Das Hauptquartier der Christian Aid Ministries nördlich von Port-au-Prince.

Foto: Odelyn Joseph / AP

Die gute Nachricht kam kurz und knapp: Zwei der 17 Missionare, die vor mehr als einem Monat in Haiti entführt wurden, sind wieder frei. Das schrieb die Gruppe Christian Aid Ministries mit Sitz im US-Bundesstaat Ohio. Doch um wen es sich handelt und wo beziehungsweise wann die beiden befreit wurden, ist nicht bekannt. Man wolle keine Details veröffentlichen, heißt es in dem Statement. Dabei gehe es vor allem auch um die Sicherheit der noch verbleibenden Geiseln. Die zwei Missionare seien aber "sicher, wohlauf, und man kümmert sich um sie", steht in der Stellungnahme.

Ursprünglich hatte die Gang "400 Mawozo" pro entführte Person eine Million US-Dollar Lösegeld verlangt. Ob und wie viel Geld geflossen ist, ist unklar. Auch die Identität der Freigelassenen ist unbekannt. Das jüngste Entführungsopfer der Gruppe ist ein Kleinkind.

Mächtige Banden

Die Geiselnahme in einem Vorort der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince hatte am 16. Oktober für internationales Aufsehen gesorgt. Zwar entführen bewaffnete Gruppen im Land immer wieder Menschen, um Lösegeld zu erhalten, doch war die Aktion untertags und bei einem Waisenhaus sehr ungewöhnlich.

Laut Schätzungen der Behörden Haitis nimmt die Bande "400 Mawozo" – eine Gruppe von Viehdieben, die ins organisierte Verbrechen eingestiegen sind – rund 70.000 US-Dollar mit ihren Entführungen ein. Die "New York Times" schreibt, dass die Bewaffneten seit kurzem auch in Menschen- und Organhandel involviert seien. Vor allem seit dem Mord am Präsidenten Jovenel Moïse im Juli zeigen die Banden offen ihre Macht. (bbl, 22.11.2021)