Tom Brady seinen siebenten Titel beschert. Erstmals spielte ein Team ein NFL-Endspiel im eigenen Stadion – vor 25.000 Fans war es ein Triumph auf ganzer Linie.

Die Defense des Heimteams ließ die sonst so starke Offense des Titelverteidigers nie zur Entfaltung kommen, Starquarterback Patrick Mahomes bekam kaum Unterstützung seiner Vorderleute. Auf der anderen Seite warf Brady drei Touchdowns, zwei davon auf seinen kongenialen Partner Rob Gronkowski. Der 43-jährige Spielmacher wurde zum fünften Mal zum wertvollsten Spieler (MVP) eines Super Bowl gewählt. Er war erst vergangenen Sommer von den New England Patriots nach Tampa Bay gewechselt.

Stotterbeginn

Zum Auftakt der Partie stellten sich dem auch aus 30.000 platzfüllenden Pappkameraden bestehenden Publikum vor allem die Defensivabteilungen vor. Sie brachten die Quarterbacks verlässlich unter Druck, die ersten drei Drives endeten in Punts. Die ersten Punkte gingen an die Chiefs – nachdem Tyreek Hill in der Endzone ein schwieriger Ball durch die Hände rutschte, reichte es aber nur für ein Field Goal.

Rob Gronkowski sammelte 67 Receiving Yards.
Foto: Stephen M. Dowell/Orlando Sentinel via AP

Die Buccaneers antworteten mit dem ersten richtig gelungenen Auftritt der Partie. Insbesondere Running Back Leonard Fournette lieferte Raumgewinn, Tom Brady vollendete mit einem einfachen Pass auf Rob Gronkowski – 7:3. Der Chiefs-Motor stotterte nicht mal, er sprang gar nicht an: drei Plays, kein First Down. Tampa übernahm das Ei nach einem schwachen Punt und marschierte flott bis in die Vorkammer der Endzone. Vier Versuche für sechs Yards waren aber zu wenig – im entscheidenden Spielzug rannte Ronald Jones II in die rote Menschenmauer, die Chiefs übernahmen an ihrer eigenen Ein-Yard-Linie.

Strafen

Auch diesmal reichte es nur für ein müdes First Down. Star-Tight-End Travis Kelce ließ einen einfachen Ball fallen, ein großartiger Punt wurde durch eine Strafe annulliert und missriet im zweiten Anlauf völlig – es war wie verhext für den Titelverteidiger. Da passte auch ins Bild, dass eine vermeintliche Interception Bradys wegen einer Strafe gestrichen wurde. Die Chiefs schossen sich fröhlich weiter ins Knie: Als Tampa Bay ein Field Goal kickte, stellte sich Mecole Hardman ein paar Zentimeter zu weit vorne auf und verlängerte per Strafe den Ballbesitz des Gegners. Der folgende Spielzug endete in der Endzone, wieder war der Empfänger ein einsamer Gronkowski. 14:3.

Sarah Thomas schrieb als erste Schiedsrichterin bei einem Super Bowl Geschichte. Ihre Kollegen standen in der ersten Halbzeit im Mittelpunkt, acht Strafen gegen die Chiefs waren Super-Bowl-Rekord.
Foto: Patrick Smith/Getty Images/AFP

Sechs Minuten vor der Halbzeitpause dürfte irgendwo der Zündschlüssel zur wohl furchterregendsten Offense der Liga aufgetaucht sein. Patrick Mahomes führte sein Team über das Feld, vier Pässe landeten bei Kelce. Bei den entscheidenden Plays zeigte der Pass Rush der Buccaneers aber wieder seine Zähne, die Chiefs mussten sich mit einem Field Goal zufriedengeben und stellten eine Minute vor der Pause auf 6:14.

Mehr Strafen

Die Defense des Titelverteidigers blieb ihrem ungesunden Faible für Strafen treu. Wide Receiver Mike Evans entwischte seinem Bewacher Bashaud Breeland, der brachte ihn mit einem klaren Vergehen zu Fall – Pass Interference, eine Strafe für 34 Yards. Nächster Spielzug, selbe Strafe – diesmal nahmen es die Schiedsrichter aber zu genau. Fast mit dem Pausenpfiff kam Brady so zu seinem dritten Touchdown, diesmal hieß der Passempfänger Antonio Brown. 21:6.

Tom Brady bekam von seinen Passblockern verlässlich Zeit und nutzte diese souverän.
Foto: EPA/GARY BOGDON

The Weeknd lieferte die Pausenshow. Es war … kurios? Langweilig? Das Thema Kunst sollen jene bewerten, die dazu berufen sind, Sie werden im Laufe des Vormittags einen Bericht auf derStandard.at finden. So viel vorab: Im NFL-Chat dieses Sportredakteurs schrieb der einzige Mensch mit Kunstkompetenz von "Kameraführung aus der Hölle".

Halbzeit zwei

Jungstar Mahomes hatte sich in den bisherigen Playoffs als Spezialist für zweite Halbzeiten profiliert. Zum Start bekam er den Ball – das Resultat war ein Field Goal aus 52 Yards. Also wieder Tampa. Kansas City schaffte es einen Drive lang, keine Strafe zu verursachen – weil der Gegner mit sechs Spielzügen 74 Yards überwand. Fournette vollendete mit einem 27-Yard-Lauf zum 28:9.

Leonard "Playoff Lenny" Fournette kam auf 89 Rushing Yards und 46 Receiving Yards.
Foto: REUTERS/Brian Snyder

Das sonst so starke Passspiel der Chiefs blieb ein Schatten seiner selbst, die unzähligen Verletzungen in der Offensive Line wirkten sich verheerend aus. Ein abgelenkter Mahomes-Verzweiflungspass landete in den Händen von Antoine Winfield Jr., die Buccaneers bedankten sich für den Ballgewinn mit beinhartem Laufspiel. Auch ein seltener Fauxpas in Form eines zu hohen Snaps kostete das Heimteam keine Punkte, Kicker Succop traf auch aus 52 Yards.

Im 55. Spiel seiner NFL-Karriere gelang Mahomes erstmals kein Touchdown in den ersten drei Vierteln eines Spiels. Auch das Schlussviertel brachte keine Linderung. Dem Quarterback gelang bei einem vierten Versuch unter maximalem Druck ein fast unfassbarer Wurf, den Darrel Williams nicht unter Kontrolle brachte. Turnover statt Touchdown.

Das Motiv des dauergejagten Mahomes blieb das dominierende. Punkte gab es keine mehr, da Buccaneers-Linebacker Devin White in der eigenen Endzone kurz vor Schluss eine Interception gelang. Ein symptomatisches Ende. (Martin Schauhuber, 8.2.2021)

Das Spiel in einer Statistik.