Im Falle einer Verurteilung drohen dem Beschuldigten bis zu 20 Jahre Haft.

Foto: Reuters/Salvador Rodriguez

Wenige Tage nach dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Jänner warnte Amazon seine Angestellten in Datencentern vor Bombendrohungen durch Rechtsextreme. Auf einem rechten Message-Board postete ein Nutzer namens Seth P. unter dem Pseudonym Dionysus, dass er zwar "kein dämlicher Selbstmordattentäter sei. Aber im Wissen, dass er "den Bösen dieser Welt" nicht erlaube, seine amerikanischen Mitbürger unfair zu behandeln, wolle er selig als junger Mann sterben. Laut der Staatsanwaltschaft habe er sich in den folgenden Monaten auf Amazon konzentriert – und geplant, ein Rechenzentrum in Virginia zu zerstören.

Das FBI nahm den 28-Jährigen vergangenen Donnerstag in Gewahrsam. Laut Gerichtsdokumenten gestand er seine Pläne bereits während der Verhaftung. Der Konzern geriet in den USA ins Visier Rechtsextremer, nachdem er am 9. Jänner angekündigt hatte, die rechte Twitter-Alternative Parler nicht mehr auf den eigenen Servern hosten zu wollen. "Klingt nach Krieg", schrieb daraufhin ein Parler-User in einem Beitrag, den ein "Buzzfeed News"-Redakteur entdeckte. "Es wäre schade, wenn jemand mit Sprengstoffausbildung einigen AWS-Rechenzentren einen Besuch abstatten würde."

Enttäuscht von fehlender Aggression

P. behauptet, selbst beim Kapitol-Sturm dabei gewesen zu sein, das Gebäude jedoch nicht betreten zu haben, berichtet "Wired". Er drückte zudem seine Enttäuschung darüber aus, dass die anderen Demonstranten nicht aggressiver gewesen seien. "Ich habe das Gefühl, dass wir alle mit der Absicht an die Sache herangegangen sind, sehr wenig zu erreichen", schrieb er in einem Onlineforum: "Was habt ihr erwartet, wie viel wir bewirken werden, wenn wir alle bereitwillig unbewaffnet gehen."

Ermittler erlangten daraufhin per Durchsuchungsbefehl Zugang zu seinen Facebook-Nachrichten und begannen, sein Haus zu überwachen. "Wir sind dem besorgten Bürger zu Dank verpflichtet, der die alarmierende Rhetorik meldete", sagte der Staatsanwalt Prerak Shah in einem Statement. "Indem sie die Beiträge an das FBI weiterleitete, hat diese Person möglicherweise das Leben mehrerer Mitarbeiter gerettet."

Austausch mit FBI-Informant

Ende Jänner begann der Beschuldigte, sich mit einer weiteren Person auf dem verschlüsselten Messenger Signal über seine Pläne, die Amazon Web Services zu attackieren, auszutauschen. "Wenn ich Krebs hätte oder so, dann würde ich eine Bombe in diese Server fahren", schrieb er laut der Strafanzeige am 19. Februar. Seine Hoffnung: "Etwa 70 Prozent des Internets abschalten." Was P. jedoch nicht wusste, war, dass er all das einem FBI-Informanten schrieb.

Am 31. März traf sich der Beschuldigte mit ebendiesem – und einem undercover agierenden FBI-Agenten, der sich als Sprengstofflieferant ausgab. Dort soll er seinen Plan skizziert haben, Rechenzentren im Norden Virginias sprengen zu wollen. Er nahm an, dass diese Dienste für die CIA, das FBI und weitere Bundesbehörden tätig seien. Laut Staatsanwaltschaft habe er sogar geplant, spezielle Boxen herzustellen, um die Kraft der Explosionen lenken zu können.

Bis zu 20 Jahre Haft

Festgenommen wurde P., nachdem er sich vergangenen Donnerstag erneut mit dem Undercover-Agenten getroffen hatte, der ihn mit – wie er sagte – C4-Sprengstoff und einer Sprengschnur versorgte. Er demonstrierte außerdem, wie man diesen benutzt. Nachdem der Beschuldigte all das in seinem Auto verstaut hatte, wurde er sofort verhaftet. Bei der anschließenden Durchsuchung seines Hauses fanden die Behörden Perücken und Masken, Karten, auf denen der Anschlag beschrieben war, und eine Machete, in deren Klinge der Name Dionysos eingeritzt war.

P. wird wegen des böswilligen Versuchs, ein Gebäude mit Sprengstoff zu zerstören, angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Gefängnis. (mick, 12.4.2021)