Nein, der ist nicht von der Spielkonsole in die reale Welt entwischt und auf der Straße gelandet. Sondern womöglich ein ganz ernsthaft gemeinter Ansatz, sich ein neues Geschäftsfeld zu erschließen, wenn das mit der Unterhaltungselektronik nicht mehr so recht klappt, weil alle beim Koreaner und Chinesen einkaufen.

Beim Projekt Sony Vision-S hat Magna Steyr als Entwickler massiv die Finger mit im Spiel.
Foto: AP

Im Jahr 2020 oder Jahr null der Corona-Zeitrechnung hat der japanische Technologie- und Unterhaltungsriese Sony auf der CES in Las Vegas sein Projekt Vision-S enthüllt. Inzwischen ist raus, dass Magna Steyr in Graz bedeutende Entwicklungsumfänge für das Projekt stemmt, die deutschen Zulieferer Bosch, Conti und ZF werden ebenfalls als Partner genannt, und deshalb sehen wir uns die 4,90-Meter-Fließhecklimousine einmal etwas näher an. Beim Design ist eine gewisse Nähe zu Tesla und auch Porsche zu bemerken. An technischen Ingredienzien sickern Luftfederung, zwei E-Motoren mit je etwa 200 kW, Allradantrieb und ausgefuchstes Infotainment durch. Hinten vermutlich Heimkino und/oder Playstation-Anschlüsse für die Kids.

Doch Sony ist nicht der einzige Tech-Gigant, der zum Lenkrad greifen will. Auch Apple hat wohl Pläne, in das Geschäft der E-Mobilität einzusteigen. Gerüchten zufolge will sich die Firma mit dem angebissenen Apfel dafür Partner mit langjähriger Erfahrung in der Branche an die Seite holen: Hyundai und Tochterfirma Kia waren im Gespräch. Beide dementierten aber eine geplante Zusammenarbeit.

Vom Ei zum eigenen Unternehmen

Apple iCar, stilistisch ein Ei-Car ...
Konzept: Dejan Hristov

Die gemunkelten Werte können sich aber lesen lassen: 800-Volt-Technologie, Reichweite von 500 Kilometern und eine 100-Kilometer-Aufladung innerhalb von fünf Minuten. Als Startjahr steht 2024 im Raum. Also abwarten.

Um das von Google geplante und konzipierte selbst fahrende Überraschungsei ist es in den vergangenen Jahren etwas still geworden. 2014 berichtete Chris Urmson, damaliger Leiter des "Self Driving Car"-Projekts, von den Anfängen. Elektrisch betrieben, mit einer Lasereinheit auf dem Dach, die bis zu zwei Kilometer weit schauen sollte.

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... gefolgt von Googles ebenfalls eiförmigem Autonomfahrdemonstratorprototyp ...
Foto: Picturedesk

Dann übernahm die Tochter Waymo des Google-Mutterkonzerns Alphabet die Entwicklung und baute das Vorhaben des Tech-Giganten aus. Seitdem ist viel passiert, und mittlerweile gibt es in Phoenix, Arizona, einen selbstfahrenden Abholservice. Eigens dafür gebaute Autos gibt es aber nicht, das System ist in der Regel in einen Chrysler Pacifica Hybrid eingebaut. Und seit vergangenem Jahr wurde das System sogar auf eine Flotte von Lkws ausgeweitet, die seitdem in New Mexico und Texas getestet werden.

Viel Geld für Rivian

Liefern lassen will auch Handelsriese Amazon künftig mit der eigens dafür konzipierten Flotte. Dafür hat das Unternehmen rund 700 Millionen Dollar in das Elektroauto-Start-up Rivian investiert. Der Plan: 100.000 elektrische Amazon-Trucks.

... und dem E-Lieferwagen aus der Kooperation Amazon/Rivian.
Foto: Reuters

Die Bestellung sei bereits eingegangen und soll nun in den kommenden Jahren abgearbeitet werden, heißt es. Besser gesagt: Die ersten Trucks werden bereits dieses Jahr erwartet, bis 2030 soll dann die Flotte komplett und unterwegs sein. Die Fahrzeuge sollen nicht nur in den USA fahren, auch Europa und Indien sind Teil des Plans. Wie praktisch, dass man mit Alexa auch gleich den eigenen Autoassistenten an Bord haben wird.

Rivian machte bereits 2019 Schlagzeilen in den USA. Knapp 4,3 Milliarden Euro steckte Ford in das E-Truck-Start-up. Der US-Automobilhersteller plant ein Premium-E-Mobil auf dieser Plattform, neben den eigenen Elektroautos, die ja zeitgleich geplant und hergestellt werden. Die haben dann eher weniger mit einer Spielkonsole am Hut. (Thorben Pollerhof, 4.10.2021)