Vajont-Stausee

Ein Stück eines Berges stürzt in einen Stausee

Zur Zeit ihres Baus zählte die Vajont-Staumauer zu den höchsten der Welt.
Foto: Wikimedia

Zweihundertsiebzig Millionen Kubikmeter maß die Flanke des Monte Toc in den italienischen Alpen, die am 9. Oktober 1963 in den Vajont-Stausee nahe der Stadt Belluno rutschte. Die Folge: eine 150 Meter hohe Flutwelle. Am Ende der schmalen Schlucht lag die Ortschaft Longarone, die von den Wassermassen – so wie vier andere Dörfer – fast vollständig zerstört wurde. 2.000 Menschen kamen ums Leben.

Als der Stausee ein Jahr zuvor aufgestaut worden war, hatte sich die Bergflanke durch die Erdbewegungen schon einmal gefährlich bewegt. Doch blieben die Warnungen ungehört. Die 262 Meter hohe Staumauer, damals ein Symbol italienischer Ingenieurskunst, wurde bei der Katastrophe überspült, blieb jedoch unversehrt – und steht bis heute.


Tesero

Schlamperei löst eine Schlammlawine aus

In der Gegend um Trient wird bis heute Bergbau betrieben – und Tourismus.
Foto: AFP / Marco Bertorello

Nicht weit vom Vajont-Stausee entfernt ereignete sich knapp 22 Jahre später eine weitere Katastrophe, die zwar vorderhand als Flutkatastrophe in die Geschichte Norditaliens einging, eigentlich aber menschengemacht war: 268 Menschen wurden im Stavatal nahe Trient am 19. Juli 1985 unter Schlammmassen begraben, die sich aus einem geborstenen Absetzbecken eines Bergwerks über Tesero ergossen.

Wie sich herausstellte, hatten Fachleute schon lange vor einer Katastrophe gewarnt, weil der Damm des Beckens keineswegs den damals üblichen Sicherheitsrichtlinien entsprochen hatte. Auch bei der Wartung wurde im Nachhinein Schlamperei festgestellt. Ein Drainagerohr hatte schließlich die fatale Kettenreaktion ausgelöst.


Shenzhen

Chinas Bauboom führt zu tödlichem Bergrutsch

Mit schwerem Gerät suchten Hilfsmannschaften nach Opfern.
Foto: AP / Andy Wong

Tagelang hatte es in der südchinesischen Region Shenzhen heftig geregnet, als es am 20. Dezember 2015 zur Katastrophe kam: Sechs Meter hoch türmten sich die Schlamm- und Geröllberge, die sich über die Fabrikhallen, Büros und Wohnkomplexe am Rande der Sonderwirtschaftszone ergossen.

Mindestens 70 Menschen starben bei dem Erdrutsch, der nicht passiert wäre, hätte man nicht über die Jahre einen 100 Meter hohen Berg aus Erde und Bauschutt angehäuft – der viel zu groß und steil dimensioniert war, wie sich später herausstellte. Entsprechende Warnungen hatten die Behörden zuvor in den Wind geschlagen. Durch die starken Regenfälle begann der menschengemachte Hang dann zu rutschen – mit tödlichen Folgen.


Amazonas-Regenwald

Fleischproduzenten lassen die Lunge der Welt brennen

Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich der Regenwald von den Bränden erholt.
Foto: Xinhua / Gabriele Biro

Trockenheit und Waldbrände hat es im Amazonasgebiet immer schon gegeben. Doch 2019 wurde das ökologisch so wertvolle Gebiet von einer besonders heftigen Waldbrandsaison getroffen. Innerhalb von fünf Tagen brannten im August Wälder und Weiden von der zehnfachen Fläche Wiens ab – mit verheerenden Folgen für Klima und Biodiversität.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gab in ihrem Untersuchungsbericht im März 2021 brasilianischen Großbauern die Schuld an den Feuern: Mittels Brandrodungen hatten sie mehr Platz für ihre Fleischproduktion schaffen wollen. Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro hatte sich zuvor für die Rodungen ausgesprochen und wies jegliche Kritik daran zurück.


New Orleans

Hurrikan Katrina lässt marode Dämme brechen

Die einst so stolze Musikmetropole New Orleans versank 2005 im Wasser.
Foto: AP / David J. Philip

Dass der Hurrikan Katrina zu den stärksten Stürmen gehört, die je über die USA gefegt sind, steht fest. Dass ein solches Wetter Menschen in Gefahr bringt, ebenso. Und doch führte auch menschliches Versagen zu der Hochwasserkatastrophe vom August 2005 – und zu massenhaftem Sterben. 1.833 Menschen kamen vor 16 Jahren ums Leben, als der Sturm die Südstaatenmetropole mit voller Wucht traf.

Dämme und Deiche, jahrzehntelang kaputtgespart, konnten dem Druck nicht standhalten, Stadtviertel, die unterhalb des Meeresspiegels lagen, waren am schlimmsten betroffen. Bis zu 80 Prozent des Stadtgebiets standen teilweise fast acht Meter tief unter Wasser. Zudem hatten die Behörden viel zu spät vor der nahenden Flut gewarnt.


Aralsee

Die Industrie saugt den einst riesigen See aus

Wo einst Schiffe fuhren und Menschen von Fischfang lebten, blieb nur Wüste.
Foto: Imago / imagebroker

Bis in die 1960er-Jahre war der Aralsee zwischen Kasachstan und Usbekistan der viertgröße See der Welt. Heute ist von dem einst stolzen Gewässer nur mehr ein kleines Rinnsal übrig. Seitdem die Sowjetindustrie riesige Mengen des ohnehin sehr salzreichen Aralsee-Wassers entnommen hat, um den Durst der usbekischen Baumwollfelder zu stillen, sank der Wasserspiegel von Jahr zu Jahr um einige Meter.

Etwa um 1990 wurde der See so in zwei Hauptbecken geteilt, seit 2000 sind nur mehr kleine Gebiete mit Wasser bedeckt. Was bleibt, ist lebensfeindliche Wüste. An den einstigen Ufern grassieren aufgrund der verpesteten Umwelt Typhus und Tuberkulose. Nun soll zumindest der Nordteil gerettet werden – mittels eines Staudamms. (Florian Niederndorfer, 24.7.2021)