Begehrtes Gut Impfstoff.

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Der "Basar". Die EU-Steuerungsgruppe, in der Gesundheitsbeamte der Mitgliedsstaaten sich zum Thema Impfstoffverteilung koordinieren, wird intern tatsächlich so genannt. "Basar" meinte man hier aber wohl im besten Sinne eines Handelsplatzes, schließlich hatten alle Staaten die gleichen Ausgangsbedingungen.

Der Mechanismus der Impfstoffverteilung in der EU wurde Anfang des Jahres transparent aufgestellt. Noch bevor die jeweiligen Impfstoffe durch die EMA zugelassen waren, schloss die EU-Kommission 2020 Verträge mit sechs Impfstoffherstellern: Biontech/Pfizer, Moderna, Astra Zeneca, Curevac, Johnson and Johnson und Sanofi. Insgesamt reservierte sie sich auf diese Weise 2,4 Milliarden Impfdosen. Das zu einem Zeitpunkt, zu dem noch nicht absehbar war, welcher Impfstoff zuerst oder überhaupt die Marktzulassung erhalten würde.

Freie Kontingente

Die Aufgabe des Lenkungsausschusses war und ist es, einen gerechten Verteilungsschlüssel für die Impfstoffdosen der einzelnen Lieferungen zu erstellen, der sich an der Bevölkerungszahl orientiert. Hier haben sich unterschiedliche Mitgliedsstaaten für unterschiedliche Impfstoffe entschieden.

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer (10 Euro pro Dosis) und Moderna (15 Euro pro Dosis) liegen im Preis recht hoch, deshalb wollten beispielsweise Länder wie Bulgarien oder Lettland ihre Kontingente der ersten Biontech/Pfizer-Lieferung nicht in Anspruch nehmen.

Verspätungen waren nicht einkalkuliert

Diese frei werdenden Kontingente wurden daher in einer zweiten Runde neu ausgelobt. Österreich hätte so rund 100.000 Dosen bekommen können, wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Montag bestätigte. Da Österreich aber vor allem auf den Impfstoff von Astra Zeneca setzte, zeigte es im Lenkungsausschuss kein Interesse an den frei werdenden Impfdosen. Anders hingegen Staaten wie Malta, die Niederlande, Dänemark, Zypern und auch Deutschland. Sie kauften die übrigen Impfdosen auf.

Die Krux an der Sache: Lieferschwierigkeiten beim billigeren Astra-Zeneca-Impfstoff (1,80 Euro pro Dosis) brachten das gesamte System ins Ungleichgewicht, eine Tatsache, die die EU-Kommission zwar nicht zu verantworten hat, die sie aber als Risikofaktor in den Verteilungsmechanismus hätte einkalkulieren können. Die Möglichkeit des Ausgleichs gäbe es bei zukünftigen Lieferungen, die ebenfalls im Lenkungsausschuss aufgeteilt werden.

Ein Szenario, das wohl am EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in der kommenden Woche zur Diskussion gestellt wird. (Manuela Honsig-Erlenburg, 15.3.2021)