Der mit Menschen vollgepackte Laderaum einer US-Frachtmaschine.
Foto: REUTERS/COURTESY OF DEFENSE ONE

Die Bilder aus Kabul, Journalismus, der auch ohne viele Worte funktioniert: Man weiß nicht, was die Taliban politisch und sozial vorhaben, aber man sieht sie mit ihrer schieren Präsenz von der Stadt Besitz ergreifen, ja, und das kann sogar komisch sein, wie die Szene, in der sie in einem Fitnesscenter die Geräte ausprobieren. Man soll sich aber nicht täuschen und annehmen, dass diese Männer nicht nur islamische, sondern auch technologische Fundamentalisten sind. Die Taliban – oder zumindest ein Teil davon – können leider mehr als nur ihre Smartphones bedienen, sie sind in vielerlei Hinsicht fit.

Die Bilder, die aber für immer bleiben werden, sind jene vom Flughafen Kabul. Nein, es ist nicht wie Saigon 1975, es ist Kabul 2021. Die Frage ist nicht, warum Menschen von Flugzeugen, an die sie sich irgendwie angeklammert haben, in die Tiefe stürzen, die Frage ist, warum diese Flugzeuge abgehoben sind.

Ein Bild, das mit Sicherheit in die Geschichte eingehen wird: der Laderaum einer US-Frachtmaschine, mit Menschen vollgepackt. Obwohl man sieht, dass sie miteinander sprechen, wirkt es irgendwie still, gespenstisch. Und die da sitzen, sind die glücklichen Unglücklichen.

Nach zwanzig Jahren war eben Schluss – und dafür gibt es Argumente. Aber was bleibt, ist der immense Vertrauensverlust auf der einen Seite – und ein Siegesnarrativ auf der anderen: 1989 haben wir in Afghanistan die Sowjetunion besiegt, 2021 die USA. (Gudrun Harrer, 17.8.2021)