In seriösen amerikanischen Medien und Fachkreisen wird bereits seit Monaten die Möglichkeit eines Krieges mit China diskutiert.

Das ist der Hintergrund der Entscheidung von Präsident Joe Biden, mit Australien und Großbritannien ein ostasiatisches Militärbündnis zu schließen. China wird inzwischen unter seinem jetzigen Führer Xi Jinping als expansive Großmacht mit Ambitionen zur Weltvorherrschaft betrachtet.

US-Präsident Joe Biden und Chinas Präsident Xi Jinping.
Foto: REUTERS/Lintao Zhang/Pool/File Photo

Seit Jahren dehnt China seinen Einfluss mit "soft power" weltweit aus: Es baut riesige Infrastrukturprojekte in Afrika, kauft Häfen (Piräus) und Firmen in Europa und breitet sich auf der zentralasiatischen Neuen Seidenstraße aus. Die Ideologie dahinter: Der Westen ist im Abstieg, der Osten im Aufstieg. Daran schließt sich eine Weltsicht, die von dem einflussreichen chinesischen Denker Zhao Tingyang stammt, die er unter dem (Buch-) Titel Alles unter dem Himmel zusammenfasst. Die bisherige westliche, liberale Weltordnung, die in Wirklichkeit nichts als brutale Unterwerfung und Ausbeutung unterlegener Völker sei, soll irgendwie durch ein harmonisches Konzept von Frieden und gegenseitiger Zusammenarbeit abgelöst werden. Selbstverständlich unter weiser chinesischer Führung.

Zhao Tingyang hat angeblich in Xi Jinping einen Bewunderer. Der Verdacht besteht, dass das jetzige chinesische Modell einer wirtschaftlich erfolgreichen Autokratie auf die ganze Welt ausgedehnt werden soll. "Zeit und Momentum sind auf unserer Seite", soll er gesagt haben.

Einschüchterungspolitik

Dieser Anspruch wird militärisch unterfüttert. China rüstet massiv auf, auch mit interkontinentalen Atomraketen. Die chinesische Marine erstreckt ihre "power projection" auf den gesamten südostasiatischen Raum, winzige, umstrittene Inselgrüppchen werden zu Marinestützpunkten ausgebaut. China betreibt gegenüber seinen Nachbarn eine massive Einschüchterungspolitik. Und: Es scheint so, als wollte der Autokrat Xi Jinping seine Karriere damit krönen, dass er Taiwan "heim ins Reich holt". Das wäre der wahrscheinlichste Kriegsgrund.

China hat in den letzten Jahrzehnten einen unglaublichen Aufstieg genommen. Hunderte Millionen wurden von Armut, ja Elend, befreit, das Land steuert auf den Supermachtstatus zu. Das Magazin Profil war so freundlich, in einer Jubiläumsnummer meine seinerzeitige Einschätzung zu zitieren, dass China um 2030 gleichberechtigt neben den USA und Russland (damals UdSSR) stehen werde. Das basierte auf einigen China-Reisen der 80er-Jahre, bei denen die Dynamik des Aufbruchs und gleichzeitig das darunterliegende ungeheure Selbstbewusstsein spürbar waren: "Wir sind jetzt arm, aber wir haben eine 5000 Jahre alte Kultur, und wir werden den Westen einholen", hieß es damals. Die Parole hieß damals "friedlicher Aufstieg". Das hört sich heute anders an: Die "chinesische Lösung" soll der Welt das Heil bringen. Doch die ist schon jetzt eine erbarmungslose digitale Diktatur, in der der Einzelne bis ins intimste Leben überwacht wird und Nicht-Han-Chinesen, wie die muslimischen Uiguren, zwangssinisiert werden.

Dieser Anspruch ist mindestens so imperialistisch wie die alten Kolonialmächte. Er ist sogar totalitärer. Das ist der Hintergrund des neuen Pakts gegen China. (Hans Rauscher, 22.9.2021)