Der Startschuss für das Wettrennen um die schnellste Eisenbahn der Welt fiel 1964 in Japan. Damals wurde mit dem Tōkaidō Shinkansen der erste Zug vorgestellt, der eine Geschwindigkeit von über 200 Kilometern pro Stunde erreichen konnte. Nach wie vor sind die Japaner führend, was Hochgeschwindigkeitszüge betrifft. Das spiegelt sich auch im aktuellen Ranking der Datensammler von Visual Capitalist wider.

Japan führt im Wettstreit um den schnellsten Zug der Welt. China ist ihm dicht auf den Fersen.
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Dort führt ein japanischer Zug die Rangliste an, der derzeit von der Central Japan Railway Company (JR Central) entwickelt und getestet wird. Die Magnetschwebebahn Maglev L0 hält mit 602 km/h den Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge. Eisenbahnenthusiasten sollten aber noch ein bisschen warten, bevor sie sich nach Tokio aufmachen, um mit dem Zug eine Runde zu drehen. Denn er befindet sich noch in der Entwicklung und wird momentan erst für den regulären kommerziellen Einsatz getestet.

Der erste Abschnitt (Tokio–Nagoya) soll 2027 in Betrieb gehen, bevor die Strecke dann nach Osaka erweitert wird. Nach ihrer Fertigstellung soll die Magnetschwebebahn auch nicht Vollgas geben. Mit 500 km/h soll das Schienenfahrzeug die knapp 500 Kilometer lange Strecke von Tokios Shinagawa Station nach Osaka in einer Stunde und sieben Minuten zurücklegen.

Knapp der zweitschnellste Zug der Welt: CRRC Qingdao Sifang 2021 Maglev.
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Die Technologie der Serie L0 lässt den Zug bei Geschwindigkeiten ab rund 150 Kilometern pro Stunde schweben. Diese "Magnetschwebetechnologie", bei der zwei Magnete den Zug anheben und vorwärts treiben, ohne ihn durch Reibung zu verlangsamen, wird derzeit weltweit eingesetzt. So auch beim aktuell zweitschnellsten Zug der Welt, der sich seinem japanischen Pendant nur knapp geschlagen geben muss und in China unterwegs ist. Er hört laut Visual Capitalist auf den Namen CRRC Qingdao Sifang 2021 Maglev und wurde im Juli 2021 als schnellster Zug der Welt vorgestellt. Weil er aber um ganze zwei Kilometer pro Stunde langsamer ist, reicht es wohl nur für Rang zwei.

Bei 600 km/h soll es nur zweieinhalb Stunden dauern, um mit dem Zug von Peking nach Schanghai zu fahren – eine Strecke von mehr als 1.000 Kilometern. Mit dem Flugzeug würde die Reise drei Stunden und mit dem Hochgeschwindigkeitszug 5,5 Stunden dauern.

Hochgeschwindigkeitszüge in Frankreich: Der TGV POS hält Rang drei.
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Die Bronzemedaille holt sich der französische TGV POS, als einer von nur zwei europäischen Vertretern in der Rangliste der schnellsten Züge der Welt. In Frankreich ist der Hochgeschwindigkeitszugverkehr schon seit vielen Jahren Thema. Im Jahr 2007 stellte der TGV POS mit beeindruckenden 574 Kilometern pro Stunde den Geschwindigkeitsweltrekord für Schienenfahrzeuge auf, bevor er 2015 von der japanischen L0-Serie übertroffen wurde. Der Zug wird von der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF für den Einsatz auf der Strecke LGV Est zwischen Paris, Ostfrankreich und Süddeutschland betrieben. Im regulären Betrieb erreicht der Zug eine Höchstgeschwindigkeit von 321 Kilometern pro Stunde.

Asien hat den größten Anteil

Frankreich ist, neben Italien (siehe weiter unten) so etwas wie ein Ausreißer. Tatsächlich ist die Hälfte der acht schnellsten Züge der Welt in China stationiert. Zusammen mit Japan und Südkorea verfügt damit Asien über den größten Anteil an Hochgeschwindigkeitsnetzen und Geschwindigkeitsrekorden.

So bringt der chinesische CRH380A Hexie (Rang 4) im kommerziellen Betrieb eine Höchstgeschwindigkeit von rund 380 km/h auf die Schiene, erreichte während der Testfahrten satte 486 km/h. Und was noch beeindruckender ist: Der elektrische Hochgeschwindigkeitszug ist nur eine von vier chinesischen Zugserien, die für den Betrieb auf den neu gebauten Hochgeschwindigkeits-Hauptstrecken entwickelt wurden. Der CRH380A mag der schnellste sein, aber auch die anderen drei sind nicht zu verachten.

Ein Blick ins Innere des Shanghai Maglev.
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Ähnlich wie die japanische L0-Serie ist der Shanghai Maglev (auch Shanghai Transrapid genannt) eine Magnetschwebebahn. Obwohl sie dank einer Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h auf Platz fünf dieser Liste landet, ist sie die älteste kommerzielle Magnetschwebebahn, die noch in Betrieb ist. Wenn man den internationalen Flughafen Shanghai Pudong anfliegt, ist die Fahrt mit dieser Bahn ganz einfach. Man kann im Zentrum von Shanghai aussteigen oder bis an den Stadtrand von Pudong fahren, wo die Bahn endet.

Die acht schnellsten Züge der Welt
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Der südkoreanische Hemu-430X, Platz sechs in der Rangliste, wurde zwar für eine Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h gebaut, erreichte aber im März 2013 nur 421 km/h. Auch wenn er (zumindest bisher) hinter den Erwartungen zurückblieb, konnte Südkorea mit dem Zug prahlen: Es ist nun das vierte Land der Welt (nach Frankreich, Japan und China), das einen Zug entwickelt hat, der schneller als 420 km/h fährt.

Der chinesische Fuxing Hao CR400AF/BF landet auf Platz sieben. Er fährt regelmäßig mit Geschwindigkeiten von bis zu 355 km/h – bei Tests erreichte er jedoch beeindruckende 418 km/h, was ihm einen wohlverdienten Platz auf dieser Liste einbringt. Der Fuxing Hao verkehrt auf mehreren Hochgeschwindigkeitsstrecken in China, unter anderem auf der beliebten Strecke zwischen Peking und Shanghai.

Mailand, Florenz, Rom und Venedig liegen auf der Strecke des italienischen Frecciarossa 1000.
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Diese Liste mag zwar von China dominiert werden, aber der italienische Frecciarossa 1000 (auch bekannt als ETR 400) fährt mit beeindruckenden Geschwindigkeiten durch so beliebte Städte wie Mailand, Florenz, Rom und Venedig. Während Italien seine Züge auf eine Geschwindigkeit von 305 km/h beschränkt, erreichte der Frecciarossa 1000 im Jahr 2016 Berichten zufolge eine Spitzengeschwindigkeit von 394 km/h, wie bei Travel + Leisure nachzulesen ist. (red, 11.10.2021)