Tausende Delegierte aus aller Welt verhandeln noch bis Freitag über die Zukunft des Klimas. Am Rande werden jede Menge informelle Versprechen gemacht – etwa zum Aus des Verbrennungsautos.

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Glasgow – Woche zwei bei der Weltklimakonferenz in Glasgow ist die spannendere. Denn nach den technischen Verhandlungen wandert das Feilschen um den richtigen Klimakurs für die Welt auf die politische Ebene. Noch halten sich viele Akteure bedeckt, vor allem von Umweltsündern wie Brasilien weiß man nicht, inwieweit sie sich letztlich auf einen ehrgeizigen Klimakurs festlegen wollen. Aber kein Land wolle am Ende als großer Verhinderer dastehen, an dem stärkere Bemühungen für mehr Klimaschutz weltweit scheiterten, ist Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) optimistisch, auch dass der Klimagipfel Ende dieser Woche mit einer ehrgeizigen Erklärung abgeschlossen werde.

Ernüchterung in Madrid

Die Ergebnisse der letzten Klimakonferenz Ende 2019 in Madrid waren freilich ernüchternd. Zwar verpflichteten sich die Unterzeichner der damaligen Abschlusserklärung dazu, ihre Klimaziele bis 2030 nachzuschärfen. Viele Punkte blieben aber offen, etwa wie Geld in besonders vom Klimawandel betroffene Länder fließen soll.

Einer der heißesten Punkte ist in Glasgow außerdem ein Mechanismus für den Handel von CO2-Emissionen zwischen den Staaten. Diesmal sei die Ausgangslage allerdings eine andere als 2019, sagt Gewessler, die ab Mittwoch für die EU über die Kohlenstoffmärkte verhandelt. Die Klimaschutzdebatte sei zwei Jahre weiter, man wisse heute mehr über die Auswirkungen der Erderwärmung. Der Druck aus der Öffentlichkeit wächst und wächst.

1,5-Grad-Ziel rückt näher

Und tatsächlich tut sich im Klimaschutz etwas: Als die Staats- und Regierungschefs vergangene Woche wieder aus Glasgow abreisten, ließen sie vollmundige Versprechen zurück, etwa was den Methanausstoß und Entwaldung angeht. Sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, könnte die globale Erwärmung erstmals unter zwei Grad bleiben, wie die Internationale Energieagentur (IEA) vergangene Woche berechnete. Immer noch zu heiß, sagen viele Klimaforscher – und gesagt ist bekanntlich noch lange nicht getan.

Wie gut die Staaten auf dem Weg zum Pariser 1,5-Grad-Ziel wirklich Kurs halten, schauen sich die Organisationen Germanwatch und New Climate Institute jedes Jahr an, den neuen Klimaschutz-Index veröffentlichten sie am Dienstag. Österreich kommt dabei schlecht weg. Die Republik fällt im Vergleich zum vergangenen Ranking um einen Platz zurück, liegt auf Rang 36 nur einen Platz vor China unter den "low performers". Die ersten drei Plätze wurden wie schon in den vergangenen Jahren nicht vergeben, weil kein Land beim Klimaschutz vorbildlich genug sei, sagten die NGOs.

Dänemark als Gewinner

Vierter und damit eigentlich Gewinner ist Dänemark, gefolgt von Schweden und Norwegen. Zurückzuführen sei das auf Fortschritte im Bereich erneuerbarer Energien und guter Klimapolitik, wie die Herausgeber des Klimaschutz-Index begründen.

Während Umweltschutzorganisationen wie der WWF in dem schlechten Klimaschutzzeugnis "enormen Aufholbedarf" für Österreich sehen, begründet Gewessler das schlechte Rating auch mit vergangenen Jahren, in denen in Sachen Klimaschutz wenig passiert sei. "Für mich ist der Bericht ein Auftrag, weiterzumachen", sagte sie am Dienstag vor Journalisten, die das Ministerium nach Glasgow eingeladen hatte. Gewessler ist überzeugt, dass Maßnahmen wie das Klimaticket dazu führen werden, dass Österreich in der nächsten Ausgabe des Klimaschutz-Index deutlich besser dastehen wird.

Für heute, Mittwoch, wird ein Deal erwartet, der das Ende von Autos mit Verbrennungsmotoren im Jahr 2040 besiegeln soll, wie bei der Konferenz zu vernehmen war. Bisher sollen sich aber China, Deutschland und die USA – und damit die größten Autohersteller der Welt – gegen die Initiative sträuben. (Philip Pramer, Aloysius Widmann aus Glasgow, 10.11.2021)