Katholik Joe Biden im Vatikan, Pro-Europäer Joe Biden bei den G20 in Rom, Klimafreund Joe Biden beim COP-26-Treffen in Glasgow: Unter anderen Vorzeichen wäre das, was bei Biden in den kommenden Tagen auf dem Plan steht, eine Wohlfühlreise. Ist es aber nicht, denn es reist nicht der Katholik, der Pro-Europäer oder der Klimafreund, sondern der US-Präsident – mit weitgehend leeren Händen.

US-Präsident Joe Biden reist in den kommenden Tagen nach Europa.
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Ihn verfolgen die Debatten, die auch daheim seine Präsidentschaft zu zerstören drohen. Der Kulturkrieg etwa in den Vatikan: Weil der persönlich fromme Katholik Biden Abtreibungsverbote ablehnt, wollen ihm Hardliner die Kommunion verweigern. Die Fehlschläge seines Außenamts nimmt er zu den G20 mit: Dort muss Biden Paris besänftigen, das ihm noch immer zürnt, weil sein Verteidigungspakt Aukus Australien von lukrativen Käufen französischer U-Boote abbrachte. Und das Chaos im US-Kongress verfolgt ihn zum COP 26: Noch immer ringen Senat und Repräsentantenhaus um Budget- und Infrastrukturpakete, mit denen Biden auftrumpfen und eine neue Klimaführerschaft der USA demonstrieren wollte.

Überhaupt ist es der fortwährende Streit, auch in der eigenen Partei, der das fatalste und folgenreichste Signal sendet. Der Rahmen, in den Biden sein Wirken stellen will, soll die Überlegenheit der Demokratie gegenüber autoritären Regierungsmodellen sein. Dass er fast ein Jahr nach der Wahl kaum greifbare Resultate vorzuweisen hat, gibt ein fatales Bild ab.(Manuel Escher, 28.10.2021)