Heribert August (li.) mit Angela Merkel und Armin Laschet in der katholischen Kirche St. Michael in Aachen-Burtscheid, der Heimatgemeinde der Familie Laschet.

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Was würdest du tun?" Das habe ihn Armin Laschet gefragt, als er überlegte, als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen zu gehen, erinnert sich der Priester Heribert August. "Ich würde es nicht machen. Aber ich bin nicht du. Du bist durch und durch Politiker, und ein richtiger Politiker, der vor so einer Frage steht, sagt nicht Nein", habe August dem CDU-Kandidaten und Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen geantwortet, "ich wünsche dir Glück, aber zerbrich nicht, wenn es nicht klappt."

Monsignore

Heribert August ist für Laschet nicht irgendein Priester, die beiden kennen einander, seit der Politiker 16 war. August, der wegen seines Engagements in Sarajewo, das schon lange vor dem Krieg in Ex-Jugoslawien begann, den Titel eines päpstlichen Ehrenkaplans, Monsignore, von Benedikt XVI. verliehen bekam, war auch 30 Jahre Pfarrer im Aachener Stadtteil Burtscheid. In der Heimatgemeinde Laschets war der Teenager Laschet bei der Pfarrjugend engagiert und lernte seine Frau kennen, die im Kirchenchor sang. Heribert August traute das junge Paar. "Eine sehr stimmige und durch die Pfarrangehörigen mitgetragene Feier", erinnert sich der Priester, der danach alle Kinder der Laschets taufte, Laschets Mutter beerdigte und "alle Familienfeiern mitmachen und ein Freund und Wegbegleiter werden durfte". Man spricht auch über ethischen Fragen im Landtag oder das Krankenhaus, in dem August im Aufsichtsrat sitzt.

Zigarillo

Auch wenn "wir uns nicht mehr so oft sehen, ist mein Gartenfest immer ein Fixtermin", plaudert August im STANDARD-Gespräch. "Heuer ist es wegen Corona abgesagt worden", wie er zerknirscht bemerkt, aber ich freue mich schon, wenn wir wieder gemütlich eine Zigarillo miteinander rauchen können."

Apropos Zigarillo. Wegen eines Fotos, auf dem Laschet rauchte, gab es einmal Aufregung in der Presse. Dem väterlichen Freund tue "der Armin da wirklich oft leid. Das Schmerzhafteste ist eigentlich immer, wenn man sieht, dass er als gerader und lieber Kerl in eine Ecke gestellt wird, etwa weil er gelacht oder ein Eis gegessen hat. Er hat das Eis geschenkt bekommen. Was wäre erst losgewesen, wenn er es abgelehnt hätte?", ärgert sich der 74-jährige Seelsorger.

"Falscher Kerl Söder"

Nebenbei teilt er gegen den unionsinternen Gegner Markus Söder (CSU) aus: "Wenn Armin mit ein paar Leuten lacht, da ist er eben der Mensch, der er ist, der lässt sich nicht verbiegen. Er macht keine Showmiene, die man ihm jetzt andichten möchte. Söder macht immer ein schönes Gesicht, und dahinter ist er ein falscher Kerl."

Nach Stärken und Schwächen seines Freundes gefragt, meint August, Laschet sei "zuverlässig, ehrlich, hat eine enge Beziehung zur Familie und wartet ab und denkt nach, bevor er etwas sagt". Und keine Schwächen? "Vielleicht denkt er manchmal etwas zu lange nach und wirkt dafür unentschlossen."

August verteidigt energisch Angela Merkel, die "2015 spontan ihr Herz für Flüchtlinge aufgemacht hat. Und wir haben das doch wunderbar hingekriegt. Wir könnten in vielen Bereichen 2021 gar nicht mehr funktionieren ohne Migranten."

"Kurz ist kein Christ"

Laschet stehe da auch dahinter, denn: "Er ist ein echter Christ. Ihr Kanzler, Sebastian Kurz, der ist ein junger Kerl, aber er ist kein Christ. Jedenfalls nicht in dieser Frage", betont der Katholik.

Umfragen, in denen die CDU zuletzt unter 20 Prozent rutschte, erschüttern Augusts Gottvertrauen nicht. Er sei "am Schluss schon oft der Gewinner gewesen, es hat auch keiner damit gerechnet, dass er Ministerpräsident wird. Wer weiß, vielleicht muss er am Ende doch mit einer hauchdünnen Mehrheit Koalitionen suchen. Rot-Rot-Grün fände August nämlich nicht gut: "Die Linken lehnen die Nato ab und haben kein Verständnis für Flüchtlinge." Die SPD sei links genug und "den Grünen ist zu verdanken, dass sie bei Klimathemen Druck machen und die jungen Leute mobilisieren. Armin war schon in seiner Studienzeit in Bonn gern mit Grünen unterwegs."

(Colette M. Schmidt aus Berlin, 10.9.2021)